Shimon Peres: Der Beliebte

, aktualisiert 28. September 2016, 06:44 Uhr
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Israels Präsident Shimon Peres und die frühere US-Außenministerin Hillary Clinton.

Quelle:Handelsblatt Online

Shimon Peres war bis ins hohe Alter Präsident Israels. Davor agierte der Friedensnobelpreisträger unter anderem dreimal als Ministerpräsident. Nun trauert Israel um einen seiner bekanntesten Politiker.

JerusalemEs ist kaum zu glauben, dass Schimon Peres viele Jahre lang einer der meistgehassten Politiker Israels war. Als er in der Nacht zu Mittwoch im Alter von 93 Jahren starb, war er eine der beliebtesten Persönlichkeiten des Landes. Die israelische Nation trauert um einen international bekannten Staatsmann, der im Laufe seiner 70 Jahre umfassenden Karriere nahezu alle hohen Ämter des Landes innehatte.

Als jungen Mann nahm ihn Staatsgründer David Ben-Gurion unter seine Fittiche. Der 1923 in Polen geborene Peres amtierte dreimal als Ministerpräsident, zudem arbeitete er Außen-, Verteidigungs- und Finanzminister. Für seine Verdienste um ein Friedensabkommen mit den Palästinensern wurde er zusammen mit dem damaligen Ministerpräsidenten Izchak Rabin und Palästinenserpräsident Jassir Arafat 1994 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Noch in hohem Alter war Peres von 2007 bis 2014 Staatspräsident.

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Als Staatspräsident präsentierte sich Peres betont seriös, als Mann des Friedens und als eine Art Stimme der Vernunft. Er sei davon überzeugt, so hob Peres immer wieder hervor, dass er den Frieden im Nahen Osten noch erleben werde.

Trotz aller Fehlschläge beim Nahost-Friedensprozess betonte er gerne die Erfolge: das Friedensabkommen mit Ägypten im Jahr 1979, die Einigung mit Jordanien 1994, die Interimsvereinbarungen mit den Palästinensern in der 1990er Jahren. „Das erlaubt es mir, ein Optimist zu sein und zu bleiben“, sagte er einst im Interview der Nachrichtenagentur AP.

Ironischerweise war es gerade Peres, der viele Jahre lang in Sicherheitsfragen den Ruf eines Hardliners hatte. Er war es, der Israels Atomwaffenprogramm vorantrieb. Jahrelang galt Peres als Politiker ohne Fortune, der keine einzige Wahl gewann, dessen drei Amtszeiten als Ministerpräsident nach kurzer Zeit glanzlos endeten. Als er 2000 als Favorit für das Amt des Staatspräsidenten kandidierte, unterlag er dem Hinterbänkler Mosche Katzav. Erst sieben Jahre und einen Parteiwechsel später schaffte er es ins höchste Staatsamt.

„Schimon Peres ist eine wunderbare Verwandlung geglückt, die wahrscheinlich so gut wie alle Politiker weltweit auch einmal durchlaufen möchten“, sagte der israelische Historiker Tom Segev.

Als einer der Gründe für Peres' plötzliche Beliebtheit galt seine Volksnähe: Anders als sei wortkarger Vorgänger Katzav trat er staatsmännisch auf. Er traf sich mit israelischen Jugendlichen und war auf Facebook präsent.

Er selbst sagte zu möglichen Gründen für seine späte Popularität, das Präsidentenamt erlaube es ihm, sich aus der Tagespolitik herauszuhalten. „Plötzlich erkannte ich, dass ich keine Macht brauche“, erklärte er im AP-Interview. „Die Menschen vertrauen mir, und mir gelingen viele Dinge, die mir womöglich als Mitglied der Regierung niemals gelungen wären.“

Peres profitierte auch davon, dass er sich als eine Art Gegenstück zu Ministerpräsident Benjamin Netanjahu darstellte. Dieser gilt international als jemand, der sich zwar offiziell zum Friedensprozess bekennt, aber wenig für den Erfolg tut.

Peres dagegen gab sich versöhnlich und offen. Er wurde nicht müde, seine Vorstellung von einer besseren Welt vorzutragen. Im AP-Interview kritisierte er Netanjahu nicht direkt und verwies sogar darauf, dass dieser die Zweistaatenlösung im Prinzip akzeptiert habe. Aber er sagte auch, dass er sich wünsche, die Schaffung eines palästinensischen Staates schritte schneller voran.

Nach dem Ende seiner Amtszeit als Präsident 2014 blieb Peres aktiv, einen Ruhestand wollte er nicht hinnehmen. Er war dafür bekannt, einen gesunden Lebensstil zu führen. In diesem Jahr war er zweimal wegen Herzproblemen ins Krankenhaus gekommen, aber schnell wieder entlassen worden.

Quelle:  Handelsblatt Online
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