Schuldenkrise: Trichet teilt aus

Schuldenkrise: Trichet teilt aus

von Rebecca Eisert

Seit Wochen lähmt die Schuldenkrise Europa. Der scheidende EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sieht das Problem der Staaten jedoch nicht beim Euro. Das Wurzel allen Übels liege woanders.

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Jean-Claude Trichet (Foto:Virginia Mayo/AP/dapd)

„Unsere europäischen Probleme hängen nicht so sehr mit unserer Währung zusammen“, sagte Trichet im Interview mit Tagesthemen-Moderatorin Susanne Holst. Der Euro sei „nach wie vor eine glaubwürdige und stabile Währung“, die Probleme rührten viel mehr von einer mangelnden Stabilität der Finanzsysteme. „Es gibt nicht genug Kontrollmaßnahmen für die Finanzsystem“, kritisierte er.

Alle großen Volkswirtschaften, USA, Japan und Europa müssten im Lichte der Schuldenkrise ihre Strategien überprüfen. „Wir erleben gegenwärtig die schwerste Krise seit dem Zweiten Weltkriege. Eine Krise nicht nur auf europäischer, sondern auf globaler Ebene. „Die Währung ist nicht das Problem, die EZB ist nicht das Problem, sondern die Fiskalpolitik, die Wettbewerbspolitik und die Strukturreformen“, sagte der EZB-Chef. Diese Bereiche müssten verbessert werden.

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"Die EZB kann die Regierungen nicht ersetzen"

Dabei sieht Trichet eine klare Aufgabenverteilung. Die EZB dürfe nicht als finanzpolitische Feuerwehr Europas verstanden werden. „Die finanzpolitischen Feuerwehren Europas, das sind die nationalen Regierungen, die auch den Rettungsschirm geschaffen haben. Sie müssen jetzt auf angemessene Weise versuchen, die Stabilität des Systems zu wahren – wir können die Regierungen nicht ersetzen.“

Trichet betonte auch die entscheidende Rolle der Banken. Natürlich müssten auch die Kreditinstitute ihre Hausaufgaben machen und „sich anständig benehmen“. Die EZB habe die Banken aufgefordert, einen Teil ihrer Gewinne dazu zu verwenden, ihre Finanzen auf eine solidere Basis zu stellen. „Sie müssen bescheidener sein, was ihre Gewinne angeht und wir haben gesagt, sie müssen ihre Eigenkapitaldecke erhöhen, denn wichtig ist, dass sie als Geldgeber der europäischen Wirtschaft fungieren können.“

Banken im Auge behalten

Trichet hatte zuvor in Berlin zwei Sonderprogramme zur Versorgung der europäischen Banken mit frischem Geld angekündigt und angesichts der aktuellen Situation des Bankensektors zu „besonderer Wachsamkeit“ gemahnt. Zudem kündigte er an, dass die EZB zwischen November 2011 und Oktober 2012 Staatsanleihen für insgesamt 40 Milliarden Euro aufkaufen wolle. Aktuell hat die EZB Anleihen im Wert von 160,5 Milliarden Euro in den Büchern.

Allerdings machte Trichet erneut deutlich, dass die EZB diese umstrittenen Geschäfte nicht ewig fortsetzen will: „Wir erwarten natürlich, dass der (Euro-Rettungsschirm) EFSF so bald wie möglich steht und am Sekundärmarkt Anleihen kaufen kann.“ Trichet rief dazu auf, die Lage des Bankensektors genauestens im Auge zu behalten.

Dass sich die Euro-Schuldenkrise mehr und mehr zu eine Bankenkrise entwickelt, beunruhigt auch Bundeskanzlerin Angela Merkel.

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