Schuldenkrise: Merkels Hexenjagd auf Spekulanten

KommentarSchuldenkrise: Merkels Hexenjagd auf Spekulanten

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Es kommentiert WirtschaftsWoche-Redakteur Mark Böschen

Die Kanzlerin erklärt Spekulanten zum Gegner, rettet aber mit dem Euro-Notpaket die ärgsten Spekulanten: die Banken. Die dürfen mit dem Segen der EU weiterhin Milliarden verwetten.

Hexenjagden haben in Deutschland Tradition. Im nahe Frankfurt gelegenen Taunus lebte vor 300 Jahren ein Henker, der nebenbei viel Geld verdiente als Wunderheiler von krankem Vieh. Wenn eine Kuh trotz Wunderheilung am nächsten Tag dann doch verendete, erklärte der Scharlatan dem geprellten Bauern, das sei Hexerei gewesen – und beschuldigte die Nachbarn.

Heute sind wieder Wunderheiler unterwegs. Der Patient Griechenland kollabiert unter einer Schuldenlast, die bis 2013 auf 150 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen wird. Niemand weiß, wie Griechenland diese Schulden zurückzahlen soll. Und doch wurde das Land und ganz Südeuropa gleich mehrfach gerettet, wenn man der Politik glaubt: Zuerst mit 110, dann mit 750 Milliarden Euro. Der Bürger trägt das Verlustrisiko, das doch die Banken übernehmen müssten, die Athen viel zu viel Kredit gaben.

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Die Kuh ist längst noch nicht gesund

Trotz der Euro-Wunderheiler ist die Kuh längst nicht gesund. Für ein Land, das Kredite nicht zurückzahlen kann, sind noch mehr Schulden eben keine Therapie. Weil die Wunderheiler diese Tatsache aber nicht akzeptieren wollen, rufen sie zur Hexenjagd. "Die Spekulanten sind unsere Gegner", sagt Kanzlerin Angela Merkel und verbietet Wetten gegen Euro-Staatsanleihen. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy bläst zur "Generalmobilmachung" gegen Spekulanten.

Doch wo sind die exzessiven Folgen der Spekulation? Die jährliche Prämie, um zehnjährige Griechen-Anleihen per Kreditderivat abzusichern, stieg in der Spitze auf acht Prozent der versicherten Summe und liegt jetzt bei sechs Prozent. Das ist günstig, angesichts des Risikos. Griechen-Anleihen wären auch mit 20 Prozent erhoffter Rendite pro Jahr nicht attraktiv, weil der Anleger schon bald 50 Prozent verlieren könnte.

Worte klingen wie Hohn

Seit Ausbruch der Finanzkrise warten wir auf harte Worte von Spitzenpolitikern, doch jetzt klingen sie wie Hohn. Denn Merkel und Sarkozy wollen nicht etwa gegen die Verursacher der Finanzkrise vorgehen, gegen die viel zu wenig regulierten Investmentbanken. Sogar das Wertpapierhandelsgeschäft der Banken, das die Stabilität so stark gefährdet wie kaum etwas anderes, soll mindestens bis 2011 weiterlaufen wie bisher, ohne höhere Kapitalanforderungen, hat die EU verkündet. Die Banken- oder Börsensteuern, von denen Merkel spricht, bleiben vage Ideen. Reform verschoben, Spekulanten gerettet.

Der Hexenjäger aus dem Taunus starb als reicher Mann. Den von der Politik vermeintlich geretteten Bürgern drohen Inflation und Staatsbankrotte. Sein Geld davor zu schützen ist weder Spekulation noch Hexerei, sondern vernünftig.

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