Staatsfonds: Erste Gehversuche

Staatsfonds: Erste Gehversuche

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Chinesische Investoren nutzen die Finanzkrise und gehen bei westlichen Banken auf Einkaufstour.

Chinesische Investoren nutzen die Finanzkrise und gehen bei westlichen Banken auf Einkaufstour.

Mangelndes Selbstbewusstsein ist Lou Jiwei nicht vorzuwerfen. „CIC will sich als stabilisierender Faktor an den internationalen Finanzmärkten positionieren“, verkündete der Vorsitzende des Staatsfonds China Investment Corporation kürzlich.

Allerdings, so Lou mit Blick auf die Kreditkrise im Westen, beteilige man sich nicht aus Wohltätigkeit; CIC wolle vor allem eine „vernünftige Rendite erzielen“. Chinas CIC, das im September 2007 den Betrieb aufnahm, soll helfen, die Devisenreserven des Landes in Höhe von 1,5 Billionen Dollar gewinnbringend anzulegen. Etwa ein Drittel der 200 Milliarden Dollar, die der Fonds derzeit verwaltet, will Lou im Ausland investieren.

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Besonderes Interesse hat Lou an Unternehmen, deren Kurs infolge der Subprime-Krise eingebrochen ist. Der erste Investition ist angeschoben: Für fünf Milliarden Dollar erwirbt CIC einen zehnprozentigen Anteil an der Investmentbank Morgan Stanley, die für das vierte Quartal 2007 einen Verlust von 9,4 Milliarden Dollar gemeldet hatte.

An weiteren Kaufobjekten mangelt es zu einer Zeit nicht, wo eben erst die weltgrößte Bank Citigroup einen Quartalsverlust von fast zehn Milliarden Dollar bekannt gegeben hat und zugleich den Einstieg von Investoren aus Singapur und Saudi-Arabien annoncierte. Chinesen wurden nicht genannt, und das, obwohl sich chinesische Fonds und Finanzkonzerne, angeheizt von der Kreditkrise im Westen, besonders intensiv um die Perlen der westlichen Geldbranche bemühen.

Nahezu die gesamte Finanzbranche ist, neben Pekings mächtigem Staatsfonds CIC , auf fieberhafter Suche nach attraktiven Beteiligungen im Ausland. Ob Versicherer wie Ping An, Großbanken wie die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) oder Investmenthäuser wie Citic Securities: Chinas Finanzkonzerne investieren gewaltige Summen in den USA und Europa.

Allein in den vergangenen zwölf Monaten kam es zu acht größeren Beteiligungen chinesischer Institute an ausländischen Finanzdienstleistern. Investitionsvolumen: gut 20 Milliarden Dollar. „Die Profitabilität chinesischer Banken hat sich in letzter Zeit stark verbessert“, sagt Horst Löchel, Vorsitzender des Shanghai International Banking and Finance Institute (SIBFI), „außerdem haben einige Institute erfolgreiche Börsengänge hingelegt. Geld für Beteiligungen ist also reichlich da.“

Erst vor wenigen Wochen hatte der Versicherungskonzern Ping eine 1,8-Milliarden-Euro-Beteiligung am belgisch-niederländischen Finanzdienstleister Fortis angekündigt. Der nach Börsenwert zweitgrößte Versicherer der Welt wird damit größter Fortis-Aktionär und kann nun seinen Präsidenten Louis Cheung in den Vorstand entsenden. Finanzdienstleister Fortis ist Vorbild für Ping An – den Chinesen mangelt es noch an Erfahrung auf den internationalen Finanzmärkten, sie sind darum vor allem an Management-Know-how interessiert.

Es ist noch nicht lange her, da war das Bild genau umgekehrt. Nachdem China sich im Zuge des Beitritts zur Welthandelsorganisation 2001 bereit erklärt hatte, seinen Finanzsektor für ausländische Anbieter zu öffnen, drängten Institute wie die Deutsche Bank, Bank of America oder die Royal Bank of Scotland mit Macht ins Reich der Mitte.

Kaum eine internationale Großbank, die in den vergangenen Jahren nicht versucht hätte, über Beteiligungen an chinesischen Finanzhäusern ins Geschäft zu kommen. So ist die Deutsche Bank mit zehn Prozent bei der Huaxia Bank eingestiegen. Für die Chinesen verlief die Zusammenarbeit oft enttäuschend. Die Ausländer hätten wenig versprochen und noch weniger geliefert, berichten Beteiligte. Von den Kooperationen mit Ausländern hatten sich die chinesischen Finanzhäuser vor allem den Zugang zu internationalem Expertenwissen erhofft, etwa beim Risikomanagement.

Nun werden die chinesischen Finanzhäuser - viele sind mehrheitlich in staatlicher Hand - selbst aktiv. Die Regierung in Peking beobachtet das Treiben der Finanzhäuser mit Wohlwollen, ohne ihre internationale Expansion gezielt zu steuern. „Es gibt in Peking nicht den großen Masterplan zur breit angelegten Eroberung der internationalen Märkte“, sagt Ivo Naumann, Bankenexperte der Beratungsgesellschaft AlixPartners in Shanghai. Vielmehr sehen Experten wie SIBFI-Chef Löchel die Expansion als erste Gehversuche. „Sie wollen lernen und sehen, wie man sich im Vergleich zu großen internationalen Häusern positionieren kann“.

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