Staatsfinanzen: Dollar-Krise in Amerika

Staatsfinanzen: Dollar-Krise in Amerika

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A Toyota is parked on Capitol Hill in Washington, Wednesday, Feb. 24, 2010, where the House Oversight and Government Reform Committee is holding hearings regarding Toyota. (AP Photo/Cliff Owen)

von Hans Jakob Ginsburg

Mit der Euro-Krise um Griechenland stellt sich die Frage: Sollen die Nachbarn helfen? In Geschichte gibt es dafür überraschende Parallelen.

Es sind 13 Staaten, einigen geht es gut, andere sind pleite. Der Zusammenschluss ist neu, die Wirtschaftsverfassung lückenhaft. Große Frage: Sollen jetzt die Soliden für die Bankrotten geradestehen?

Es geht nicht um Euroland und die Griechen, es geht um die Vereinigten Staaten von Amerika am Anfang ihrer Geschichte.

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Ende des 18. Jahrhunderts hatten die Siedler an der Ostküste Nordamerikas in einem kostspieligen Krieg die britische Herrschaft abgeschüttelt und eine bundesstaatliche Republik gegründet. Seit 1789 amtierte der New Yorker Jurist und politische Philosoph Alexander Hamilton als erster Finanzminister der USA, eines Agrarlandes mit knapp vier Millionen Menschen und im Jahr 1790 nach Berechnung des englischen Historikers David Reynolds 77 Millionen Dollar öffentlicher Schulden.

Das wären nach heutiger Kaufkraft ungefähr zwei Milliarden Dollar gewesen – eine enorme Belastung. Doch zur Herstellung der Kreditwürdigkeit war Hamilton nichts zu teuer: „Um sich zu guten Bedingungen zu finanzieren, ist es wesentlich, dass die Schuldenlage einer Nation wohlgeordnet ist. Staaten wie Einzelpersonen genießen nur dann Kredit und Vertrauen, wenn sie ihre Verpflichtungen einhalten.“ Die Hochburg des anfangs winzigen amerikanischen Finanzsektors befand sich damals schon in Hamiltons Heimatstadt New York.

Parlamentarische Mehrheit

Fast die Hälfte des Schuldenberges ging auf die Konten der Einzelstaaten, vor allem im Norden der Union. Denn nur die Südstaatler bis hinauf nach Virginia und Maryland konnten als Tabak- und Zuckerrohrpflanzer genug exportieren, um ihre Kriegsschulden aus eigener Kraft abzuzahlen. Ihr Sprecher war der spätere US-Präsident James Madison aus Virginia: Es sei einfach unfair, Staaten, „die ihre Pflicht getan haben, für jene bezahlen zu lassen, die ihre Pflicht nicht getan haben“.

Bekannte und richtige Worte. Genau dasselbe könne man heute auch hören, meint der „New York Times“-Europa-Experte Roger Cohen: „von einem deutschen Wirtschaftsbürger oder einem finnischen High-Tech-Spezialisten, wenn man ihm etwas über die finanziellen Leiden der sogenannten PIGS erzählt“.

Hamilton setzte sich seinerzeit durch. Am Ende beschafften Madison und der einflussreiche Außenminister Thomas Jefferson (auch aus Virginia) seiner Politik eine parlamentarische Mehrheit. Ein Kuhhandel: Im Gegenzug wurde beschlossen, den USA eine neue Hauptstadt an der Grenze von Virginia und Maryland zu bauen: Washington, benannt nach dem ersten Präsidenten (ebenfalls aus Virginia).

Strom des Kapitals

Die Unterschiede zwischen 1790 und 2010 sind riesig. Hamiltons Politik war ungerecht – und dennoch sind die Amerikaner heute froh, dass er sich mit der Forderung nach Übernahme („assumption“) der Nord-Schulden durchgesetzt hat: Die schmerzhafte Schuldentilgung war die Vorbedingung für die Kreditwürdigkeit der USA. Und ohne diese Kreditwürdigkeit wäre der Aufstieg zur führenden Industriemacht der Welt in den kommenden Jahrzehnten und später zur politischen Weltmacht undenkbar gewesen.

Hamilton selber sah diesen Zusammenhang sehr klar: „Nicht nur der Reichtum, sondern auch die Unabhängigkeit und Sicherheit eines Landes sind offenbar mit dem Wohlergehen seiner Industriellen verknüpft.“ Indem Hamilton den Plantagenbesitzern aus dem Süden die Errichtung von Weißem Haus und Kapitol in den südstaatlichen Gefilden des heutigen Washington zugestand, machte er den Weg für den Strom des Kapitals in die bald schon industrialisierten Nordstaaten frei.

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