Spitzenposten: Profilloses Führungspersonal für die EU

KommentarSpitzenposten: Profilloses Führungspersonal für die EU

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Künftige EU-Spitze: Ratpräsident Herman Van Rompuy (v.l.), Kommissionschef Jose Manuel Barroso und Außenministerin Catherine Ashton

von Silke Wettach

Zwei Unbekannte übernehmen die neuen Topjobs in der EU - selbst ihre Landsleute hätten Schwierigkeiten sie zu erkennen. Mit der Besetzung hat die Gemeinschaft eine Chance vertan. Ein Kommentar von WirtschaftsWoche-Korrespondentin Silke Wettach.

Auf der Straße würde sich niemand nach ihnen umdrehen. Der künftige EU-Ratspräsident Herman van Rompoy würde in seiner belgischen Heimat vielleicht gerade noch erkannt, aber im Ausland sagt sein Gesicht niemanden etwas. Catherine Ashton, künftig EU-Außenministerin, ist noch unauffälliger: Ihren britischen Landsleuten ist noch nicht einmal ihr Name geläufig.

Gestern Abend haben die 27 in Brüssel versammelten Staats- und Regierungschefs der EU zwei weithin Unbekannten die beiden neu geschaffenen Topjobs in der EU anvertraut. Eine Überraschung ist das nicht. Bei dem seit Wochen andauernden Postengeschacher zwischen den europäischen Hauptstädten zeichnete sich ab, dass kein europäischer Toppolitiker ernsthaft eine starke Persönlichkeit an der Spitze der EU sehen wollte. Der hätte am Schluss den Hauptstädten ernsthafte Konkurrenz gemacht – was weder große noch kleine Mitgliedsstaaten goutiert hätten.

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Treue Diener der Mitgliedsstatten

Die Taktik der europäischen Staats- und Regierungschefs ist indes nicht neu. Schon vor fünf Jahren wählten sie den Portugiesen José Manuel Barroso zum Kommissionspräsidenten, weil sie sich von ihm wenig Widerworte erwarten. Die Rechnung ging auf, Barroso setzte den Mitgliedsstaaten in seiner ersten Amtszeit nur wenig entgegen. Er erwies sich sogar als so gefügig, dass ihm die Mitgliedsstaaten frühzeitig eine zweite Amtszeit zusagten.

Und nun also van Rompoy und Ashton, die sich den Mitgliedsstaaten als treue Diener erweisen dürften. Eigenwillige Initiativen, Querschläge sind von ihnen nicht zu befürchten. Bundeskanzlerin Angela Merkel warnte allerdings schon davor, die beiden wegen ihrer Unerfahrenheit vorschnell abzuqualifizieren: „Ich gehöre zu den Menschen, die wissen, dass Persönlichkeiten in Aufgaben hineinwachsen können“, betonte sie gestern abend.

Der 62-jährige Van Rompoy hat in seiner Heimat bewiesen, dass er die Kunst des Kompromisses beherrscht. Der Christdemokrat hat in seiner knapp einjährigen Amtszeit als Ministerpräsident den erbitterten Streit zwischen Flamen und Wallonen geschlichtet. Er hat mit einer fünf-Parteien-Koalition ein schwer regierbares Land aus der Dauer-Regierungskrise geführt, die unter seinem Vorgänger Yves Leterme herrschte. Van Rompoy, der Betriebswirtschaft und Philosophie studiert hat, gilt als unprätentiös. „Eitelkeit gehört zu den lächerlichsten Gefühlen“, schrieb er in einem Buch über Politik. Wie ein Machtmensch wirkt er schon rein äußerlich nicht. Die belgische Autorin Kristien Hemmerechts verglich sein Äußeres kürzlich mit dem von Steven Spielbergs ET. Der Hobbydichter, wegen seiner Liebe zu japanischer Lyrik auch „Haiku Herman“ genannt, fiel in der Vergangenheit immer wieder durch vielsagende Äußerungen auf: „Wenn ich zwischen dem Absurden und dem Mysteriösen wählen müsste, dann würde ich das Mysteriöse wählen.“

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