Schuldenkrise: Ist Europa noch zu retten?

Schuldenkrise: Ist Europa noch zu retten?

Bild vergrößern

Robert Fico, Ministerpräsident der Slowakei

von Silke Wettach und Henning Krumrey

Inmitten der tiefsten Krise ihrer Existenz offenbart die Europäische Union ein Machtvakuum. Wozu brauchen wir die EU? Darüber driften die Antworten in den europäischen Hauptstädten weit auseinander. Das historische Projekt droht zu scheitern.

In manchen Momenten legen selbst Diplomaten ihre Zurückhaltung ab. Der US-Botschafter bei der EU schildert dieser Tage sehr offen, was er als Betrachter der Griechenland-Rettung empfindet. "Es ist wie eine Seifenoper", sagt William Kennard. "Jeden Tag eine neue Wendung."

Der Vergleich passt. Was sich in den vergangenen Wochen zwischen Athen, Brüssel, Paris, Berlin und anderen Hauptstädten abspielte, hätte sich ein Drehbuchautor kaum besser ausdenken können. Den Cliffhanger, das spannungsgeladene Ende jeder Folge, inklusive.

Anzeige

Die vergangene Woche begann mit der Ankündigung der Slowaken, sich doch nicht am Rettungspaket zu beteiligen, dem sie bereits zugestimmt hatten. "Ich traue den Griechen nicht", sagte Ministerpräsident Robert Fico. Dann kamen Gerüchte auf, auch Spanien benötige ein Rettungspaket, was Ministerpräsident José Luis Zapatero dementierte. Portugal schien ebenfalls zu wackeln. In ganz Europa rauschten die Börsenkurse in den Keller, der Euro rutschte deutlich unter die Marke von 1,30 Dollar. In Griechenland starben drei Menschen bei Krawallen, und je weiter die Woche fortschritt, desto mehr zeichnete sich ab, dass das Hilfspaket von 110 Milliarden Euro nicht zu greifen scheint.

Es geht um den Bestand der EU

Aus amerikanischer Sicht mag das Geschehen Unterhaltungswert besitzen, Europäern dagegen ist klar, dass sich vor ihren Augen ein Drama abspielt: Es geht um die Zukunft des Euro und den Bestand der EU. "Dies ist ein Wendepunkt in der Geschichte der Europäischen Union", sagt Tommaso Padoa-Schioppa, früherer Finanzminister Italiens und langjähriges Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB).

Das Verstörende an der aktuellen Krise: Europas Führungspersonal zerrt in unterschiedliche Richtungen und fällt für starke Führung aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel ist von der Innenpolitik in Beschlag genommen, Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy ist abgetaucht. Kommissionspräsident José Manuel Barroso absolviert seine Auslandstermine bis nach China und Japan wie geplant.

Hat die EU eine Zukunft?

Dabei lassen sich die Probleme nicht leugnen. "Das Mindeste, das man sagen kann, ist, dass es um die Union nicht gut steht", konstatiert der frühere belgische Ministerpräsident Guy Verhofstadt, heute Abgeordneter im Europaparlament. Luxemburgs Ministerpräsident Jean-Claude Juncker, der als Vorsitzender der Euro-Gruppe in jüngster Zeit schwächelt, gibt immerhin zu, das Krisenmanagement der EU-Strategen in den vergangenen Monaten gleiche "eher einer Massenschlägerei als einem harmonischen Miteinander".

Am vergangenen Freitag trommelte EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy die Staats- und Regierungschefs in Brüssel zu einem Sondergipfel zusammen, um das Griechenland-Paket formell abzusegnen. Auch neue Regeln für die Währungsunion standen auf dem Programm. An diesem Thema wird sich erweisen, ob die Union noch eine Zukunft hat.

Zunächst einmal müsste schonungslos analysiert werden, was in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten in der Union falsch gelaufen ist. Griechenland ist nur ein Symptom für Probleme, die tiefer liegen. Die Währungsunion war von Anfang an falsch konzipiert. Kommission und Mitgliedstaaten nahmen es mit der Überwachung nicht ernst. Immer wieder siegten politische Interessen über die wirtschaftliche Vernunft. Und all die Jahre diskutierten die Staats- und Regierungschefs kaum, wofür dieses Europa steht und wie viel Europa sie überhaupt wollen.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%