Schuldenkrise: Irlands tiefer Sturz

Schuldenkrise: Irlands tiefer Sturz

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Irland ist zur Zeit das Sorgenkind der Europäische Union

von Yvonne Esterházy

Wird das kleine Land im Westen Europas zum zweiten Griechenland? Nach zunächst vielversprechenden Sparbemühungen drohen Irland Rückschläge bei Bankenrettung und Steuereinnahmen.

Monatelang herrschte der Eindruck, Irlands Regierung habe mit drakonischen Sparmaßnahmen verhindert, dass das haushaltspolitische Sorgenkind der EU-Zone in den Abgrund rutscht. Nun wachsen die Zweifel an der Zahlungsfähigkeit des kleinen Landes am westlichen Rand Europas allerdings wieder. Es ist erneut in den Fokus von Finanzmärkten, Politikern und Notenbankern geraten , die sich die bange Frage stellen: wird Irland nun doch zum zweiten Griechenland?

Aktuell kein Finanzbedarf

Die Risikoaufschläge auf irische Staatsanleihen haben in den letzten Tagen Rekordniveau erreicht, die Nervosität an den Finanzmärkten steigt. So etwas ist ein Warnsignal. Im April waren die steigenden Risikoprämien auf griechische Staatsanleihen der Vorbote für die dramatische Zuspitzung der griechischen Krise – ein Monat später kapitulierte Athen und musste den Schutzschirm der EU in Anspruch zu nehmen. Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker bekräftigte zwar heute morgen in Brüssel, er gehe davon aus, dass es der Regierung in Dublin gelingen werde, das Bankenproblem ohne europäische Hilfe zu lösen. Am Dienstag hatte auch Michael Martin, der irische Außenminister, in einem Interview mit Bloomberg kategorisch ausgeschlossen, dass Irland unter den Euro-Rettungsschirm kriechen wird. „Wir sind im Moment sehr überzeugt davon, aus dieser Sache herauszukommen“, bekräftigte er. Anders als Griechenland auf dem Höhepunkt der Krise besteht für Irland nämlich aktuell kein neuer Finanzbedarf. Erst Mitte September platzierte die Regierung neue Anleihen im Wert von 1,5 Milliarden Euro. Der irische Premierminister Brian Cowen betont deshalb, dass Irland bis Mitte nächsten Jahres ausreichend finanziert ist und sich vorläufig kein Geld leihen muss.

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Das ist richtig. Aber bald  wird sich entscheiden, wie es mit der verstaatlichten Problembank Anglo Irish Bank weitergeht, deren ungeheurer Finanzbedarf als Auslöser der aktuellen Krise gilt. In den nächsten Stunden will die irische Regierung ihre Pläne für die Neuordnung des stark angeschlagenen Bankensektors veröffentlichen.

Schon vorab teilte die irische Zentralbank heute morgen mit, die Anglo Irish Bank benötige mindestens sechs Milliarden Euro zusätzlich, es könnten aber auch weitere elf Milliarden Euro werden. Das wäre dramatisch: Die Regierung hat nämlich bereits 23 Milliarden Euro in die Bank gepumpt, die Rettungsmaßnahmen für die Anglo Irish Bank würden sich in diesem schlimmste Fall  auf 34 Milliarden Euro summieren, der Anteil des Haushaltsdefizits am Bruttoinlandprodukt (BIP) würde dann auf 30 Prozent steigen – ein Rekordniveau, das mehr als doppelt so hoch wäre wie in Griechenland!

Problembank Anglo Irish

Verschiedene Ratingagenturen hatten schon vor Tagen spekuliert, dass die Regierung in Dublin für dieses Fass ohne Boden mehr aufwenden muss, als bisher angenommen. Falls der neue Finanzbedarf höher ausfallen sollte als die geschätzten 35 Milliarden Euro, so hatten die Ratingagenturen gedroht, würden sie eine  weitere Herabstufung der irischen Kreditwürdigkeit vornehmen. Das wäre äußerst prekär. Denn die Investoren verlangen bereits hohe Aufschläge für den Kauf irischer Staatsanleihen – mittlerweile kaufen Anleger zehnjährige irische Anleihen nur noch, wenn die Rendite bei 6,76 Prozent liegt – gut 4,5 Prozentpunkte höher als bei deutschen Titeln: Die Risikoprämie schnellte damit auf den höchsten Stand seit der Einführung des Euros.

Finanzminister Brian Lenihan befürchtet offenbar, dass nun noch ein weiteres Kreditinstitut, die Allied Irish Banks plc mehr staatliches Kapital benötigt. Die irische Notenbank teilte dazu heute morgen mit, hier würden möglicherweise weitere drei Milliarden Euro fällig. In einem Interview mit der Financial Times beschwerte sich Lenihan, Irland werde dafür bestraft, dass es offen über die großen Probleme seines Bankensektors spreche und gleichzeitig bekräftigte der Minister, sein Land stehe besser da als andere Sorgenkinder der EU.

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