Schuldenkrise: Welt ohne Regierung

KommentarSchuldenkrise: Welt ohne Regierung

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Lächeln fürs Gruppenbild: Dabei sind die Interessen der G20-Staaten unterschiedlich

von Florian Willershausen

Der G20-Gipfel scheitert an der Unfähigkeit der Politik, die Weltwirtschaft mit vereinten Kräften aus der Krise zu ziehen. Multipolare Weltpolitik funktioniert eben nicht.

Mit großem Brimborium rief der Westen einst die G20 ins Leben. Durch die korinthischen Säulen im US-Architekturmuseum von Washington stolzierten die Staats- und Regierungschefs der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer. Im Auge der Finanzkrise baten die USA und Europa erstmals Vertreter wachstumsstarke Ökonomien wie China, Russland oder Brasilien an den Tisch.

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„Weltfinanzgipfel“ nannten wir jenes G20-Treffen im November 2008. Die Honorigen verständigten sich feierlich darauf, die globale Finanzarchitektur neu zu ordnen und die Weltwirtschaft mit gemeinsamen Anstrengungen aus dem Konjunkturtief zu ziehen. Diese „Zwanzig“ traten an, um Weltpolitik machen – nicht mehr und nicht weniger. Heute steht fest: Es funktioniert nicht.

Die Bilanz von bislang sieben G20-Treffen fällt mager aus: Eine weltweite Regulierung der Finanzmärkte ist bis dato nicht in Kraft, derweil drohen Teile der EU, vor allem auch Japan und die USA unter der Last ihrer Schuldenberge zusammenzubrechen. Auch der jüngste Gipfel, der vorige Nacht im mexikanischen Los Cabos scheiterte, endete in der heillosen Zerstrittenheit des Westens über den richtigen Kurs in der Schuldenkrise.

Washington und weite Teile Europas giften gegen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Deutschen, weil sie nicht auf Knopfdruck konsumieren wollen. Umgekehrt wächst die Sorge, dass lahme Riesen wie die USA unter der Last ihrer Schuldenberge tiefer in die Krise rutschen. Vertreter solider Ökonomien wie China oder Russland beobachten die Dissonanz des westlichen Lagers mit Unverständnis und wachsendem Ärger – denn wenn die Krise des Westens nicht alsbald begradigt ist, zieht sie die nächste Rezession mit in den Strudel.

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Es gibt keine Führung – nirgends. Nobelpreisträger Barack Obama ist weltpolitisch ein Leichtmatrose, der nicht führen will und zudem noch wahlkämpft. Peking traut sich nicht zu, mehr Verantwortung zu übernehmen, wobei die Rolle Chinas als Financier des Internationalen Währungsfonds (IWF) stetig wächst. Die Europäische Union ist bis auf weiteres handlungsunfähig, zumal auch der EU ein Kapitän fehlt, der sie durch raue Gewässer steuert, ohne dass die Mannschaft meutert.

Überhaupt sind die Interessen am Tisch der G20 zu unterschiedlich, um auf einen gemeinsamen Nenner gebracht zu werden: Da streiten Keynesianer mit Monetaristen, Gläubiger und Schuldner, Schwellenländer gegen Industrienationen, Ost gegen West. Mit der Finanzkrise ist eine multipolare Welt entstanden, durch die so viele Trennlinien verlaufen und in der so viele Spaltpilze wachsen, dass eine – zumal kopflose – Weltregierung schlicht nicht funktionieren kann. Einziger Gewinn der Gipfel ist es, dass sich die Widersacher aller Nationen mal wieder persönlich getroffen haben. Ergebnisse sind zwar nicht messbar, aber sicher wertvoller als jedes blumige Abschlussdokument.

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