Steigende Preise: Regierung bekommt die Inflation nicht in den Griff

Steigende Preise: Regierung bekommt die Inflation nicht in den Griff

Bild vergrößern

Die Nahrungsmittelpreise in China sind um elf Prozent gestiegen

von Matthias Kamp

Die Preise für die Verbraucher rasen in die Höhe. Chinas Führung bekommt die Inflation, die größte Gefahr für die weitere Entwicklung des Landes, nicht in den Griff.

Schweinefleisch süß-sauer gehört zu einem zünftigen chinesischen Abendessen wie das Schnitzel zu einem deutschen. Doch in jüngster Zeit stößt den Chinesen ihr Traditionsgericht sauer auf: Um satte 57 Prozent ist der Preis für Schweinefleisch zuletzt gestiegen.

Auch für viele andere Produkte müssen die Verbraucher tiefer in die Tasche greifen. Im Juni hat die Inflationsrate in China mit 6,4 Prozent den höchsten Stand seit drei Jahren erreicht. Lebensmittel verteuerten sich im Vergleich zum Vorjahresmonat sogar um elf Prozent. Im Juli dürfte sich der Preisauftrieb weiter beschleunigt haben. Die Regierung in Peking hat bereits eingeräumt, dass sie ihr Ziel von vier Prozent Inflation im Jahresdurchschnitt wohl verfehlen wird.

Anzeige

Der Anstieg der Preise sei für die Verbraucher eine erhebliche Belastung und verweigere den Konsumenten die Partizipation am chinesischen Wirtschaftswachstum, warnt Nord/LB-Analyst Frederik Kunze. Chinas kommunistische Führung ist denn auch in höchster Alarmbereitschaft. Sie fürchtet soziale Unruhen, war es doch im Unruhejahr 1989 auch der rasante Preisauftrieb, der die Demonstranten auf den Platz des Himmlischen Friedens in Peking trieb.

Währungshüter ziehen alle Register

Um den Preisauftrieb zu bremsen, ziehen Chinas Währungshüter nun alle Register. Fünf Mal hat die Zentralbank seit Oktober vergangenen Jahres die Leitzinsen angehoben. Sollten die Verbraucherpreise im Juli und August ähnlich stark steigen wie im Juni, rechnen viele Analysten mit einer weiteren Zinserhöhung im Herbst. Neun Mal erhöhte die Zentralbank zudem die Mindestreservesätze für Geschäftsbanken, um Liquidität abzuschöpfen. Darüber hinaus haben die Währungshüter die nationale Währung Yuan in den vergangenen Monaten schrittweise aufwerten lassen, was Chinas Importe verbilligt.

Chinas Premierminister Wen Jiabao, selbst ernannter Anwalt der kleinen Leute, verspricht derzeit bei Besuchen auf Bauernhöfen oder Gemüsemärkten, er werde die Inflation um jeden Preis eindämmen. Neben den Finanzierungsproblemen kleiner und mittlerer Unternehmen sei die anhaltende Teuerung der „größte Widerspruch innerhalb der chinesischen Wirtschaft“, erklärt der Regierungschef in feinster Parteisprache. Die Regierung werde die Preise stabilisieren, die „unvernünftige“ Nachfrage nach Immobilien deckeln – und die Versorgung mit ausreichend Schweinefleisch sichern. All das versprechen Chinas Herrscher ihrem Volk allerdings schon seit mehr als einem Jahr. Die Maßnahmen greifen nicht, weil die Inflation im Land nicht mehr nur konjunkturell, sondern zunehmend strukturell bedingt ist. So steigen etwa die Fabriklöhne in den Küstenregionen mit Raten von 20 Prozent und mehr.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%