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Sparpaket: Kleines Karo statt großer Wurf

von Christian Ramthun

Die Bundesregierung hat ein "Sparpaket" zur Sanierung der Staatsfinanzen beschlossen. Gespart wird jedoch nur ein bisschen. Gleichzeitig bitten Merkel und Co. die Wirtschaft zur Kasse. Ein Kommentar von Christian Ramthun.

Angela Merkel und Guido Quelle: REUTERS
Angela Merkel und Guido Westerwelle Quelle: REUTERS

Angela Merkel spricht von einem „einmaligen Kraftakt“. Guido Westerwelle nimmt gar eine Anleihe in der griechischen Mythologie und redet von einer Herkules-Leistung. Bei der Erläuterung des Sparpakets zur Sanierung der angeschlagenen Bundesfinanzen übertreffen sich die beiden Koalitionsspitzen in Superlativen. Doch einen großen Wurf haben die Unterhändler von CDU, CSU und FDP auf ihrer anderthalbtägigen Klausur im Kanzleramt nicht zustande gebracht. Selbst die Gesamtzahl von 11,2 Milliarden Euro Einsparvolumen im Jahr 2011 ist letztlich getürkt. Denn in dieser Zahl sind auch beachtliche Steuererhöhungen für die Wirtschaft inbegriffen. „An Mut und an Kraft hat es gefehlt“, sagt SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und hat sicherlich recht.

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Belastungen für die Wirtschaft

Touristen in Berlin vor einem Quelle: REUTERS
Touristen in Berlin vor einem Plakat des Berliner Schlosses Quelle: REUTERS

Einen gewissen Überraschungswert haben die Mehrbelastungen für die Wirtschaft. Geplant sind nun eine Brennelementesteuer für Atomkraftwerke, die gut zwei Milliarden Euro im Jahr einspielen soll. Ausnahmen bei der Energiesteuer sollen abgebaut werden. Die Banken sollen ab 2012 eine Extrasteuer (zwei Milliarden Euro) an die Staatskasse abliefern – wenn sich eine Finanzsteuer international denn durchsetzen lässt. Auch Flugreisende will die Koalition mit einer Milliarden Euro zur Kasse bitten: mit einer Luftverkehrsabgabe, die von Deutschland abfliegende Passagiere zahlen müssen.

Das Mantra der FDP, es werde keine Steuererhöhungen geben, bekommt hier ein Geschmäckle. Immerhin hat Westerwelle recht, wenn er betont, dass Mehrwertsteuer und Einkommensteuer nicht erhöht werden. Doch diese Nicht-Erhöhung als Glanzleistung (Westerwelle: „Eine sehr gute Nachricht“) nach der Sparklausur anzupreisen, wirkt doch etwas billig.

Im kleinen verliert sich die Koalition auch dort, wo sie tatsächlich sparen will. Es geht auf dem Papier um insgesamt fünf Milliarden Euro bei Sozialleistungen – nicht gerade viel angesichts Hunderter Milliarden Euro Ausgaben in diesem Bereich. So will die Koalition ein wenig beim Elterngeld sparen, indem nur noch 65 statt 67 Prozent des Nettoeinkommens (aber erst ab 1200 Euro) ausgezahlt werden. ALG-II-Bezieher sollen kein Elterngeld bekommen, auch dies ein nur kleiner Beitrag. Der Abbau des Heizkostenzuschusses für Wohngeldempfänger fällt ebenfalls in diese Kategorie.

Dieses Sparpaket zeigt, dass noch viele Einsparreserven unangetastet bleiben. Beim Rentensystem, in der gesetzlichen Krankenversicherung, bei den Subventionen. Vielleicht verändert sich das Sparpaket noch ein wenig in den nächsten Wochen. Anfang Juli will das Kabinett ihren Gesetzentwurf fertig haben, die Verabschiedung im Parlament ist dann für Mitte August vorgesehen. Aber große Erwartungen darf man an den Gesetzgebungsprozess nicht stellen. Schließlich entwickelt sich die Wirtschaft auch wieder besser als erwartet, und das senkt bei Politikern sofort den Sparwillen.

68 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 11.06.2010, 16:12 UhrAnonymer Benutzer: shadow dancer

    @ Der lupenreine Demokrat

    Vielen Dank für ihre Einschätzung !
    ich hoffe dennoch, daß die Demografie große Teile der
    Arbeitslosigkeit besiegt ! Das Geld wird ja dann für die Renten
    Dringend benötigt ! bei den Aufstockern gebe ich ihnen Recht - Das dürfte nicht sein ! Leider kenne ich viele beispiele,
    wo man lieber mit Hartz iV zu Hause bleibt und sich dann auf diese Zahlungen einrichtet !

  • 10.06.2010, 21:46 UhrAnonymer Benutzer: Der lupenreine Demokrat

    @Shadow Dancer: ich glaube nicht, dass durch den demografischen Wandel sich die Situation verbessert. Die Firmen werden dann ins Ausland abwandern, wo es die Fachkräfte gibt.

    Das der Hartz 4ler pauschal faul ist, wird meines Erachtens dadurch widerlegt, dass es immer mehr Aufstocker gibt, deren Lohn unter H4 liegt. Ein Skandal!

    Nun letztendlich handelt jeder Mensch für sich ökonomisch. Deshalb arbeiten viele H4ler schwarz.

    Die Politik jetzt einfach nur falsche Signale. bsp.: Minijobs (ca. 6 Mio. in D. - etliche Vollzeitjobs wurden dadurch vernichtet. Die Unternehmen nutzen dies konsequent aus - besonders im Einzelhandel. Von den 450 € können Sie nicht leben - also H4 Aufstockung. Davon können Sie vielleicht soeben existieren aber auch nicht leben. Also müssen Sie nebenbei schwarzarbeiten. Wer will das jemandem verübeln, wenn er keinen Vollzeitjob findet?

    Diese Leute sollen dann pauschal faul sein und spätrömisch dekadent? Viele Deutsche glauben dies unseren Politikern offensichtlich.

    Mit ihrem letzten Punkt haben Sie vollkommen recht: Zeitarbeit und Lohndumping sind keine Perspektive für Arbeitnhmer.

  • 10.06.2010, 16:25 UhrAnonymer Benutzer: shadow dancer

    @ lupenreiner Demokrat
    @ Malocher

    Hallo zusammen,

    ich gebe zu bedenken, daß die demografische Entwicklung den Arbeitsmarkt schon bald deutlich entlasten wird, so daß
    offensichtlich wird, daß ca. 40 % der Hartz-bezieher eigentlich eine Arbeit annehmen könnten ! Aber viele dieser bezieher
    wollen eigentlich nicht wirklich oder haben keine Zeit, weil
    sie auf schwarzen Wegen zusätzliche einnahmen besitzen !
    Natürlich gebe ich Euch Recht, daß bei harten Forderungen die entsprechenden Arbeitsplätze auch vorhanden sein müssen ! Wenn die geburtenschwachen Jahrgänge kommen,
    wird es sich für diejenigen Arbeitgeber rächen, die auf Lohndumping oder ausschließlich auf Zeitarbeit setzen !

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