Schuldenkrise: Nerven in der Eurozone sind zum Zerreißen gespannt

Schuldenkrise: Nerven in der Eurozone sind zum Zerreißen gespannt

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Ein Händler zeigt auf einen Börsenmonitor in der Pariser Börse.

von Silke Wettach

Selbst unfundierte Gerüchte über die Eurozone reißen die Börsen inzwischen nach unten. Die Gefahr einer Wiederholung ist groß: So lange die Lösungen der Politik nicht überzeugen, werden Investoren unruhig bleiben.

Mittlerweile hat sich das Gerücht als haltlos herausgestellt. Keine der drei großen Rating-Agenturen beabsichtigt, Frankreich in absehbarer Zeit die Bestnote AAA für seine Bonität zu entziehen. Sowohl Standard & Poor´s, als auch Moody´s und Fitch haben ausdrücklich bestätigt, dass sie die Aussichten als stabil ansehen. Und die vermeintlichen Goldverkäufe unter Marktkurs der französischen Großbank Société Générale, die vom Markt als Verzweiflungstat gewertet wurden, haben sich als Druckfehler einer Nachrichtenagenturentpuppt. Doch die Befürchtung, Frankreichs Bonität und eine seiner Banken seien in Gefahr, reichte am Mittwoch aus, um die Finanzmärkte auf Talfahrt zu schicken.

Problemzone Europa

Die Ereignisse vom Mittwoch demonstrieren, wie angespannt die Nerven an den Finanzmärkten weltweit sind. Offenbar waren es vor allem US-Investoren, die sich von französischen Staatsanleihen trennten. Aus der Ferne schrumpft Europa zu einer einzigen Problemzone.

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Doch für eine Entwarnung gibt es keinen Grund. Die Turbulenzen vom Mittwoch können sich jederzeit wiederholen, so irrational die Auslöser auch gewesen sein mögen. Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi ahnte gar nicht, wie richtig er zu Wochenbeginn lag, als er orakelte: „Und wenn es heute uns trifft, dann kann es morgen Paris treffen.“

Die Schritte der Politik reichen nach wie vor nicht aus, um Investoren nachhaltig von der Zukunft der Eurozone zu überzeugen. Noch ist der Beschluss des Euro-Krisengipfels vom Juli beispielsweise nicht bis ins letzte Detail festgezurrt. Nun wird beispielsweise bekannt, dass bei der Beteiligung des Privatsektors beim zweiten Griechenlandpaket nachgebessert werden muss. Auch Staatsanleihen, die nach 2020 fällig werden, können einbezogen werden. Die Auswirkungen mögen nicht gravierend sein, aber Justierungen wie diese illustrieren, wie unfertig das Paket noch ist. So lange die Details aber nicht geklärt sind, können sich  die Märkte nicht beruhigen.

Wobei des Paket vom Juli ohnehin nicht ausreichen dürfte, die Finanzmarktakteure so zu versichern, wie es die Politik gerne tun würde. „Die Spreads an den Anleihemärkten werden volatil bleiben, so lange die Politik nicht entschlossener voranschreitet“, urteilt Eric Cheney, Chefvolkswirt des französischen Finanzkonzerns Axa.

Bei den Politikern ist mittlerweile immerhin angekommen, wie ernst die Lage ist. Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy reiste aus seinem Ferienort am Mittelmeer nach Paris, wo er seine wichtigsten Minister zusammengetrommelt hatte. Bis 17. August müssen Finanzminister François Baroin und Haushaltsministerin Valérie Pécresse Sparvorschläge vorlegen, damit Frankreich in diesem Jahr ein Haushaltsdefizit von 5,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreicht – trotz des befürchteten Konjunktureinbruchs. Im ebenfalls im Visier der Finanzmärkte stehenden Italien arbeitet die Regierung trotz Sommerpause ebenfalls an der Haushaltssanierung.

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