Schuldenkrise: Spaniens Bankenkrise spitzt sich zu

Schuldenkrise: Spaniens Bankenkrise spitzt sich zu

Spaniens Sparkassen steht das Wasser bis zum Hals. Das birgt Risiken für das Land und Europa.

Jean-Claude Trichet vertraut in diesen schweren Zeiten auf seinen Kollegen Miguel Ordóñez. Spaniens Zentralbank, an deren Spitze Ordóñez steht, agiere bei der Bankenaufsicht vorbildlich, lobte der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) am vergangenen Donnerstag nach dem turnusmäßigen Treffen der Währungshüter.

Die Finanzmärkte indes scheinen dieses Vertrauen nicht zu teilen. Spanische Banken der zweiten Reihe – allen voran die Sparkassen – sind an den Finanzplätzen Europas derzeit ein rotes Tuch. „Ihnen ist der Zugang zum Interbankenmarkt völlig versperrt“, heißt es in einer Frankfurter Großbank. „Wenn eine Bank Hunderte Millionen in spanischen Papieren hält, die jetzt von Ratingagenturen als Risiko eingestuft werden, ist klar, dass sie nicht begeistert ist, wenn eine spanische Bank anklopft“, sagt Andrea Lanzi, der bei HSBC Trinkaus & Burkhardt den Interbankenhandel verantwortet.

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Am europäischen Geldmarkt geht derzeit fast nichts mehr. Die Banken leihen sich untereinander kein Geld mehr, sondern bunkern es lieber bei der Zentralbank. In den vergangenen Tagen schnellten die Bankeneinlagen bei der EZB in die Höhe und kletterten in der Nacht zum Mittwoch auf ein Rekordhoch von fast 369 Milliarden Euro (siehe Grafik). Das hat es selbst nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 nicht gegeben.

Der Drei-Monats-Euribor, der Zinssatz, zu dem sich Banken untereinander Geld leihen, kletterte auf 0,718 Prozent, den höchsten Stand seit November. Experten fürchten, dass die europäischen Banken nun wieder in eine Art Lehman-Krise zurückfallen könnten. Die EZB reagierte prompt und stellt in den kommenden Monaten mehrfach unbegrenzt Drei-Monats-Geld bereit – die Liquiditätsschleusen bleiben offen.

Opfer der Immobilienkrise

Kredite Spanien

Kredite Spanien

Die angeschlagenen spanischen Sparkassen stehen in dieser Lage extrem unter Druck. Sie leiden besonders unter der spanischen Immobilienkrise  wegen der hohen Zahl fauler Baukredite. Die Ratingagentur Standard & Poor’s schätzt, dass bis Ende 2010 zwischen 206 und 278 Milliarden Euro an Krediten bei Spaniens Banken gefährdet sind. 82 bis 131 Milliarden Euro an Krediten dürften insgesamt zwischen 2009 und 2011 ausfallen. Die Preise von Kreditausfallversicherungen (CDS) auf spanische Sparkassen sind in den vergangenen drei Monaten um bis zu 160 Prozent angezogen. Eine Forderung von einer Million Euro gegen eine Sparkassen-Pleite abzusichern kostet in der Spitze sieben Prozent der Kreditsumme jährlich.

Für stabile europäische Großbanken liegt die Prämie bei etwa 1,5 Prozent. Immer mehr Beobachter fürchten daher, dass die kleine Sparkasse CajaSur, die unlängst von der Zentralbank übernommen wurde, erst der Auftakt einer Reihe von Sparkassenpleiten sein könnte. Eine Horrorvorstellung, denn die Sparkassen schultern die Hälfte des spanischen Kreditgeschäfts. Um dies zu verhindern, drängt die Zentralbank auf Fusionen und Konsolidierung in der Branche. Doch dadurch wächst die Gefahr, dass Kredite an Unternehmen und Konsumenten gestrichen werden – was das Wachstum belasten könnte.

Keine guten Aussichten also für Spanien und damit auch für die Euro-Zone. Wenn Spanien sich trotz harter Sparanstrengungen weiter destabilisiert, braucht das Land früher oder später Hilfe von außen. Der EU-Rettungsschirm von 750 Milliarden Euro könnte zwar den Bedarf von Griechenland und Portugal decken. Ob er aber die fünftgrößte Volkswirtschaft Europas auffangen kann, ist unklar. Doch was dann? Der ständige EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy hat schon eine Antwort gegeben: Sollten die 750 Milliarden Euro nicht reichen, würden die EU-Staaten eben noch etwas drauflegen.

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