Sportartikel: Adidas eröffnet weltgrößtes Geschäft in Peking

Sportartikel: Adidas eröffnet weltgrößtes Geschäft in Peking

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Schon bevor das weltgrößte Geschäft in Peking fürs Publikum eröffnet wird, versammeln sich davor Schaulustige

Mit Verspätung, doch noch rechtzeitig vor Beginn der Spiele eröffnet Adidas heute Nacht in Peking sein weltgrößtes Geschäft. Mit dem neuen Laden will der Olympiasponsor auch seine Marktführerschaft in China verteidigen.

Draußen legen Arbeiter noch letzte Hand an den gerade fertig gestellten Bau. Frauen in blauen Kitteln wienern die verglasten Scheiben des schicken Geschäftes in der Pekinger Innenstadt. Männer in weißen Unterhemden verlegen auf dem Vorplatz noch eilig Pflastersteine und fegen letzte Reste von Bauschutt zur Seite. Das Atmen fällt ihnen schwer. Die Stadt ist, wie so oft in den letzten Wochen, in dichten Smog gehüllt, dazu 35 Grad Hitze.

In den klimatisierten Räumen des neuen Geschäftes bereitet sich die Mannschaft unterdessen auf den großen Ansturm vor. Ständer mit Basketballstiefeln und Laufschuhen werden noch einmal gerade gerückt, die Trikots, Leibchen und T-Shirts in den Auslagen ordentlich gestapelt. Nur noch wenige Stunden bleiben den Verkäufern. Heute um Mitternacht (Ortszeit) wird Adidas an der Ecke der Gongti-Straße und Pekings legendärer Kneipenstraße Sanlitun sein neuestes Geschäft im Reich der Mitte eröffnen.

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Der vierstöckige Glasbau ist das größte Geschäft, das der Sportartikelhersteller aus Herzogenaurach weltweit betreibt. Auf fast 3200 Quadtatmetern bieten die Deutschen den Pekinger Kunden Fußball-, Lauf- und Basketballschuhe sowie die ganze Palette von Trikots, T-Shirts und Trainingsanzügen. Bisher hatte Adidas seinen größten Laden in Paris.

Eigentlich sollte der neue Pekinger „Point of Sale“, so der Branchenjargon, schon Ende April eröffnet werden. Konzernchef Herbert Hainer wollte zu dem Anlass nach Peking reisen, dazu eine Handvoll deutscher Journalisten. Doch erst verweigerten die chinesischen Behörden den Reportern die Visa. Dann wurde immer klarer, dass der Bau ohnehin nicht fertig werden würde. Schließlich verschob Adidas die Eröffnung auf Anfang Juli. Doch Hainer kommt dazu nicht nach China. Er wird erst zu den Olympischen Spielen im August in die chinesische Hauptstadt reisen.

Dafür ist Adidas-Chinachef Wolfgang Bentheimer aus Shanghai angereist. „Wir sehen enormes Potenzial in China“, begründet der Manager das neue Mammutprojekt in der Pekinger Innenstadt. Nicht zu unrecht, denn das Geschäft mit Sportartikeln wächst in China rasant. Um durchschnittlich 20 Prozent klettern die Umsätze der Branche jedes Jahr, deutlich schneller als die Einzelhandelsumsätze insgesamt. Gaben die Chinesen etwa im vergangenen Jahr noch umgerechnet 3,6 Milliarden Euro für Sportartikel aus, werden es in diesem Jahr nach Branchenschätzungen 4,4 Milliarden Euro sein.

Sponsor für Olympia

Um von dem Wachstum zu profitieren, will der Konzern aus Herzogenaurach in den kommenden Jahren in China kräftig expandieren. Etwa 4400 Geschäfte betreibt Adidas derzeit im Reich der Mitte. Bis Ende des Jahres sollen jeden Monat 100 dazukommen. Ende 2010 soll die Zahl der Läden dann bei 6300 liegen. Der Chinaumsatz, so die Planungen, dürfte im selben Jahr die Eine-Milliarde-Euro-Marke erreichen. Bislang veröffentlicht das Unternehmen, das mit einem Anteil von 16 Prozent vor Nike knapp Marktführer in China ist, keine Umsatzzahlen zu einzelnen Ländern. Der Umsatz in Asien lag im vergangenen Jahr bei 1,7 Milliarden Euro – fast ein Viertel des weltweiten Geschäfts.

Der neue Adidas-Laden in Peking bietet weit mehr als nur die Produkte des Konzerns. Am so genannten „Concierge Desk“ etwa können die Kunden einen persönlichen Trainer buchen. In einer anderen Ecke des Geschäftes können sie ihre Sprung- und Laufkraft berechnen lassen. Dazu kommt die Möglichkeit, seine eigenen Schuhe oder Trikots zu entwerfen. Im vierten Geschoss gibt es außerdem eine Saftbar, auf dem Dach ein Basketballfeld. „Wir wollen unsere Marke mit den Kunden verbinden“, erklärt Bentheimer die neuen Elemente. Sollte das Konzept in Peking Erfolg haben, will Adidas weitere Läden in China ähnlich ausstatten.

Um die Marktführerschaft in China zu verteidigen, engagiert sich das Unternehmen außerdem als Sponsor der Olympischen Spiele. Etwa 100 Millionen Dollar, heißt es in Branchenkreisen, wendet Adidas auf, um als Sponsor der so genannten zweiten Kategorie in China mit dem Olympialogo werben zu können.

Doch das Olympia-Engagement ist für die Deutschen eine Gratwanderung. Seit den Unruhen in Tibet und den anschließenden weltweiten Protesten gegen Pekings Vorgehen in der Unruheprovinz, ist Adidas wegen seines Sponsorings in die Kritik geraten. Nichtregierungsorganisationen wie Reporter ohne Grenzen werfen Sponsoren wie Adidas vor, sie verknüpften ihre Marke mit Menschenrechtsverletzungen in China. Adidas muss abwägen zwischen seinen geschäftlichen Interessen im am schnellsten wachsenden Markt der Welt und einer möglichen Beschädigung der Marke im Westen wegen der Unterstützung der Olympischen Spiele in einem Land, das grundlegende Menschenrechte noch immer missachtet.

Bislang, betont Bentheimer, habe man keine Schädigung des Markenimages feststellen können. Zu Fragen der Menschnerechtspolitik in China nimmt der Deutsche aber ohnehin nicht gerne Stellung. Bentheimer: „Wir sind keine politsche Partei und haben kein politisches Mandat. Wir stellen Sportartikel her.“

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