Sorge vor Europa-Crash: US-Versicherungen gegen Bankenausfall teurer

Sorge vor Europa-Crash: US-Versicherungen gegen Bankenausfall teurer

, aktualisiert 23. November 2011, 23:44 Uhr
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Die Bank of America gehört zu den sechs Großbanken, die sich dem Stresstest stellen müssen.

Quelle:Handelsblatt Online

Wird sich die europäische Krise auf die USA übertragen? US-Banken halten wenige europäische Staatsanleihen. Dennoch will die US-Notenbank Fed jetzt Großbanken hart prüfen. Ausfallversicherungen werden bereits teurer.

WashingtonDie Euro-Schuldenkrise lässt bei der US-Notenbank Fed die Alarmsirenen schrillen. Analog zu den Stresstests in Europa will die Zentralbank jetzt sechs Großbanken in den USA daraufhin überprüfen, ob sie einem weiteren Schock am europäischen Markt für Staatsanleihen stand halten können.

Die Versicherungen gegen Zahlungsausfälle haben sich bei mehreren US-Banken am Mittwoch bereits verteuert. Zudem hatten mehrere US-Großbanken Dividendenerhöhungen und Rückkäufe geplant - nun steht in den Sternen, ob daraus 2012 etwas werden kann.

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In ihrer Belastungsprobe unterstellen die Bankaufseher einen massiven Bonds-Kursverfall, einen Anstieg der Arbeitslosigkeit auf 13 Prozent sowie ein Schrumpfen der US-Wirtschaft um bis zu acht Prozent. Die Ergebnisse zu einem möglichen Kapitalbedarf sollen 2012 veröffentlicht werden.

Dabei hat die Fed nach Angaben von Dienstagabend vor allem die Institute mit einem starken Handelsgeschäft im Visier: Bank of America, Citigroup, Goldman Sachs, JPMorgan Chase, Morgan Stanley und Wells Fargo. Diese Belastungsprobe der Fed ist Teil eines größeren Stresstests von 31 Banken, den die Notenbank zum zweiten Mal durchzieht.

An der ersten Überprüfung hatten nur 19 Geldhäuser teilgenommen, nun sind auch Regionalbanken dabei. Sie müssen eine Bilanzsumme von mindestens 50 Milliarden Dollar haben. Bis 9. Januar sollen die 31 Institute ihre Daten bei der Fed abliefern, die Antwort folgt bis Mitte März. Auf Basis der Ergebnisse entscheidet die Notenbank, ob Banken solide genug sind, um Dividenden zu zahlen oder Aktien zurückzukaufen.

Die Fed will dieses Mal mehr Einzelheiten veröffentlichen als beim letzten Stresstest. „Die Fed ist dieses Mal eindeutig besorgt wegen Europa“, sagt Nancy Bush, langjährige Bankenexpertin von SNL Financial. „In einer solchen Zeit der Risikoaversion und allgemeinen Besorgnis braucht man Transparenz.“

Auch die europäische Bankenaufsicht EBA überprüft derzeit den Kapitalbedarf der hiesigen Institute und unterstellt dabei eine Marktbewertung aller europäischen Staatsanleihen. Demnach brauchen die Geldhäuser in Europa mehr als 100 Milliarden Euro, um auf eine harte Kernkapitalquote von neun Prozent zu kommen. Die EBA will die Bedingungen aber noch einmal verschärfen, was den Kapitalbedarf erhöhen könnte.


Deutsche Staatsanleihen verteuern US-Ausfall-Versicherungen

In Deutschland ist bislang die Lücke bei der teilverstaatlichten Commerzbank am größten. US-Banken halten zwar kaum europäische Staatsanleihen, sind aber mit Banken in Europa verflochten.

Daher hatte die Ratingagentur Fitch unlängst gewarnt, eine Verschärfung der Euro-Schuldenkrise könnte auch Folgen für die US-Banken haben könnte. Sie verwiesen dabei besonders auf die Handelsbeziehungen mit europäischen Geldhäusern. Der US-Broker MF Global musste wegen hoher Verluste auf Wetten mit europäischen Staatsanleihen sogar Insolvenz anmelden.

Die enttäuschende Nachfrage nach deutschen Staatsanleihen verteuerte am Mittwoch die Versicherungen gegen den Ausfall von US-Bankenverbindlichkeiten. Den größten Anstieg verzeichneten die Kosten für sogenannte Credit Default Swaps (CDS) der Bank of America, die nach Daten des Markit-Instituts um 34 auf 471 Basispunkte hochschnellten. Die Absicherung von Schulden des US-Branchenprimus mit einem Volumen von zehn Millionen Dollar kostete damit 471.000 Dollar pro Jahr. Auch die CDS der US-Großbanken Morgan Stanley, Goldman Sachs, Citigroup und JP Morgan legten zu.

Der Bund blieb zuvor auf einem großen Teil der angebotenen Papiere mit zehnjähriger Laufzeit sitzen: Sechs Milliarden Euro wurden den Anlegern angeboten, sie wollten aber nicht einmal vier Milliarden haben. Analysten sprachen von einem Desaster, Euro und Aktienmärkte gerieten unter starken Druck.


Das Aus für Ausschüttungen im Jahr 2012?

Für Banken wie Citigroup und die Bank of America könnte der Stresstest bedeuten, dass geplante Dividendenerhöhungen und Aktienrückkäufe zurückgestellt werden müssen.„Für jedes dieser Unternehmen wird es sehr schwierig, große Rückkäufe ins nächste Jahr zu planen", sagte Paul Miller der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Der ehemalige Bankenaufseher bei der Fed in Philadelphia ist heute Analyst bei FBR Capital Markets. „Die Chancen für Bank of America und Citigroup, nächstes Jahr eine Dividende zu erhöhen oder Aktien zurückzukaufen, liegen so ziemlich bei Null.“ Auch für das Prüf-Szenario der Fed findet er klare Worte: „Ein Schrumpfen des BIP von acht Prozent ist keine Rezession“, sagt er. „Das ist eine Katastrophe.“

Die Citigroup preist bereits seit Oktober 2010 eine Ausschüttung für 2012 an. Damals hatte CEO Vikram Pandit den Aktionären gesagt, wie würden von einer „Heimkehr“ des Kapital profitieren. „Unsere Pläne haben sich nicht geändert“, ließ Jon Diat, Sprecher der Citigroup, am Dienstag in einer E-Mail verlauten.

„Eine offzielle Erlaubnis vorausgesetzt, hat Citi vor, den Aktionären im nächsten Jahr Kapital zurückzuzahlen, und wir glauben, dass das Tempo der Rückzahlungen sich 2013 und danach erhöhen kann, wenn sich die wirtschaftliche Situation verbessert.“ Eine Ausschüttung im Jahr 2012 hinge laut Diat zudem davon ab, dass das Unternehmen Vermögen in seinen Holdings reduziere und gleichzeitig von Steuervorteilen profitiere.

Quelle:  Handelsblatt Online
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