Stefan Schilbe: "Höhere Zinsen sind verkraftbar"

Stefan Schilbe: "Höhere Zinsen sind verkraftbar"

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Stefan Schilbe

von Bert Losse

Der Ökonom sagt zwei weitere Leitzinserhöhungen für das Jahr 2011 voraus. Dies sei generell verkraftbar, doch einige Länder bekommen durch die EZB-Strategie schon jetzt Probleme.

WirtschaftsWoche: Herr Schilbe, am 5. Mai berät die Europäische Zentralbank (EZB) erneut über die Leitzinsen in der Euro-Zone. Steht eine weitere Erhöhung bevor?

Schilbe: Das halte ich – zumindest kurzfristig – für unwahrscheinlich. Die EZB wird zunächst die jüngste Erhöhung wirken lassen. Spätestens im Juli aber dürfte es weiter nach oben gehen. Einen weiteren Zinsschritt erwarte ich für September oder Oktober. Am Ende des Jahres dürfte der Leitzins bei 1,75 Prozent liegen.

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Teilen Sie die Kritik mancher Ökonomen, die Zentralbank habe die Zinswende zu früh eingeleitet – und gefährde den Aufschwung in Europa?

Die EZB-Strategie ist nicht ohne Risiken, gerade für Staaten mit hohen Staatsschulden wie Belgien oder Italien, deren Schuldendienst sich nun verteuert. Problematisch sind höhere Leitzinsen auch für Staaten wie zum Beispiel Spanien, in denen die Hypothekenzinsen meist variabel sind. Dort könnten Hausbesitzer in Schwierigkeiten kommen. Trotzdem sind moderat steigende Leitzinsen unter dem Strich konjunkturell verkraftbar – und für die EZB auch eine Frage der Glaubwürdigkeit.

Was meinen Sie damit?

Die EZB ist tief enttäuscht, dass die EU den Stabilitätspakt nicht deutlich verschärft hat. Sie hat ein klares Warnsignal an die Krisenstaaten der Euro-Zone ausgesandt, fiskalpolitische Reformen nicht zu verschleppen. Die Botschaft lautet: Wir sind nicht bereit, euch auf Dauer rauszupauken. Natürlich war die Zinserhöhung auch eine Reaktion auf die gestiegenen Inflationserwartungen an den Märkten.

Teilen Sie die aktuellen Inflationsängste?

Wir müssen das im Blick haben, ich warne aber vor Hysterie. Aus den aktuellen Geldmengenaggregaten lassen sich derzeit keine massiven Inflationsgefahren ableiten. Die Kredite an Unternehmen und Privathaushalte wachsen mit einer Rate von 2,5 Prozent, dies ist real wenig. Und die Preise an den Rohstoffmärkten sind erheblich spekulationsgetrieben. Wenn sich die Lage im Nahen Osten stabilisiert, kann der Ölpreis wieder auf 90 Dollar sinken.

Sehen Sie die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale?

Im Euro-Raum noch nicht, hier liegen die Tariflöhne aktuell nur um 1,4 Prozent über Vorjahr. In Deutschland ist die Gefahr allerdings größer – vor allem wenn es 2012 in der Metall-Tarifrunde zu einem Lohnsprung kommt.

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