„Schwerer Schlag“: Pakistan-Absage für Afghanistan-Konferenz schockt Westen

„Schwerer Schlag“: Pakistan-Absage für Afghanistan-Konferenz schockt Westen

, aktualisiert 29. November 2011, 16:29 Uhr
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Pakistanische Studenten protestieren gegen die Nato und die USA.

Quelle:Handelsblatt Online

Rückschlag für die Afghanistan-Konferenz in Bonn: Pakistan sagt seine Teilnahme an den Beratungen ab. Grund ist ein Nato-Angriff auf pakistanische Militärposten. Merkel reagiert mit Bedauern, die FDP ist geschockt.

BerlinBundeskanzlerin Angela Merkel bedauert die Absage Pakistans für die Bonner Afghanistan-Konferenz. Die Konflikte könnten nur in der Region gelöst werden, und Pakistan sei Teil der Region, sagte Merkel am Dienstag nach einem Treffen mit dem jordanischen König Abdallah in Berlin. Sie messe der Bonner Konferenz am kommenden Montag große Bedeutung bei und sei sehr betrübt über die Absage Pakistans. Sie werde sich allerdings weiter um eine Teilnahme des Landes bemühen. „Wir schauen, ob wir da noch etwas machen können“, sagte die Kanzlerin.

Nach Einschätzung deutscher Außenpolitiker droht mit dem pakistanischen Boykott eine dauerhafte Destabilisierung der Hindukusch-Region. „Wir brauchen Pakistan für eine Lösung der Probleme in der Region“, sagte der außenpolitische Sprecher der Unions-Fraktion im Bundestag, Philipp Mißfelder, Handelsblatt Online. Pakistan müsse mehr Verantwortung übernehmen. Dazu gehöre auch eine Teilnahme an der Konferenz in Bonn. „Wir werben darum, dass Pakistan dort über die Zukunft Afghanistan mitdiskutiert“, sagte der CDU-Politiker.

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Der Vorsitzende der FDP im Europaparlament, Alexander Graf Lambsdorff, reagierte regelrecht geschockt auf die Absage Pakistans. „Das ist ein schwerer Schlag für die Erfolgsaussichten der Konferenz. Für die internationale Gemeinschaft geht es ja schon lange nicht mehr allein um Afghanistan, sondern um AfPak: Afghanistan und Pakistan werden in Fragen der regionalen Sicherheit und Stabilität stets zusammen gedacht“, sagte Lambsdorff Handelsblatt Online. „Dass ein Teil dieser Gleichung bei der Konferenz jetzt wegbricht, schwächt daher die Tragfähigkeit und Durchschlagskraft der Entscheidungen absehbar ganz erheblich.“

Der Boykott sei allerdings auch aus pakistanischer Sicht unklug, sagte der FDP-Außenexperte weiter. „Er wird die gegenseitige Annäherung Indiens und Afghanistans nur weiter voran treiben, unter amerikanischer Begleitung, also genau die Kräftekonstellation befördern, die Pakistan eigentlich vermeiden will“, sagte Lambsdorff und fügte hinzu: „Von daher wäre Islamabad gut beraten, seine Entscheidung noch einmal zu überdenken und wie vorgesehen in Bonn zu erscheinen.“ Pakistan hatte seine Teilnahme aus Verärgerung über einen Nato-Angriff auf seine Truppen mit 24 Toten abgesagt.


SPD-Experte Pflug: Probleme ohne Pakistan nicht zu lösen

Der Vorsitzende der Task Force Afghanistan/Pakistan der SPD-Bundestagsfraktion, Johannes Pflug, befürchtet erhebliche negative Konsequenzen für die Bonn-Konferenz. „Ohne Kooperation mit Pakistan lassen sich viele Probleme in Afghanistan, die in Bonn auf der Tagesordnung stehen, schlicht nicht lösen“, sagte Pflug Handelsblatt Online. Die Einflussmöglichkeiten Pakistans auf die Aufständischen in Afghanistan seien so groß, dass der Friedensprozess in Afghanistan nur in Absprache mit Pakistan erfolgreich sein könne. „Und sollten sich die Beziehungen insbesondere zwischen den USA und Pakistan weiter verschlechtern, wird eine dauerhafte Stabilisierung Afghanistans unmöglich sein“, warnte der SPD-Außenexperte.

Der Boykott dürfte auch in vielen anderen Ländern für Unruhe sorgen. Es gibt die Befürchtung, dass Pakistan in seinem Nachbarland seine eigenen Interessen ohne Rücksicht auf westliche Länder verfolgen könnte, die nach offizieller Darstellung Verbündete der Atommacht sind.

Bei einem Einsatz von Nato-Truppen waren am Samstag an der pakistanisch-afghanischen Grenze nach pakistanischer Darstellung 24 seiner Soldaten getötet worden. Die Nato sprach von einem tragischen und unbeabsichtigten Zwischenfall.

Die Afghanistankonferenz soll am Montag in Bonn stattfinden. Dazu werden 90 Delegationen aus aller Welt erwartet, die über die Zukunft des Landes beraten sollen. Die internationalen Kampftruppen sollen bis Ende 2014 vom Hindukusch abgezogen werden. Viele Afghanen und auch Experten befürchten, dass dann die radikalislamischen Taliban wieder an die Macht kommen könnten, die nach den Anschlägen vom 11. September 2001 gestürzt wurden. Zwischen Pakistan und Afghanistan gibt es oft Spannungen an der Grenze. So verüben radikale Islamisten immer wieder von Pakistan aus Angriffe in Afghanistan.

Quelle:  Handelsblatt Online
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