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Schuldenschnitt: Merkel lässt die Banken bluten

von Tim Rahmann

Angela Merkel wollte sich nicht noch einmal von den Banken vorführen lassen. Nach dem Debakel beim vorherigen Euro-Gipfel im Juli setzte sie in den heutigen Verhandlungen über einen Schuldenschnitt Griechenlands alles auf eine Karte – und gewann. Die Banken müssen kräftig zahlen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel Quelle: dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den Banken die Pistole auf die Brust gesetzt. Quelle: dpa

Das Ziel war klar, die Erwartungen niedrig. Angela Merkel versprach gestern im Bundestag, dass sich der private Sektor, sprich Banken, Versicherungen und Spekulanten, an der Rettung Griechenlands endlich deutlich beteiligen sollen. Doch noch zu Beginn des Euro-Sondergipfels in Brüssel überwog die Skepsis. Denn die Banken dachten gar nicht daran, klein beizugeben.

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Der Welt-Bankenverband IIF, der die Verhandlungen für die Banken führte, legte nach eigenen Worten zu Beginn der Tagung zwar ein „signifikantes, neues Angebot“ vor – doch schnell war klar, dass dieses Angebot nicht annähernd an die Forderung der Politik heranreichen würde. Auf einen freiwilligen Schuldenverzicht von bis zu 60 Prozent wollte Deutschland die Banken hochhandeln. Allein: Es fehlte das Druckmittel. Sowohl die Europäische Zentralbank (EZB), die EU-Kommission als auch Frankreich lehnten eine Insolvenz Griechenlands ab. Große Angst, all ihr Geld zu verlieren, mussten die Banken also nicht haben. Warum dann einlenken?

„Wir haben nur ein einziges Angebot gemacht“

So stockten die Verhandlungen – und die Banken konnten hoffen, noch einmal als schmunzelnder Sieger aus der Nacht zu gehen. Erinnerungen an den Euro-Sondergipfel im Juli wurden wach. Schon damals sollten die Banken zur Kasse gebeten werden und auf 50 Prozent ihrer Forderungen an Griechenland verzichten. Doch mit allerlei Rechentricks und Ausweichmanövern konnten die Banken damals ihre Beteiligung an der Rettung der Helenen auf einen marginalen Betrag drücken.

Noch einmal allerdings wollte sich Angela Merkel nicht vorführen lassen. Sie übernahm zusammen mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy in der Nacht die Verhandlungen und setzte den Banken offenbar die Pistole auf die Brust. „Wir haben nur ein einziges Angebot gemacht“, sagte Merkel. „Das war unser letztes Wort.“

Ob Merkel auf eigene Faust und gegen den Willen der europäischen Partner die Insolvenz Griechenlands ins Spiel gebracht hat, bleibt Spekulation. Fakt ist: Die Banken verzichten laut Sarkozy auf 50 Prozent ihrer Forderungen an Griechenland. In absoluten Zahlen sind das 100 Milliarden Euro. Vollzogen wird der Schuldenschnitt mit einem Anleihen-Tausch zu Beginn des neuen Jahres. Die neuen Schuldpapiere haben einen um die Hälfte reduzierten Nennwert, werden aber mit rund 30 Milliarden Euro von der Eurozone zusätzlich abgesichert. Mit einem vergleichbaren Anleihen-Tausch, den sogenannten Brady-Bonds, wurde bereits die Schuldenkrise in Südamerika  Ende der 1980er-Jahre gelöst. „Ich bin sehr zufrieden mit den Ergebnissen“, kommentierte Bundeskanzlerin Angela Merkel.

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10 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 27.10.2011, 15:26 UhrClaudia K.

    @basti: Da kann man nur zustimmen. Zu ergänzen ist diese Hitparade der Lügenbarone allerdings durch Herrn Sarkotzi, der ohnehin kleiner ist als eine Parkuhr.

  • 27.10.2011, 15:19 UhrBasti

    Wenn Lügner kurze beine hätten, dann wären fast alle Politiker nur so groß wie ne Parkuhr. Man denke an den unvergleichlichen Herrn Papandreou, der immer wieder versprochen hatte, jeden Euro zurückzuzahlen. Oder an den feisten Herrn brüderle, der sich wohl nicht mehr daran erinnert, daß er den Hebel noch vor vier Wochen als Massenvernichtungswaffe bezeichnet hat. Oder an Merkel und Schäuble, die grundsätzlich zunächst das Gegenteil von dem behaupten, was sie zu tun beabsichtigen. Ganz zu schweigen von den notorischen Hütchenspielern Flunker, barloso, Clichet und bunga bunga, die die dreiste Lüge zum Überlebensprinzip erklärt haben. Mit solch ethikfreien Gestalten ist kein Staat zu machen. Auch daran werden Euro und EU scheitern. Europa aber wird es - entgegen Merkels Gejammere - trotz allem weiter geben.

  • 27.10.2011, 14:48 UhrRico

    Das Ergebis bringt erst mal wieder etwas neue Luft. Allerdings noch keine Problemlösung. Diese war aber jetzt auch nicht zu erwarten. Euphorie ist ebensowenig angesagt wie Untergangsparolen. Warten wir ab, wie es weitergeht. bei Gr. bin ich allerdings pessimistisch. Deren Wirtschaftsleistung wird weiter enttäuschen, so dass sie letztlich aus dem Euro aussteigen werden müssen. Egal ob es die Eurofanatiker mögen oder nicht. Sonst geht das Land unter und steuert auf eine Diktatur zu. Wäre dort nicht die erste.

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