
Es herrscht Alarmstimmung. Die Renditen, die Spanien für länger laufende Anleihen bieten muss, sind zwischenzeitlich über sieben Prozent gestiegen, die von Italien in die Nähe dieser Marke. Das wird gemeinhin als für die betroffenen Regierungen nicht finanzierbar bezeichnet, weshalb die Politik fieberhaft nach einer Lösung sucht. Diese Panik ruft bei einigen, die sich an die Zeit vor der Währungsunion erinnern, ziemliches Erstaunen hervor.
Waren die Zinsen, die die Südländer auf ihre Staatsschuld entrichten mussten, nicht früher mindestens ebenso hoch? Das gilt selbst, wenn man die ehemals höhere Inflationsrate abzieht und den sogenannten Realzins betrachtet, auf den es eigentlich ankommt. Selbst Länder wie Deutschland hatten immer wieder Realzinsen von fünf Prozent, ohne dass die Katastrophe ausbrach. Alles nur Panikmache? Nein.
Der große Unterschied ist die Währungsunion, also die Tatsache, dass die Staaten heute keine eigene Währung mehr haben. Das ändert alles.
Früher waren tendenziell die Zinsen hoch, wenn die Wirtschaft gut lief und gingen zurück, wenn die Wirtschaft schlecht lief. Auf diese Weise fiel die Zinsbelastung des Staates, wenn seine Einnahmen konjunkturbedingt fielen.
Heute ist es eher umgekehrt. Wenn die Wirtschaft Spaniens schlecht läuft, wie derzeit, hat das keine nennenswerten direkten Auswirkungen auf die in Frankfurt von der Europäischen Zentralbank für alle Länder beschlossene Geldpolitik. Aber die Einnahmen der Regierung sinken, was die Anleihegläubiger nervös macht und die Ratingagenturen zu einer Absenkung der Bonitätsnoten animiert. Die Zinsen, die die Regierung bieten muss, steigen, und damit ihr Defizit. Wenn sie versucht das Defizit durch Ausgabenkürzung einzudämmen, belastet das die Konjunktur weiter - ein Teufelskreis.
Spanien steht trotz der weit geringeren Staatsverschuldung noch schlechter da als Italien, weil das Land insgesamt in hohem Maße im Ausland verschuldet ist. Fast eine volle Jahreswirtschaftsleistung beträgt die Nettoauslandsverschuldung von Staat, Haushalten und Unternehmen. Wenn sie höhere Zinsen zahlen müssen, fließt dieses Geld in hohem Maße ins Ausland ab, was der Wirtschaft Kaufkraft entzieht und das Problem noch größer werden lässt.
Zwar kann es Zahlungsbilanzkrisen auch in Ländern mit eigener Währung geben. Aber bei einem Land ohne eigene Währung wissen die Finanzmarktteilnehmer schon wenn die Dynamik in Gang kommt, dass es keine automatischen Korrekturmechanismen gibt, sondern nur negative Rückkopplungen. Sie positionieren sich entsprechend und spekulieren auf die Zuspitzung der Krise, womit sie diese dann beschleunigen und verschärfen.
















