Studie: Investieren in Krisenregionen

Studie: Investieren in Krisenregionen

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Ein sowjetischer Panzer in Tiraspol (Moldawien), der Hauptstadt der Region Transnistrien, auf einem Sockel vor einem Ehrenmal für die Gefallenen.

von Mark Fehr

Eine neue Studie zeigt: Private Investoren können die Lage in Krisengebieten stabilisieren. Die Deutsche Gesellschaft für auswärtige Politik hat dies in Interviews mit den zuständigen Managern herausgefunden.

Hierzulande dürfte kaum jemand mitbekommen haben, dass in Transnistrien Mitte Dezember ein neues Parlament gewählt wurde. Der Ministaat liegt an der Westgrenze der Ukraine und ist international nicht anerkannt. Die Regierung in Tiraspol schottet ihren Machtbereich mit eigenen Grenztruppen völkerrechtswidrig vom Einfluss Moldawiens ab, zu dessen Territorium das obskure Gebilde eigentlich gehört. Stabilität sieht anders aus.

Weltweit gibt es zahlreiche Gebiete mit politisch umstrittenem Status. Zur Ruhe kommen solche Regionen oft nur, wenn die Politik klare Verhältnisse schafft – so lautet zumindest das Credo der traditionellen Staatslehre. Doch eine neue Studie* stellt diese These nun infrage. „Unternehmerische Tätigkeit ist ein Schlüssel zum Erfolg bei der Stabilisierung von Krisenregionen und Problemstaaten“, schreibt Eberhard Sandschneider, Forschungsdirektor bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in Berlin.

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Gründe für Investitionen

Warum aber investieren Unternehmen in umkämpften Gebieten? Der Binnenmarkt der meisten Krisenregionen ist eher klein, die Sicherheit der Mitarbeiter steht auf dem Spiel, die Produktionskapazitäten sind ständig von Zerstörung oder Enteignung bedroht, die Infrastruktur ist mies, die Rechtssicherheit gering. Trotzdem bauen Unternehmen häufig aus dem Nichts Fabriken oder Vertriebswege auf.

Die Motive dafür sind laut Studie vielfältig. So hoffen einige Investoren, dass sich die Lage früher oder später beruhigt und sie dann die Früchte ihres Engagements ernten können. Andere verfolgen – auch getrieben von der Konkurrenz – den Ehrgeiz, ihre Kunden rund um den Globus zu bedienen. Das gilt etwa für Logistiker, die auch in die entlegensten Gebiete liefern, für Telekommunikationsfirmen, deren Kunden überall erreichbar sein wollen, oder für Banken, die ihren Gläubigern auf dem ganzen Erdball Kontozugriff ermöglichen müssen. Auch spielen niedrige Löhne eine Rolle, welche die Produktion selbst in schwer zugänglichen Gebieten lohnend machen können.

Mehr Güter vor Ort

Die Stabilisierung der Lebensverhältnisse entsteht dabei als Nebeneffekt: Nicht nur die internationale Kernkundschaft profitiert von der Ansiedlung wettbewerbsfähiger Anbieter in Krisenregionen. Auch die Einheimischen kommen plötzlich in den Genuss von Gütern und Diensten, die ihnen weder lokale Unternehmen noch die schwach legitimierten Regierungen bieten können.

Basis dieser Forschungsergebnisse waren vor allem anonymisierte Interviews der DGAP mit Führungskräften, die das Engagement ihrer Unternehmen in Krisenregionen verantworten. Der Vorteil dieser Gespräche: Sie behandelten auch Themen, die mangels Insiderwissen bei der Gestaltung von Fragebögen nicht berücksichtigt werden können.

* Eberhard Sandschneider: Doing Business in Disputed Regions – A Proposal for a New Focus on Private Sector Support for State Building, DGAP, Dezember 2010

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