Schuldenkrise: Staaten auf der Kippe

Schuldenkrise: Staaten auf der Kippe

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Fußball-Legende Franz Beckenbauer

von Christof Schürmann, Heike Schwerdtfeger, Frank Doll und Annina Reimann

Erst die Banken, nun die Staaten: wie teuer die Verschuldungswelle wird, welche Alarmsignale Anleger beachten sollten.

Für Franz Beckenbauer wird’s teurer. Um die Staatsverschuldung zu drücken, hat die Regierung in Österreich vergangenen Mittwoch massive Steuererhöhungen beschlossen, die in erster Linie Banken, Versicherungen und Vermögende treffen. Abgeschafft werden dabei unter anderem Steuerprivilegien für legale Stiftungen. Viele Promis haben ihr Geld steuerschonend in rund 3200 Stiftungen angelegt, darunter auch Fußball-Kaiser Franz, der in Kitzbühel residiert. Die Erträge aus den in den Stiftungen angelegten rund 60 Milliarden Euro wurden bislang mit nur 12,5 Prozent besteuert, nun will die Wiener Regierung den Steuersatz schrittweise auf bis zu 25 Prozent verdoppeln. Österreich könnte Vorreiter sein. Nach den Tausende Milliarden schweren Rettungsaktionen für die Banken sind viele Staaten klamm und nun auf höhere Einnahmen angewiesen.

Anlegern drohen aber nicht nur höhere Steuern, nach dem Bankencrash stehen mehr und mehr Staaten auf der Kippe. Der Pleitegeier kreist. Mit möglicherweise ähnlich fatalen Auswirkungen auf alle Geldanlagen wie während der Bankenkrise 2008.

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Briten auf Griechen-Niveau

Sichtbar litten zunächst nur kleine Volkswirtschaften: Die Griechen ächzen unter 299 Milliarden Euro Schulden, das sind fast 130 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Der Maastricht-Vertrag, an den die Euro-Länder gebunden sind, erlaubt nur 60 Prozent. Island, Ungarn, Lettland, Rumänien, die Ukraine und die Seychellen werden nur noch vom Internationalen Währungsfonds über Wasser gehalten. Ein neuer Europäischer Währungsfonds (EWF) soll nun womöglich maroden Staaten der Euro-Zone zur Seite springen.

Ein europäisches Land könnte den neuen EWF sicher nicht in Anspruch nehmen: Großbritannien. Die Briten haben an ihrer eigenen Währung und Notenbank festgehalten. Geholfen hat es nichts. Das Haushaltsdefizit 2010 liegt mit rund zwölf Prozent der Jahreswirtschaftsleistung auf Griechen-Niveau, die Gesamtschulden marschieren in den kommenden zwei Jahren Richtung 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIPs), falls London nicht schleunigst spart. Das Pfund Sterling ist derzeit die schwächste Währung aller großen Industrieräume, die Inflation von zuletzt 3,5 Prozent nagt zudem an der Kaufkraft der Briten. Bill Gross, Gründer des weltgrößten Anleihefonds Pimco, hält britische Bonds schon heute für eine Zeitbombe. Sie seien gefährlich „wie Nitroglycerin“.

Solche Warnungen nehmen andere Großinvestoren ernst. Damit ihm Währungsturbulenzen keinen Strich durch die Rechnung machen, hat beispielsweise Klaus Kaldemorgen, Geschäftsführer der Investmentgesellschaft DWS, Anlagen, die in britischen Pfund Sterling lauten, über Termingeschäfte vor Verlusten geschützt.

Staaten bekommen Staatsschulden nicht in den Griff

"Über Staatspleiten nachzudenken war früher unmöglich. Die Hemmschwellen, darüber zu diskutieren, sind weg. Man hat am Beispiel Island gesehen, wie schnell das geht", sagt Heinz-Werner Rapp, Vorstand bei der Vermögensverwaltung Feri in Bad Homburg. "2009 waren Staaten die Retter für Banken und Autoindustrie. Heute werden sie als diejenigen wahrgenommen, die ihre Schulden nicht in den Griff bekommen", so Kaldemorgen.

Die Ratingagentur Moody’s sagt den Staaten weltweit angesichts der anschwellenden Haushaltsdefizite „tumultartige Zeiten“ bei der Schuldenaufnahme voraus. Nicht nur viele EU-Staaten steuern auf Rekorddefizite zu, auch die USA sind rekordhoch verschuldet. Amerika steuert auf ein Defizit von mehr als 90 Prozent zu, übertrumpft, gemessen an der offiziellen Staatsverschuldung, die meisten EU-Länder. 200 Milliarden Dollar Minus fahren die USA pro Monat ein – Griechenland benötigt dagegen nur 50 Milliarden Euro binnen eines Jahres. Alle staatlichen Verpflichtungen zusammengerechnet ergeben für die USA ein Defizit von 522 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung, die bei 14 400 Milliarden Dollar liegt. Brian Coulton, Analyst bei Fitch, schätzt, dass 39 Prozent der globalen Finanzen in Dollar angelegt sind. Um ihr Finanzdefizit auszugleichen, müssten die USA Steuern anheben. "Wir fragen uns, ob es dafür den politischen Willen gibt", sagt Coulton.

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