Steinmeier fordert mehr Engagement: Obama warnt vor Ebola-Hysterie

Steinmeier fordert mehr Engagement: Obama warnt vor Ebola-Hysterie

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Ein Freiwilliger bekommt in Bamako, Mali, eine Impfung mit einem experimentellen Ebola-Impfstoff. Deutschland will sich an der Erprobung eines Impfstoffs eines kanadischen Herstellers beteiligen.

Angesichts der Ebola-Epidemie in Westafrika melden sich mehr und mehr westliche Politiker zu Wort. US-Präsident Obama ermahnt die Amerikaner, nicht in Hysterie zu verfallen.

Angesichts von drei bekannten Ebola-Fällen in den USA warnt Präsident Barack Obama vor Hysterie. In den Vereinigten Staaten handele es sich nicht um eine Epidemie, sagte er in seiner wöchentlichen Video-Ansprache am Samstag. In der Karibik erregte ein amerikanisches Kreuzfahrtschiff Aufsehen: An Bord befindet sich eine Frau, die als Laborleiterin in einem Krankenhaus in Texas mit Ebola-Proben in Kontakt gekommen sein soll. Aus Furcht vor der Seuche durfte das Schiff zwei Karibik-Häfen nicht anlaufen.

Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) forderte ein stärkeres Engagement der Weltgemeinschaft im Einsatz gegen die Seuche in Westafrika. „Wir alle haben Ebola unterschätzt. Heute wissen wir, dass wir mit jedem Tag, der ohne konsequentes Handeln vergeht, Gefahr laufen, den Kampf gegen Ebola zu verlieren“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Der Ebola-Beauftragte der Bundesregierung, Walter Lindner, sagte dem Blatt, die Hilfe laufe nun an, „spät sicherlich, aber nun von vielen Seiten“.

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Deutschland entwickelt offenbar Ebola-Spezialflugzeug

Wie das Blatt weiter berichtet, lässt die Bundesregierung angesichts des schwierigen Transports von Ebola-Patienten ein Spezialflugzeug entwickeln. Dieser Vorschlag des Auswärtigen Amtes sei in einer Staatssekretärsrunde am 19. September vereinbart worden, berichtete die Zeitung vorab. Bis Mitte November sollten solche Flugzeuge zur Verfügung stehen. Hintergrund ist, dass dann die ersten freiwilligen Helfer aus Deutschland in die von Ebola betroffenen Länder in Westafrika aufbrechen sollen. Den Auftrag, ein solches Flugzeug bereitzustellen, habe die Lufthansa erhalten.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von Leyen (CDU) hatte in den vergangenen Wochen eingeräumt, dass die Bundeswehr - wie nach FAS-Angaben auch allen anderen EU-Staaten - nicht über ein solches Spezialflugzeug zur Evakuierung hoch ansteckender Patienten verfügt. Die nun geplante eigens ausgerüstete Transportmaschine wäre ein Prototyp, der auch von anderen Ländern übernommen werden könnte. Bisher gehörten die weltweit einzigen beiden Flugzeuge, die für einen Transport schwer erkrankter Ebola-Patienten ausgerüstet sind, der amerikanischen Firma Phoenix Air mit Sitz in Georgia. Die Spezialflugzeuge würden von Regierungen über das US-Außenministerium gemietet. Sie seien auch für Flüge hochinfektiöser Erkrankter nach Deutschland eingesetzt worden.

Das ist das Ebola-Virus

  • Das Virus

    Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es löst ein sogenanntes hämorrhagisches, das heißt mit starken Blutungen einhergehendes, Fieber aus.

  • Sterblichkeit

    Je nach Erregerstamm sterben laut Angaben der WHO 25 bis 90 Prozent der Patienten an einer Ebola-Erkrankung. Trotz intensiver Forschung ist noch kein Heilmittel auf dem Markt, Impfstoffe sind in der Testphase.

  • Der Übertragungsweg

    Seinen Ursprung hat das Virus im Tierreich. Menschen können sich über den Kontakt zu erkrankten Tieren infizieren, unter anderem Affen oder Flughunde. Von Mensch zu Mensch überträgt sich die Krankheit durch Blut und andere Körperflüssigkeiten.

  • Die Krankheit

    Die Inkubationszeit beträgt nach WHO-Angaben zwei Tage bis drei Wochen. Dann setzen Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Schwächegefühl und Halsschmerzen ein. Später gehen Nieren- und Leberfunktion zurück, auch andere Organe werden geschädigt. Es können schwere innere Blutungen auftreten. Erst wenn die Symptome auftreten, sind Infizierte ansteckend.

  • Die Gefahrenzone

    Ebola kommt vor allem nahe des afrikanischen Regenwaldes vor. Zum ersten Mal wurde das Virus 1976 im damaligen Zaire, der heutigen Demokratischen Republik Kongo, nahe dem Ebola-Fluss nachgewiesen. Daher hat die Krankheit ihren Namen.

    Laut aktuellen Zahlen der WHO (Stand: 14. November 2014) sind seit dem aktuellen Ausbruch mehr als 14.400 Ebola-Fälle bekanntgeworden, die meisten in Liberia und Sierra Leone. Fast 5200 Menschen haben das Virus nicht überlebt.

Erstmals in Frankreich wurden Flugpassagiere am Samstag auf Ebola kontrolliert. Am Charles-de-Gaulle-Flughafen in Paris mussten sich Reisende bei der Ankunft aus Guinea einer Fiebermessung unterziehen. Auch in London gibt es solche Kontrollen.

Großbritanniens Premierminister David Cameron verlangte von der Europäischen Union (EU), die Finanzmittel im Kampf gegen Ebola auf eine Milliarde Euro zu erhöhen. „Es muss noch viel mehr getan werden“, schrieb Cameron in einem Brief an EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und die EU-Regierungschefs. Auf dem bevorstehenden EU-Gipfel in Brüssel in der nächsten Woche müsse ein „ehrgeiziges Unterstützungspaket“ beschlossen werden. Die EU und ihre Mitgliedsstaaten haben bisher 450 Millionen Euro zur Bekämpfung der Krankheit in den westafrikanischen Krisenländern bereitgestellt.

Obama ermahnte die Amerikaner, angesichts des lebensgefährlichen Ebola-Virus' nicht in Angst oder Hysterie zu verfallen. Jedes Jahr stürben Tausende Amerikaner an der Grippe. In den USA gehe es um lediglich drei bekannte Fälle bei mehr als 300 Millionen Einwohnern. „Wir müssen das in der richtigen Perspektive sehen“, appellierte der Präsident.

Kreuzfahrtschiff soll in den USA anlegen

In den USA haben sich zwei Krankenschwestern mit Ebola angesteckt. Beide sollen sich in einer Klinik in Dallas bei der Versorgung eines aus Liberia eingereisten Mannes infiziert haben. Der Mann starb am 8. Oktober.

In der texanischen Hafenstadt Galveston soll an diesem Sonntag das US-Schiff „Carnival Magic“ eintreffen. Es hatte weder in Belize noch auf der mexikanischen Insel Cozumel eine Anlegeerlaubnis bekommen. Das Unternehmen Carnival Cruise Lines orderte daher die Rückfahrt in die USA an. Die Kreuzfahrtgesellschaft teilte am Freitag (Ortszeit) mit, die Laborbeschäftigte an Bord stelle keine Gefahr für Passagiere und Besatzung dar. Sie sei 19 Tage zuvor zuletzt in dem Labor tätig gewesen und zeige keinerlei Symptome. Sie bleibe in freiwilliger Quarantäne. Die „Carnival Magic“ bietet Platz für rund 5000 Passagiere und Besatzungsmitglieder.

US-Präsident Obama: „Wir müssen das in der richtigen Perspektive sehen.“ Quelle: AP

US-Präsident Obama: „Wir müssen das in der richtigen Perspektive sehen.“

Bild: AP

Obama sagte zu den Diskussionen über ein mögliches Flugverbot für Reisende aus den von Ebola betroffenen Ländern, die USA könnten sich nicht einfach von Westafrika abschneiden. Die Vereinigten Staaten würden die globalen Bemühungen im Kampf gegen den Virus in Liberia, Sierra Leone und Guinea weiter anführen, um die Krankheit an ihrer Quelle zu stoppen.

In den drei westafrikanischen Ländern starben nach offiziellen Zahlen bisher mindestens 4546 Menschen an der Seuche. In weltweit bisher sieben betroffenen Ländern wurden laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) bis zum 14. Oktober 4555 Ebola-Tote registriert.

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