Schuldenkrise: Irland ist bereit für den Haircut

Schuldenkrise: Irland ist bereit für den Haircut

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Der Hauptsitz der Bank von Irland. Irlands Banken bereiten sich auf Umschuldung vor.

von Yvonne Esterházy

Das Land braucht vielleicht noch mehr Geld – und die Banken bitten ihre Gläubiger zur Kasse.

Im November 2010 schlüpfte Irland unter den Euro-Rettungsschirm. Seither unterstützt er das Land mit 85 Milliarden Euro. Ab 2012 sollte sich der Inselstaat zumindest teilweise wieder über die Kapitalmärkte refinanzieren. Doch der Zweifel, ob das gelingen wird, wächst.

Die Risikoprämie, die Anleger für zehnjährige Staatspapiere fordern, hat sich seit November von knapp 7,0 auf 10,62 Prozent erhöht. Selbst Notenbankchef Patrick Honohan räumt ein: „Das Marktumfeld ist jetzt schlechter als damals.“

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Irland sei nicht Griechenland, heißt es beschwörend in Dublin. Doch die irische Regierung hat den Spekulationen selbst reichlich Nahrung gegeben. Er halte es für unwahrscheinlich, dass Irland nächstes Jahr an die Kapitalmärkte zurückkehren könne, „Irland benötigt voraussichtlich ein zweites Rettungspaket“, erklärte Verkehrsminister Leo Varadkar vor wenigen Tagen. Doch sofort pfiffen ihn Premier Enda Kenny und Finanzminister Michael Noonan zurück: „Es gibt keinen Bedarf für ein zweites Rettungspaket.“

Umschuldung könnte in Irland kommen

Neil Gibson, Ökonom der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young, ist weniger optimistisch. Er rechnet damit, dass Irland eine Umschuldung versuchen wird, denn die Wirtschaft kommt kaum auf die Beine. Zwar prognostiziert die Regierung in Dublin für 2011 ein Wachstum von 0,8 und für 2012 von 2,5 Prozent, doch laut Gibson dürfte das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr eher um 2,3 Prozent schrumpfen. Die Arbeitslosenquote kletterte im Mai bereits auf 14,8 Prozent, die Sparmaßnahmen der Regierung zur Eindämmung des Haushaltsdefizits dämpfen den Konsum. Geht es so weiter, wird es viele Jahre dauern, bis Irland saniert ist. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet, dass der Höhepunkt des Schuldenstandes erst 2013 erreicht wird – und dann bei 125 Prozent des BIPs liegen wird.

Größtes Problem ist der inzwischen weitgehend verstaatlichte Bankensektor: Die Rettung der angeschlagenen Kreditinstitute hat bereits 70 Milliarden Euro gekostet – das entspricht 45 Prozent des irischen Bruttoinlandsprodukts. Einziger Trost: Das Geld, das im bestehenden Paket für die Restrukturierung der irischen Banken reserviert wurde (35 von insgesamt 85 Milliarden Euro) reicht bisher aus. Allerdings könnte der Finanzbedarf der Banken steigen, weil eine wachsende Zahl der Iren in Häusern lebt, die weniger wert sind als ihre Hypothek. Hier tickt eine Zeitbombe.

Die Regierung will nun auch die privaten Investoren an der Bankenrettung beteiligen. Nach der inzwischen verstaatlichten Allied Irish Banks kündigte auch die Bank of Ireland – die zu 36 Prozent dem Staat gehört – an, sie wolle nachrangige Anleihen mit einem Abschlag von bis zu 90 Prozent zurückzukaufen. Auch die Bausparkasse EBS und Irish Life & Permanent wollen ihren nachrangigen Gläubigern einen derart drastischen Haircut verpassen.

Damit dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis auch die Halter vorrangiger Anleihen im Gesamtvolumen von 16 Milliarden Euro Abschläge hinnehmen müssen – bisher ein Tabu, weil die EZB absolut nicht mitspielen will. Bislang hat die Regierung erklärt, sie wolle diese Gläubiger schonen. Doch dabei hat sie die Skandalbank Anglo Irish, die vor der Abwicklung steht, bewusst ausgeklammert. Auch bei der EBS ließ sie sich alle Optionen offen.

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