Standard & Poor's-Chef Hinrichs: "Wir halten uns strikt an Kriterien"

Standard & Poor's-Chef Hinrichs: "Wir halten uns strikt an Kriterien"

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Torsten Hinrichs

Der S&P-Chef über die Griechenland-Umschuldung und die Kritik der Politik an den Ratingagenturen.

WirtschaftsWoche: Herr Hinrichs, sind Ratingagenturen in der Schuldenkrise so kritisch, weil sie vor der Finanzkrise zu milde geurteilt haben?

Hinrichs: Nein. Wir halten uns strikt an unsere Ratingkriterien und schauen, ob Investoren durch ein Umschuldungsangebot schlechter gestellt werden als bisher. Die Kriterien werden oft als Black Box dargestellt. Sie sind aber mit zwei Klicks auf unsere Web-Page zugänglich, und zwar nicht erst seit gestern, sondern schon seit Jahren. Nach diesen Kriterien gehen wir vor. Wir behandeln Griechenland wie jedes andere Land auch.

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Sie haben gesagt, dass Sie eine Laufzeitverlängerung griechischer Schulden auf 30 Jahre als „Default“, als Zahlungsausfall, einstufen würden. Ist S&P schuld, wenn es nicht zu einer Beteiligung von Banken und Investoren an den Griechenland-Hilfen kommen wird, die Steuerzahler also alles allein schultern müssen?

Die Beteiligung des privaten Sektors, ohne dass ein Default erklärt wird, ist eine politische Forderung. Es ist jedoch nicht Aufgabe von S&P, solche Erwartungen, ob politisch oder anders motiviert, zu erfüllen. Wir sind sogar regulatorisch dazu verpflichtet, unsere Ratingkriterien konsequent einzusetzen.

Sitzen Sie bei den politischen Gesprächen über die Staatsschuldenkrise mit am Tisch?

Es gibt keine Verhandlungen mit der Politik. Wir kommentieren Vorschläge, die öffentlich diskutiert werden. Damit -wollen wir transparent machen, wie wir reagieren würden. Wir haben noch nie beraten, es ist aufsichtsrechtlich auch verboten.

Haben Sie nicht Emittenten von strukturierten Hypotheken gesagt, was sie tun müssen, um ein A-Rating zu bekommen?

Nein. Die Emittenten haben uns die Strukturen, nach denen sie Tranchen zusammensetzen wollten, präsentiert. Dann haben wir gesagt, wie wir das bewerten würden.

Das ist Beratung.

Das ist das Schaffen von Transparenz. Wir haben nie aktiv Hinweise gegeben oder an Strukturierungen mitgearbeitet.

Die deutsche Politik schlägt derzeit auf Sie ein. Wie gehen Sie damit um?

Wir erklären, was ein Rating ist, wozu es geeignet ist und wozu nicht. Ein Rating ist keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung, sondern nur eine Einschätzung über die Fähigkeit des Schuldners, Zinsen und Tilgung vollständig und pünktlich zu bedienen. Mehr nicht.

Warum ist Griechenland dann immer noch nicht auf „Default“ eingestuft? Die Renditen zeigen, dass an den Märkten jeder glaubt, Griechenland sei faktisch pleite.

Die Renditen sind nicht unser Thema. Für uns ist es auch egal, wer für Griechenland zahlt. Solange das Land seine Schulden bedient, ist es zahlungsfähig.

Haben Ratingagenturen zu viel Macht?

S&P hat nie darum gebeten, als der alleinige Maßstab zu gelten. Ganz im Gegenteil. Wir haben uns sogar dagegen ausgesprochen, dass Ratings als Bemessungsgrundlage für Eigenkapitalvorschriften verwendet werden.

Warum sind so viele Anläufe zur Gründung einer europäischen Ratingagentur gescheitert?

Initiatoren haben sich meist auf eine Nische beschränkt, in Deutschland etwa auf den Mittelstand. Doch Investoren brauchen einen global einheitlichen Maßstab. Ein A-Rating muss in Europa das Gleiche bedeuten wie in den USA. Wie jede neue Ratingagentur wird auch eine europäische Agentur erst mal zeigen müssen, dass sie unabhängig, auch von politischen Einflüssen, agiert.

Und bis dahin dominiert auch in Europa weiter die angelsächsische Sicht der Finanzmärkte?

Ob Sie eine angelsächsisch geprägte Analyse oder das gute alte Handelsgesetzbuch heranziehen, ist egal. Was am Ende beim Rating rauskommt, ist entscheidend: Mit welcher Wahrscheinlichkeit erhält der Anleger sein Geld zurück?

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