Stephen King: "Zulasten anderer"

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InterviewStephen King: "Zulasten anderer"

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HSBC-Chefvolkswirt Stephen King hält den Zusammenbruch des Yen für unwahrscheinlich, aber hochriskant

von Saskia Littmann

Der HSBC-Chefvolkswirt erklärt, welche fatalen Folgen Abenomics für die Weltwirtschaft haben könnten.

WirtschaftsWoche: Herr King, Japan unternimmt ein außergewöhnliches Experiment. Unter dem Decknamen „Abenomics“ hat Ministerpräsident Shinzo Abe die Notenpresse angeworfen, um mithilfe einer ultra-expansiven Geldpolitik die langjährige Stagnation zu beenden. Taugt das Modell als Vorbild für andere wachstumsschwache Volkswirtschaften?

King: Die Beispiele der USA oder Großbritanniens zeigen, dass eine derart lockere Geldpolitik sich zwar positiv auf die Finanzmärkte auswirkt. Was das Wachstum angeht, blieben die Resultate bisher aber weit hinter den Erwartungen zurück. Deshalb wäre es hochgefährlich, derart große Hoffnungen in Abenomics zu stecken. Denn die bisherigen Maßnahmen ignorieren die eigentlichen Ursachen für das fehlende Wachstum in Japan.

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Deshalb hat Abe neben den geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen auch strukturelle Reformen angekündigt. Wo besteht der größte Handlungsbedarf?

Zum einen lastet das demografische Problem weiter auf Japan. Die Bevölkerung ist überaltert, zu wenig Erwerbstätige müssen für zu viele Alte sorgen. Eigentlich bräuchte Japan also mehr Einwanderer, öffnet sich aber dafür nicht genug nach außen. Zudem muss der Arbeitsmarkt dringend reformiert werden, denn aufgrund der höheren Lohnkosten investieren japanische Unternehmen lieber in China oder Indonesien anstatt zu Hause. Auch die Anhebung des Rentenalters ist dringend notwendig.

Ein Ziel ist auch, die Inflation auf zwei Prozent zu heben. Wird das klappen?

Wir erwarten für das kommende Jahr eine Inflationsrate von etwa 0,7 Prozent, also erstmals seit Langem eine leichte Preissteigerung. Aber ich glaube nicht, dass Inflation allein ausreicht, um Japan wieder auf einen Wachstumspfad zu bringen.

Japan Experiment in Echtzeit

Japans Regierungschef Shinzo Abe festigt seine Machtbasis mit dem Sieg bei der Oberhaus. Doch seine Strategie und sein ökonomischer Nationalismus bergen enorme Risiken.

Die Japaner kaufen wieder ein, bevor es teuer wird Quelle: Laif

Wo liegt das Problem?

Zurzeit wertet der Yen aufgrund der steigenden Geldmenge immer weiter ab. Zwar profitieren die Exporteure, aber die Mehrheit der kleinen und mittleren Unternehmen dürfte langfristig vor allem unter den hohen Importpreisen leiden. Da bliebe für Lohnerhöhungen kein Spielraum. Steigen dann noch die Preise, sinken am Ende die Reallöhne. Der Traum von Wachstum wäre damit vorbei.

Zumindest die Binnennachfrage würde dann ausfallen. Aber große Unternehmen wie Toyota müssten doch gewaltig vom schwachen Yen profitieren.

Das schon. Aber wenn gleichzeitig die Binnennachfrage ausfällt, steigen zwar die Exporte, aber die Importe gehen weiter zurück, und Japan kann einen noch größeren Überschuss in der Leistungsbilanz anhäufen. Mit den niedrigen Wechselkursen kauft sich Japan Wettbewerbsvorteile, das dürfte die weltweite Konkurrenz nicht lange mitmachen.

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