Sitzungsprotokolle: Fed überlegt Stopp des Anleihenkaufprogramms

ThemaUSA

Sitzungsprotokolle: Fed überlegt Stopp des Anleihenkaufprogramms

Das milliardenschwere Anleiheprogramm der US-Notenbank könnte bald ausgebremst oder gänzlich verworfen werden. Das geht aus den Sitzungsprotokollen der Fed hervor.

Die US-Notenbank Federal Reserve könnte ihr milliardenschweres Anleiheprogramm drosseln oder sogar ganz stoppen, noch bevor es die erhoffte Wende am Arbeitsmarkt gebracht hat. Mehrere Fed-Mitglieder hätten die Einschätzung geäußert, das Programm könnte aus Kosten- oder Effizienzgründen zurückgefahren oder gar eingestellt werden müssen, bevor Job-Zielmarke erreicht worden sei, hieß es am Mittwoch in den jüngsten Sitzungsprotokollen der Fed. Die US-Aktienmärkte weiteten ihre Verluste nach der Veröffentlichung der Protokolle vorübergehend aus.

Die Notenbank hatte bei ihrer Sitzung Ende Januar geldpolitisch alles beim Alten belassen. Die Fed tastete den seit Februar 2008 bei nahezu null Prozent liegenden Leitzins nicht an. Zugleich entschied sie wie erwartet, die massiven Aufkäufe von Staatsanleihen und Immobilienpapieren, die die Notenbank erst im Dezember auf eine monatliche Summe von 85 Milliarden Dollar erhöht hatte, fortzusetzen, bis die Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent gefallen ist.

Anzeige

Die USA zittern vor der „Fiskalklippe“

  • Was wären die wirtschaftlichen Folgen?

    Durch die "Fiskalklippe" könnten der US-Wirtschaft im kommenden Jahr mehr als 500 Milliarden Dollar entzogen werden. Das überparteiliche Haushaltsbüro im Kongress befürchtet, dass das Bruttosozialprodukt um 0,5 Prozent schrumpfen würde. Die Arbeitslosenquote würde bis Ende 2013 von derzeit 7,7 auf 9,1 Prozent steigen. Nach Einschätzungen des Internationalen Währungsfonds dürfte sich ein Einbruch der US-Konjunktur auf die gesamte Weltwirtschaft auswirken, die ohnehin schon gebannt die Schuldenkrise in der Eurozone verfolgt.

  • Welche Steuern sind betroffen?

    Die Steuererhöhungen betreffen die Einkommenssteuer, die Erbschaftssteuer, Abgaben auf Kapitalerträge sowie eine Reihe von Abschreibungsmöglichkeiten, die wegfallen würden. Die Beiträge zur staatlichen Rentenversicherung sollen dem Szenario entsprechend auch steigen. Obama warnt, dass eine typische Familie der Mittelschicht im Schnitt 2200 Dollar mehr Steuern zahlen müsste. Auch Konjunkturmaßnahmen wie die Verlängerung der Arbeitslosenhilfe würden Ende des Jahres auslaufen.

  • Welchen Umfang haben die Sparmaßnahmen?

    Das im August 2011 verabschiedete Haushaltskontrollgesetz verpflichtet die US-Regierung, die Ausgaben über zehn Jahre um 1,2 Billionen Dollar (gut 900 Milliarden Euro) zu kürzen. Allein im kommenden Jahr würden pauschal 55 Milliarden Dollar im Verteidigungshaushalt und weitere 55 Milliarden Dollar in anderen Bereichen gestrichen.

  • Was passiert zum Jahreswechsel?

    Zum Jahreswechsel laufen eine Reihe von Steuererleichterungen aus der Zeit von Obamas Vorgänger George W. Bush aus. Die meisten der Vergünstigungen wollen auch die Demokraten wie zuletzt im Dezember 2010 verlängern - nur bei den Topverdienern verlangen sie, dass die Steuersätze steigen. Weil sich die Republikaner dagegen stemmen, wirft Obama ihnen vor, die breite Bevölkerung als "Geisel" zu nehmen, um den Reichen ihre Steuerprivilegien zu erhalten.

    Die ab Januar drohenden Kürzungen gehen auf den Haushaltskompromiss vom Sommer 2011 zurück, als der Streit um die Anhebung der Schuldenobergrenze die USA an den Rand der Zahlungsunfähigkeit gebracht hatte. Die damals vereinbarten drakonischen Einschnitte waren eigentlich als eine Art Drohkulisse gedacht, damit sich Republikaner und Demokraten auf einen ausgewogenen Plan zum Abbau des Haushaltsdefizits verständigen. Doch ohne Lösung bis Jahresende wird die Sparbombe automatisch gezündet.

  • Was steckt hinter der "Fiskalklippe"?

    Die "Fiskalklippe" ist der jüngste Ausdruck des seit Jahren schwelenden Streits zwischen Demokraten und Republikanern im Kongress über die Sanierung der Staatsfinanzen. Während die Demokraten von Präsident Barack Obama die Reichen stärker belasten wollen, lehnen die Republikaner höhere Steuern als Gefahr für Wirtschaft und Jobs ab. Stattdessen wollen sie vor allem bei den Sozialprogrammen stärker kürzen.

Im Januar stieg die Quote allerdings auf 7,9 von 7,8 Prozent und liegt weiter deutlich über dem Schnitt der vergangenen 60 Jahre von sechs Prozent. Die US-Wirtschaft war Ende vorigen Jahres erstmals seit dem Krisenjahr 2009 geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank im vierten Quartal 2012 aufs Jahr hochgerechnet überraschend um 0,1 Prozent, was Sorgen über die Erholung der weltgrößten Volkswirtschaft genährt hatte.

"Hätte ihnen Billionen Dollar früher einfallen sollen"

Analysten reagierten unterschiedlich auf die Mitteilung der US-Notenbank. Einige erklärten, im Protokoll stehe eigentlich nichts Neues. So sei schon länger bekannt, dass einige Fed-Mitglieder das Anleiheprogramm kritisch sähen. Andere Experten lasen in dem Protokoll dagegen einen geldpolitisch restriktiveren Ton. "Sie diskutieren nun aktiv eine Ausstiegsstrategie", erklärte Analyst Omer Esiner von Commonwealth Foreign Exchange.

Weitere Artikel

Dass sich die Fed in dem Protokoll über befürchtete Nebeneffekte ihres Anleihenkaufprogramms Sorgen macht, löste auch Spott unter Analysten aus. "Vielleicht hätte ihnen das einige Billionen Dollar früher einfallen sollen", sagte Axel Merk von Merk Investments. Es sei aber nicht davon auszugehen, dass die Fed in naher Zukunft das QE3-Programm stoppen werde. Schließlich seien in dem Fed-Gremium die Tauben derzeit in der Überzahl und die geldpolitischen Falken in der Minderheit.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%