Staatsbesuch in China: Die Chinesen trauen Merkel nicht

KommentarStaatsbesuch in China: Die Chinesen trauen Merkel nicht

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Kommentator für die Wirtschaftswoche Matthias Kamp

Schon zum dritten Mal in ihrer dreijährigen Amtszeit ist Bundeskanzlerin Angela Merkel in China. Doch so richtig warm werden die Chinesen mit ihr nicht. Es kommentiert China-Korrespondent Matthias Kamp.

Zwar ist Merkels jetzige Visite in Peking als offizieller Besuch deklariert. In diesen Genuss kommen nur wenige der fast 50 Staats- und Regierungschefs, die in diesen Tagen zum ASEM-Gipfel in Peking eintreffen.

Doch die chinesische Regierung hegt gegenüber Merkel ein grundsätzliches und tief sitzendes Misstrauen. Das liegt vor allem daran, dass die Kanzlerin in der Vergangenheit kaum eine Gelegenheit ausgelassen hat, in China auf Menschenrechtsverletzungen hinzuweisen, die religiöse Unterdrückung in Tibet angesprochen hat und vor einem Jahr demonstrativ den Dalai Lama im Kanzleramt empfangen hat – eine Begegnung, die für eine schwere Störung im bilateralen Verhältnis gesorgt hatte. Auch bei ihrem jetzigen Besuch in Peking wird Merkel sich wieder mit Vertretern der Zivilgesellschaft treffen.

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Zwar betonen beide Seiten fast ununterbrochen, die Beziehungen hätten sich gut ein Jahr nach dem Treffen mit dem Dalai Lama wieder normalisiert. Doch vergessen haben die Chinesen die Begegung vom September vergangegen Jahres im Kanzlermat nicht. Sie trauen Merkel nicht.

Und sie haben das auch schon nicht getan, bevor sie sich mit dem Dalai Lama getroffen hat. Denn ihre Linie gegenüber China ist eine andere als ihr Vorgänger Gerhard Schröder sie verfolgte, der sich vor allem um die Interessen der Wirtschaft kümmerte.

Im Gegensatz zu Merkel genießt Ex-Kanzler Gerhard Schröder bei Chinas Regierenden höchstes Ansehen. Schröder kommt auch jetzt noch alle paar Monate als Privatier nach Peking, jedesmal fliegen in der chinesischen Regierung alle Türen auf. Im August, als er mit seiner Tochter zu den Olympischen Spielen hier war, empfing ihn Premierminister Wen Jiabao.

Vor gut zwei Wochen war der Altkanzler schon wieder in China und ließ sich auch beim Empfang der Deutschen Botschaft zum 3. Oktober sehen. Außerdem hatte er einen Termin mit Chinas Vizepremier Wang Qishan. Chinas Staatsführer haben Schröder schon vor Jahren, als er noch Kanzler war, den informellen Ehrentitel des „Lao pengyou“, des alten Freundes, verliehen.

Der Altkanzler stellt eben keine unbequemen Fragen zu Menschenrechtsverletzungen oder zur Tibetproblematik. Als Merkel den Dalai Lama empfing kritisierte Schröder dies sogar öffentlich. Das rechnen ihm die Chinesen hoch an.

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