Shinzo Abe siegt: Schulden, Schulden und noch mehr Schulden

ThemaKonjunktur

Shinzo Abe siegt: Schulden, Schulden und noch mehr Schulden

von Martin Fritz

Shinzo Abe hat bei der Parlamentswahl in Japan gesiegt. Er will die Schulden des Landes mit noch mehr Schulden bekämpfen. Ob das gut geht?

Seit Wochen geht es beim Yen abwärts und beim Nikkei-Index aufwärts – internationale Finanzinvestoren haben freudig auf die Parlamentswahl in Japan am Sonntag gewartet. Jim O'Neill, Investmentstratege von Goldman Sachs, ruft die Yen-Bären der Neunzigerjahre aus dem Ruhestand zurück und sieht die japanische Devise am Wendepunkt zu einer langfristigen Abwertung. Das wiederum lässt steigende Gewinne der Exportkonzerne erwarten und beflügelt die Börse.

Scharfer Anstieg

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Da spielt es kaum eine Rolle, dass US-Hedgefondsmanager Kyle Bass den Japanern die "schlimmste Bond-Krise der Weltgeschichte" voraussagt – verbunden mit einem scharfen Anstieg der Renditen. Wegen der raschen Alterung und der schwachen Exporte würde Japan bald jenen Punkt erreichen, ab dem der Staat ausländisches Kapital brauche, um seinen schier unersättlichen Kreditbedarf zu decken. "In zwei Jahren ist Japan schachmatt", sagt Bass. Für die Insolvenz genüge bei einer Schuldenquote von über 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ein kleiner Renditeaufschlag von zwei bis drei Prozent.

Hiromasa Yonekura "Wir brauchen eine drastische Deregulierung"

Japans Wirtschaft braucht Öffnung und Innovation, meint Hiromasa Yonekura, Chairman des Chemieriesen Sumitomo Chemical und seit Mai 2010 Vorsitzender des japanischen Wirtschafts-Dachverbands Keidanren.

Hiromasa Yonekura, Chairman des Chemieriesen Sumitomo Chemical und seit Mai 2010 Vorsitzender des japanischen Wirtschafts-Dachverbands Keidanren, im Interview mit WirtschaftsWoche Quelle: dpa

Was hat die Spekulanten so zahlreich auf den Plan gerufen? Der Wahlsieger Shinzo Abe, seit September Chef der oppositionellen Liberaldemokraten (LDP), will Japans Wirtschaft wie nie zuvor monetär und fiskalisch stimulieren. Die Radikalkur soll zwei Jahrzehnte Dauerstagnation beenden – gerade durchlebt die Nation die dritte Rezession seit dem Lehman-Schock. Außerdem soll die Extremtherapie Japan für den Wettbewerb mit Herausforderer China fit machen. Dafür will Abe die Deflation beenden, den Yen schwächen und das Militär stärken. Das ungehinderte Eindringen chinesischer Kriegsschiffen in japanische Hoheitsgewässer seit dem Herbst hat das Land wachgerüttelt.

Allerdings könnten Abes Rezepte genauso gut das Gegenteil bewirken. Dann wäre Japan noch schneller am Abgrund.

Die Liberaldemokratische Partei LDP des rechtskonservativen Ex-Premiers Shinzo Abe hat eine Mehrheit von rund 300 der 480 Sitze gewonnen. Sie will nun die Bank von Japan dazu verpflichten, ihr Inflationsziel auf zwei Prozent zu verdoppeln, mehr Staatsanleihen zu kaufen sowie ausländische Bonds zu erwerben. Außerdem möchte Abe im April den Gouverneur der Notenbank, dessen Amtszeit ausläuft, durch einen japanischen Bernanke oder Draghi ersetzen. So soll die Zentralbank ganz auf die Regierungslinie einer massiv gelockerten Geldpolitik gebracht werden. Zugleich will Abe mit riesigen Bauprogrammen die Infrastruktur erneuern und gegen Erdbeben stärken. Fast 1.900 Milliarden Euro, so viel wie zwei Fünftel der Wirtschaftsleistung, würden in zehn Jahren in Beton fließen – auf Pump. Diese verschärften Geld- und Fiskalmaßnahmen sollen die ökonomische Seuche der Deflation ein für alle Mal beenden und die Wirtschaft wieder wachsen lassen.

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