Snowden-Dokumente: NSA und GCHQ stahlen SIM-Karten-Codes

Snowden-Dokumente: NSA und GCHQ stahlen SIM-Karten-Codes

Die NSA und der britische Geheimdienst GCHQ haben sich offenbar Zugriff zum Netzwerk eines niederländischen Sim-Kartenherstellers verschafft – und konnten so die Nutzerdaten ausspähen.

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Über die Sim-Karte konnten NSA und GCHQ die Handys hacken

Der US-Abhördienst NSA und sein britischer Gegenpart GCHQ haben laut der neuesten Snowden-Enthüllung in großem Stil Verschlüsselungscodes für Handy-Sim-Karten gestohlen. Geheimen Unterlagen aus dem Jahr 2010 zufolge wurde der Kartenhersteller Gemalto ins Visier genommen, wie die Enthüllungswebsite „The Intercept“ berichtete. Die mit Hacker-Methoden erbeuteten Schlüssel zu den Sim-Karten ermöglichten es, unauffällig die Kommunikation von Nutzern zu überwachen.

Gemalto, Hersteller von rund zwei Milliarden SIM-Karten im Jahr, zeigte sich sehr besorgt. Jetzt sei das Wichtigste zu verstehen, wie der Angriff passieren konnte, um eine Wiederholung zu verhindern, sagte Gemalto-Manager Paul Beverly „The Intercept“.

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Die Überwachungspraktiken der NSA

  • Die Überwachungspraktiken des US-Auslandsgeheimdiensts NSA stehen seit der Enthüllung durch den Informanten und IT-Experten Edward Snowden in der Kritik. Einige Beispiele, über die Medien berichtet haben.

  • Internet I

    Nach Snowdens Enthüllungen zapfen die USA die Rechner von Internet-Firmen an, um sich Zugang zu Videos, Fotos, E-Mails und Kontaktdaten zu verschaffen. Der Datenhunger betrifft auch die Kommunikation in Europa, darunter Deutschland und Frankreich. Die Möglichkeit dazu bietet unter anderem das Spionageprogramm „Prism“.

  • Internet II

    Der Geheimdienst NSA und sein britischer Gegenpart GCHQ sollen in der Lage sein, einen Teil der Verschlüsselung und der Datentunnel im Internet zu knacken. Das soll nicht nur Online-Banking und Internet-Shops betreffen, sondern auch Internet-Dienstleister wie Microsoft, Yahoo, Google, Facebook, AOL, YouTube, Skype, AOL und Apple.

  • Telefon I

    Telefon- und Videoverbindungen gelten ebenfalls als nicht sicher. So soll die NSA die Vereinten in New York abgehört und deren Videokonferenzanlage angezapft haben. Betroffen sei auch die EU-Vertretung bei der Uno.

  • Telefon II

    Der Geheimdienst soll auch Millionen chinesischer Mobilfunknachrichten sowie wichtige Datenübertragungsleitungen der Tsinghua-Universität in Peking ausspioniert haben. In Frankreich sollen Wirtschaft, Politik und Verwaltung betroffen sein - allein Ende 2012 und Anfang 2013 rund 70,3 Millionen Datensätze von Telefonverbindungen. In Mexiko sollen Regierungsmitglieder bespitzelt worden sein.

Die genaue Dimension des Datendiebstahls ist bisher unklar. In einem Papier geht es nur um einen Zeitraum von drei Monaten im Jahr 2010, in dem Millionen Schlüssel erbeutet worden seien. Wie es heißt, habe man einen Weg gefunden, die Codes auf dem Weg zwischen Sim-Hersteller und Netzbetreibern abzufangen. Dabei spielte offenbar auch eine breit angelegte Überwachung der Kommunikation von Mitarbeitern der Sim-Karten-Hersteller eine zentrale Rolle.

Auch deutsche Sim-Karten-Hersteller im Visier

Mit den Schlüsseln, die auf der Sim-Karte gespeichert sind, dürfte es jedenfalls recht einfach sein, Handy-Gespräche ohne richterlichen Beschluss abzuhören. Zum Beispiel kann sich ein Überwacher dafür als Teil der Netzinfrastruktur ausgeben. Dass NSA und GCHQ Telefongespräche und andere Kommunikation auf breiter Front abgreifen können, was bereits bekannt. Ein Diebstahl von Sim-Karten-Codes wäre eine weitere Erklärung für diese Fähigkeiten.

Die Codes sind ursprünglich dafür entwickelt worden, um ein Telefon zum Beispiel für Abrechnungszwecke eindeutig im Netz identifizieren zu können. Die Hersteller betonen wiederholt, dass die Sim-Karte ein geschützter Ort sei und bauen auf ihr auch Zusatzdienste auf.

Cybersicerheit US-Unternehmen sollen im Kampf gegen Hacker mit Regierung zusammen arbeiten

Die Hackerattacke auf das Filmstudio Sony Pictures ist beispiellos. Doch auch das Weiße Haus wurde schon Ziel von digitalen Angriffen. Nun soll eine bessere Zusammenarbeit die USA gegen Hacker wappnen.

Barack Obama, John Hennesy, Präsident der Stadfort Universität und Apple-CEO Tim Cook Quelle: AP

Die Website „The Intercept“ wertet die Unterlagen aus, die der Informant Edward Snowden bei der NSA herunterlud. Er hatte die Dateien im Juni 2013 den Journalisten um den Enthüllungsreporter Glenn Greenwald übergeben; seitdem werden sie häppchenweise veröffentlicht.

Aus den aktuell präsentierten Unterlagen geht hervor, dass auch weitere Sim-Hersteller im Visier der beiden Geheimdienste standen. Ob sie erfolgreich waren, erfährt man daraus nicht. Einer der führenden Gemalto-Konkurrenten ist Giesecke & Devrient aus Deutschland.

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