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Staatliche Zensur: Google sollte China verlassen

von Matthias Kamp

Nach Hackerattacken aus China auf E-Mail-Konten von Google sind die Amerikaner mit ihrer Geduld am Ende: Der US-Internetkonzern denkt laut über einen Rückzug aus China nach – und sollte seiner Ankündigung Taten folgen lassen.

Ein chinesischer Google-Nutzer Quelle: REUTERS
Ein chinesischer Google-Nutzer bringt Blumen zur Google-Zentral in Peking, um seine Solidarität mit dem Internetkonzern zu bekunden. Quelle: REUTERS
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Es gibt im Moment nur ein Thema in den Blogs und Chatrooms des chinesischen Internet: Tausende Chinesen zollen Google in den Onlineforen heute Respekt. „Wir würden es sehr bedauern, wenn Google China verlässt“, heißt es in einem Eintrag, „wir verstehen aber den Schritt.“ Einige größtenteils junge Leute gingen sogar zur Chinazentrale des US-Internetkonzerns im Norden Pekings und verbeugten sich demonstrativ vor dem Firmenschild des Unternehmens, manche legten Blumen nieder.

Chinesische Mauer im Internet

Gestern hatte Google bekannt gegeben, sich der chinesischen Internetzensur nicht länger beugen zu wollen. Notfalls werde man auch den chinesischen Dienst Google.cn abschalten und seine Büros in China schließen. Im Dezember hat es nach Angaben des Konzerns aus Mountain View in Kalifornien Hackerattacken aus China auf Gmail-Konten chinesischer Menschenrechtler sowie ausländischer Unternehmen gegeben. In den kommenden Monaten will Google mit den chinesischen Behörden über das weitere Vorgehen beraten.

Chinas rund 340 Millionen Internetnutzer sind die Kontrollen des Internet durch die Kommunistische Partei schon lange leid. Den so genannten „Great Firewall of China“, mit dem die Behörden kritische Inhalte aus dem Netz filtern, verspotten sie als „Great F*** of China“. Seit vergangenem Jahr hat die Regierung die Zensur nochmals drastisch verschärft. Allein in den letzten Wochen haben die Kontrolleure wieder Tausende Seiten geschlossen. Die Portale Twitter, YouTube und Facebook sind seit Mitte letzten Jahres nicht mehr zu erreichen. Jüngstes Beispiel: Den Link zur gestrigen Erklärung von Google zum möglichen Rückzug aus China haben die Behörden gesperrt. Eine offizielle Stellungnahme der Regierung zu den Ankündigungen des US-Konzerns gibt es bislang nicht.

Langer Zensur-Streit

Für Google wäre ein Rückzug vom chinesischen Markt nur konsequent. Seit Beginn der China-Aktivitäten Anfang 2006 setzen die Behörden den Konzern massiv unter Druck. Von Anfang an musste Google einige seiner Suchergebnisse zensieren. Die Folge waren heftige Proteste von Menschenrechtsgruppen.  Der Streit mit den Behörden eskalierte im Sommer vergangenen Jahres, als Peking Googles chinesisches Portal kurzzeitig sperrte und das Unternehmen dazu aufforderte, einige Suchfunktionen zu blockieren. Der Vorwurf der Regierung: Der Konzern verbreite pornografische Inhalte.

7 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 29.03.2010, 22:01 UhrAnonymer Benutzer: nolan123

    Google ist eine Datenkrake, die sich leider ungehemmt verbreitet. Die Philosophie heisst ausspähen, bis auch das letzte Hemd vermarktet werden kann. Hinzu kommt der Zugriff der USA auf deren Datenbestände und dies lehne ich kategorisch ab...
    Diese Kriegskultur erhält durch Google nur noch weitere Freiräume, ich bin froh, dass China dagegenhält...

  • 15.01.2010, 09:15 UhrAnonymer Benutzer: Observer

    Der Schritt ist konsequent und zeigt, dass Google noch ein inhabergeführtes Unternehmen geblieben ist.

    Der typische Konzern mit feigen Top-Angestellten, die bei 0,5% Umsatzminus schon jegliche Ehre und Stolz vermissen lassen, würde sich jedem Diktat beugen.

    Die Entscheidung ist auch konsequent, weil Google eine Software für alle macht und nicht jedem Land oder Regime ein Extrawürstchen braten kann. Google hat Grosses vor und das wird nur gehen, wenn die Nutzer Google absolut vertrauen.

    Wenn Google sich kurzfristig denkend dem faschistoiden Umsatzkalkül anstatt ihren Werten unterwürfe, wäre die Langfriststrategie gefährdet.

    Google wird durch die Entscheidung viel gewinnen. Jedes chinesische Talent, dass das Land in Richtung USA verlässt, hat das Zeug Google die oder eine weitere innovation zu bringen, die das Unternehmen nahezu unschlagbar gemacht hat.

  • 14.01.2010, 14:59 UhrAnonymer Benutzer: Peter Müller

    mehr info siehe

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,671679,00.html

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