Skandal um Trump-Dossier: Wie im Agenten-Thriller

Skandal um Trump-Dossier: Wie im Agenten-Thriller

, aktualisiert 12. Januar 2017, 15:30 Uhr
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Donald Trump hat die Behauptungen in dem Dossier vehement bestritten und massiv kritisiert, dass diese bekannt wurden: „Es ist schändlich, schändlich, dass die Geheimdienste es zugelassen haben, dass unwahre und gefälschte Informationen nach draußen gelangen“, sagte er.

von Kerstin Leitel und Katharina SlodczykQuelle:Handelsblatt Online

Der britische Ex-Geheimagent, der für ein brisantes Dossier über Donald Trump verantwortlich sein soll, fürchtet jetzt offenbar um sein Leben. Er ist Hals über Kopf mit seiner Familie untergetaucht. Wer ist der Mann?

LondonEs musste alles ganz schnell gehen. Der Mann soll daher überstürzt seine Koffer gepackt, dem Mann von nebenan die Pflege der Katze überlassen und sein Haus verlassen haben. „Er sprach davon, dass er einige Tage weg sein würde“, sagte der Nachbar Journalisten einer britischen Zeitung, „ich bin mir nicht sicher, wie ich mit ihm in Kontakt treten kann.“ Klar sei nur so viel: Auch seine Frau und die Kinder seien nicht mehr zu Hause.

Der Mann ist Christopher Steele – ehemaliger Mitarbeiter des britischen Auslandsgeheimdiensts MI6 und angeblicher Autor eines für den neuen US-Präsidenten Donald Trump kompromittierenden Dossiers. Der 52-Jährige ist britischen Medienberichten zufolge seit Dienstag verschwunden – kurze Zeit, bevor bekannt wurde, dass er das Material für das wohl 35 Seiten umfassende Papier über Trump gesammelt und den Bericht verfasst haben soll. Er behauptet darin unter anderem, Russland habe Informationen über Trump, mit denen man ihn erpresse könne. Der künftige Präsident hat das zurückgewiesen, das seien „fake news“.

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Steele fürchtet aber offenbar um sein Leben und die Rache Moskaus. Er sei entsetzt, sagte eine ihm nahestehende Person dem „Daily Telegraph“, und sei daher abgetaucht. Der Mann gilt als Spezialist für Russland. Die Expertise hat er sich unter anderem in seiner Zeit als Mitarbeiter des britischen Auslandsgeheimdienst MI6 angeeignet, der ihn 1990 nach Moskau schickte. 2009 hat er gemeinsam mit einem Geschäftspartner die Londoner Beratungsgesellschaf Orbis Business Intelligence gegründet.

Medienangaben zufolge hat Steele den Auftrag, Material über Trump und seine Beziehungen zu Russland zu sammeln, von einer Firma in Washington bekommen. Dahinter stünden Trumps Gegner aus der demokratischen und auch der republikanischen Partei, berichtet das „Wall Street Journal“.


„Das ist etwas, was Nazi-Deutschland getan hätte“

Das Dossier besteht demnach aus einer Reihe von Notizen, die offenbar zwischen Juni und Dezember 2016 geschrieben wurden. Steele soll nicht nur das Dokument verfasst, sondern auch einen Plan entwickelt haben, wie man die Informationen etwa an das FBI lancieren sollte, sagte eine Person, die mit der Sache vertraut ist, dem „Wall Street Journal“. Steele selbst soll Interviewanfragen abgelehnt haben. Ein Vermittler habe das damit begründet, dass die ganze Angelegenheit zu heiß sein.

Christopher Burrows, Steeles Geschäftspartner bei Orbis, sagte der US-Wirtschaftszeitung: Das Unternehmen habe keine politische Agenda. Das Ziel sei, auf die Vorgaben und Wünsche des Auftraggebers zu reagieren. Im Gespräch mit dem „Daily Telegraph“ wollte Burrows weder bestätigen, noch abstreiten, dass das Dossier von Orbis stammt.

Die Behauptungen darin gelten als sehr schwer zu überprüfen. Nach Angaben von Geheimdienstmitarbeitern, mit denen der britische Sender BBC gesprochen hat, hat Steele einen guten Ruf in der Branche und gilt als kompetent.

Britischen Boulevard-Zeitungen zufolge soll Steele in der Vergangenheit auch mit dem russischen Ex-Spion und Kremlkritiker Alexander Litwinenko zusammengearbeitet haben. Litwinenko wurde vor etwa zehn Jahren mit Polonium vergiftet.

Steele soll nach seinem Ausscheiden bei MI6 auch für die britische Regierung den Korruptionsskandal beim Weltfußballverband Fifa untersucht haben, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Zu dem Zeitpunkt hoffte Großbritannien darauf, die Weltmeisterschaft 2018 oder 2022 austragen zu können, die später an Moskau und Katar ging. Im Zuge der Recherchen soll Steele 2010 auch FBI-Beamte getroffen haben. Der ehemalige MI6-Mitarbeiter soll daher eine hohe Glaubwürdigkeit genießen, so Reuters mit Verweis auf US-Beamte.

Donald Trump hat die Behauptungen in dem Dossier vehement bestritten und massiv kritisiert, dass diese bekannt wurden: „Es ist schändlich, schändlich, dass die Geheimdienste es zugelassen haben, dass unwahre und gefälschte Informationen nach draußen gelangen“, sagte Trump am Mittwoch in seiner ersten Pressekonferenz seit dem Wahlsieg. „Das ist etwas, was Nazi-Deutschland getan hätte.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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