Staatsschuldenkrise: Vom allergnädigsten Zutrauen in Banker

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Die Staatsschuldenkrise nimmt kein Ende. Investoren müssen überzeugt werden, dass ein Staat willens und in der Lage ist, über viele Jahre nicht mehr auszugeben, als er einnimmt.

Kolumne von Oliver Engelmann

In der Eurokrise funktioniert das alte Rezept nicht mehr, dass der Souverän den Bankiers gnädiger weise gestattet, ihm aus der Patsche zu helfen. Auch Eurobonds und Kaufprogramme führen nicht weiter. Heute müssen Investoren davon überzeugt werden, dass ein Staat willens und in der Lage ist, über viele Jahre nicht mehr auszugeben, als er einnimmt.

Sich zum Geburtstag Bücher zu wünschen, setzt ein gesundes Selbstbewusstsein voraus. Gewiss: Viele Gratulanten erfreuen einen mit harmlosen Titeln von der Bestsellerliste eines landesweit erscheinenden Nachrichtenmagazins. Andere hingegen nutzen zwar auch einen Spiegel, sie halten einem den aber vor und schenken Bücher, deren Titel und Inhalt durch die Blume einen dezenten Hinweis auf mögliche körperliche, geistige oder sittliche Defizite des Jubilars geben sollen.

So schenkte mir ein lieber Freund in diesem Jahr Ulf Hennings Sportroman "Dicker Mann auf dünnen Reifen", ein autobiographisches Werk, im Klappentext als "stets heiteres, oft entlarvendes, immer wieder saukomisches Sittengemälde einer wundersamen Parallelwelt voller entfesselter, notorisch unterzuckerter Jedermänner auf der Flucht vor dem Besenwagen" beschrieben - in Bezug auf mich ein einziger Wink mit dem Zaunpfahl. Lassen Sie sich nicht von dem auf dieser Webseite veröffentlichten Foto in die Irre führen, es schmeichelt mir! Auch ich könnte problemlos als "Dicker Mann auf dünnen Reifen" durchgehen.

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Geachtete "Bankherren"

Ein anderer Freund überraschte mich mit einem Buch über "Frankfurter Bankherren". Erstmalig 1956 im Fritz Knapp Verlag erschienen beschreibt der Autor Erich Achterberg darin berühmte Dynastien Frankfurter Bankiers, die sich durch ihr gesellschaftliches Engagement in den Olymp ihrer Gilde katapultiert haben.

"Ein Bankherr ist gewöhnlich eine Persönlichkeit, die auch außerhalb des Berufes ein "Herr" ist, eine Figur der Repräsentation.", so heißt es in Achterbergs Einleitung - ein schöner Beleg für den ironischen Geist, den jener Gratulant bei der Auswahl seines Geschenkes sich frei entfalten ließ.

Denn weder ist man als "Banker" moderner Prägung überhaupt "Bankier", noch kann man in jemand, der wie ich samstags im Turnanzug aus Ballonseide über die Konstablerwache schlendert, "eine Persönlichkeit, die auch außerhalb des Berufes ein "Herr" ist", geschweige denn "eine Figur der Repräsentation" erkennen. Doch obwohl mich schon die Einleitung jenes kleinen Bandes über die berühmten und geachteten Bankiers in der Geschichte meiner Heimatstadt reichlich deprimierte, sollte sich Achterbergs Buch schlussendlich doch noch als unschätzbar wertvolles Juwel entpuppen. Denn nichts hilft einem mehr dabei, die Gegenwart zu verstehen, als der Blick in die Vergangenheit.

Staatsbankrotte kommen wie Ebbe und Flut

Wer die Geschichte der Bethmanns, Haucks, Metzlers und Rothschilds studiert, der erkennt, dass der Staatsbankrott ein Übel mit langer Tradition ist. Bei seinem Rückblick auf über 300 Jahre Bankgeschäft am Platz Frankfurt weiß Erich Achterberg von so mancher Staatsanleihe zu berichten, die von den Gläubigern am Ende abgeschrieben werden musste.

Im Zusammenhang damit fördert Achterberg auch eine Perle sprachlicher Formulierungskunst zu Tage, die wie keine andere die getrübte Wahrnehmung manches Potentaten vergangener Tage trefflich illustriert. So erklärte die österreichische Kaiserin Maria Theresia aus Anlass einer Darlehensvergabe durch ein Frankfurter Bankhaus in einer Schuldurkunde aus dem Jahre 1779: "Wir haben in die Gebrüder Bethmann in Frankfurt am Main unser allergnädigstes Zutrauen (sic!) gesetzt und sie bevollmächtigt, eine Summe von fünfmal 100.000 Gulden allda für unsere Rechnung aufzunehmen."

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