Spanien: Eurokrise kostet Zapatero das Amt

Spanien: Eurokrise kostet Zapatero das Amt

, aktualisiert 16. November 2011, 13:48 Uhr
Bild vergrößern

Ministerpräsident Zapatero setzt schmerzhafte Einsparungen durch.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Arbeitslosigkeit ist auf Rekordhöhe, die Wirtschaft stagniert und das Schuldenproblem spitzt sich zu. Die Krise wird auch die Parlamentswahlen in Spanien beeinflussen - ein Machtwechsel steht bevor.

MadridDie Wirtschaftskrise in Spanien macht nicht einmal vor den Toten Halt. In Saragossa lassen Behörden auf dem städtischen Friedhof Gräber räumen, wenn die Angehörigen der Verstorbenen mit der Zahlung der Mietgebühren in Verzug geraten sind. Die Toten werden dann in Massengräber umgebettet. Für die Lebenden ist die Krise zu einem Bestandteil des Alltagslebens geworden: Die Einnahmen der Privathaushalte sanken in diesem Jahr im Vergleich zu 2010 um 4,4 Prozent; fünf Millionen Spanier sind arbeitslos; in 1,3 Millionen Familien hat kein Mitglied einen Job.

Die Krise wird maßgeblich den Ausgang der Parlamentswahl an diesem Sonntag bestimmen. Alle Umfragen deuten darauf hin, dass die seit 2004 regierenden Sozialisten ein Debakel erleben. Demnach werden die Konservativen nicht nur die absolute Mehrheit der Mandate, sondern einen Rekordsieg erringen. Mariano Rajoy, der konservative Oppositionsführer der vergangenen sieben Jahre, scheint für viele Spanier zur letzten Hoffnung geworden zu sein.

Anzeige

Spanien hatte in der Schuldenkrise zuletzt nicht mehr in der ersten Linie der Problemländer gestanden, weil die Aufmerksamkeit der Märkte sich auf Italien und Griechenland richtete. Aber nach der Ablösung der Regierungschefs Silvio Berlusconi in Rom und Giorgos Papandreou in Athen geraten auch Spaniens Finanzen wieder verstärkt unter Druck. Am Dienstag erreichte der Risikozuschlag, den der spanische Staat für seine Schulden zahlen muss, eine Rekordhöhe.

Spanien unterscheidet sich von den anderen Volkswirtschaften in Europa durch seine Arbeitslosenquote von fast 22 Prozent. Das ist die mit Abstand höchste in der EU. „Das Erstaunliche daran ist, dass es keine Aufstände gibt“, sagte José Manuel González-Páramo, Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), der Zeitung „El País“. „Auf die Dauer ist so ein Zustand nicht tragbar.“ Viele Arbeitslosen schlagen sich mit Schwarzarbeit durch, andere bekommen Hilfe von Familienangehörigen.


Einsparungen kosten Zapatero Karriere

Die Regierung des scheidenden Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero hatte sich zuletzt darauf konzentriert, die Staatsschulden in den Griff zu bekommen. Sie setzte alles daran, die Neuverschuldung in diesem Jahr auf 6,0 Prozent (2010: 9,2 Prozent) des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu senken, wie Madrid es der EU zugesichert hatte. Damit wollte Spanien das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen.

Die EU-Kommission und die große Mehrheit der Finanzexperten gehen jedoch davon aus, dass Madrid sein Ziel kaum erreichen wird. Dies hat zwei Gründe: Erstens wächst die Wirtschaft nicht wie erwartet; zweitens machten die Regionen und Kommunen neue Schulden und damit die Sparbemühungen der Zentralregierung teilweise zunichte.

Zapatero setzte im Vorjahr Einsparungen von zehn Milliarden Euro durch. Dies kostete ihn seine Popularität und die politische Karriere. Der vermutliche Nachfolger Rajoy wird nach Schätzungen von Experten mehr als dreimal so viel einsparen müssen, wenn er Spaniens Verpflichtung einhalten will, das Defizit 2012 auf 4,4 Prozent des BIP zu drücken.

Die Staatsschulden sind aber nicht das Grundproblem; denn Spanien hat weniger Schulden angehäuft als die meisten anderen EU-Staaten. Der Schwachpunkt der spanischen Wirtschaft liegt in der privaten Verschuldung. Diese ist eine Folge des Bau-Booms, der vor vier Jahren ein abruptes Ende genommen hatte. Die Banken hatten großzügig Wohnungsbaukredite an Familien und Baufirmen vergeben, rund 700.000 Wohnungen fanden jedoch keine Käufer.

Spanien hat nach dem Platzen der Immobilienblase - anders als Irland - keinen klaren Schnitt vollzogen und die „faulen Kredite“ in den Bilanzen der Banken nicht offengelegt. Die Geldinstitute befürchten, einen Teil ihrer Darlehen nicht zurückzubekommen. Sie zogen daraus die Konsequenz, bei der Kreditvergabe größte Zurückhaltung zu wahren. Das wiederum hat zur Folge, dass die Wirtschaft nicht wächst, weil das Geld für Investitionen fehlt. Und ohne Wachstum geht auch die Zahl der Arbeitslosen nicht zurück.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%