Staatsunternehmen: Deutsche Investoren kommen in Polen nicht zum Zug

Staatsunternehmen: Deutsche Investoren kommen in Polen nicht zum Zug

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Polens Präsident Elect Bronislaw Komorowski und Premierminister Donald Tusk: Im Ausland kursiert ein Missverständnis

von Florian Willershausen

Polen will 800 Staatsunternehmen zu Geld machen. Doch ausländische Investoren hoffen vergeblich auf ein Geschäft.

Eigentlich kann in Polen nicht viel schiefgehen, dachte Waldemar Preussner. Er ist Gründer und Verwaltungsratschef der Duisburger PCC-Gruppe, eines Chemie-, Energie- und Logistikunternehmens, das in mehr als 70 Tochtergesellschaften und zwölf Ländern insgesamt 2200 Mitarbeiter beschäftigt. Auch in Polen hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren viele Millionen investiert und Hunderte Arbeitsplätze geschaffen. Polen ist für PCC der größte Chemiestandort, die Tochter Rokita im niederschlesischen Brzeg Dolny gilt als Musterbeispiel für eine erfolgreiche Sanierung. Preussner selbst kennt sich in Polen aus, spricht die Sprache, die Menschen vertrauen ihm. Als Investor sei er willkommen – dachte er.

Umso größer die Überraschung: Einen dreistelligen Millionenbetrag, heißt es, hatte die Gruppe für zwei mehr oder weniger marode Chemiefabriken ge‧boten; die Übernahmen sollten die Expansion von PCC vorantreiben. Doch die staatliche Muttergesellschaft Nafta Polska brach die Verhandlungen ab. „Wir konnten uns nicht über die Verkaufsmodalitäten einigen“, erklärt Preussner. Dem Polen-Kenner geht es wie vielen anderen, die auf Europas‧größter Privatisierungswelle mitreiten wollten: Er scheiterte.

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Dabei hatte Polens Premierminister Donald Tusk gerade auch bei ausländischen Investoren hohe Erwartungen geschürt, als er im November 2007 sein Amt antrat: Die letzten sozialistischen Zöpfe wollte er abschneiden, in seiner Regierungserklärung kündigte er die „radikale Beschleunigung der Privatisierungen“ an. Quer durch die Branchen sollten 800 Staatsbetriebe unter den Hammer kommen, um den mit 20 Prozent für Europa ungewöhnlich hohen Staatsanteil am Bruttoinlandsprodukt zu reduzieren.

Polens Entstaatlichung gerät zur Frace

Doch Polens Entstaatlichung gerät zur Farce: Staatsunternehmen steigen bei Staatsunternehmen ein, Auktionen scheitern an absurden Preisvorstellungen, andere platzen, weil der einzige Bieter nicht aus Polen kommt. „Ziel der Privatisierungen sollte es sein, die Unternehmen fit für den globalen Wettbewerb zu machen“, sagt Magdalena Zeprzalka von Poland Consulting Services, „doch ich habe den Eindruck, unsere Regierung schaut in erster Linie auf die Erlöse.“

Die Enttäuschung ist groß, vor allem bei deutschen Interessenten. Genervt brachen viele ihre Expansion im Nachbarland ab: Im Herbst vergangenen Jahres zog der Essener Energiekonzern RWE sein vorläufiges Angebot für die polnische Enea zurück. Deren Minderheitsaktionär Vattenfall ist zwar noch im Rennen, doch in Warschau rechnet jeder damit, dass Polens Staatskonzern PGE den Zuschlag bekommt, dessen Privatisierung immer wieder verschoben wird.

Den Verkauf der Fluggesellschaft Lot hat die Regierung auf das nächste Jahr verschoben. Offiziell lautet die Begründung, die verlustreiche Airline solle zunächst saniert werden. Dabei hatte sich mit der Lufthansa ein Interessent aus dem Lager der „Star Alliance“ gemeldet – jenem Bündnis, dem auch die Lot angehört. Die Verzögerung der Auktion trifft auch Turkish Airlines, die mit der polnischen Linie ihre Europa-Expansion fortsetzen möchte. Vorige Woche bekräftigte Konzernchef Temel Kotil: „Ich möchte Lot kaufen.“ Darauf kann er wohl lange warten.

Verwirrung stiftete jüngst auch die Warschauer Börse: Ursprünglich war der Verkauf für dieses Jahr geplant, dann wurde er abgesagt. Die Frankfurter Börse hatte Interesse angemeldet. Dann aber schlossen die Warschauer eine „strategische Partnerschaft“ mit NYSE Euronext. Inzwischen ist von einem Börsengang im November die Rede.

Einzige Erfolgsmeldung dieser Tage: Der Gothaer Versicherung glückte die Übernahme eines 45-prozentigen Anteils am finanzschwachen polnischen Schadensversicherer PTU. Nun verhandeln die Kölner mit den beiden verbliebenen Großaktionären Techwell und Polish Re, um bald die Mehrheit zu übernehmen.

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