Südamerika: Brasilien schwingt sich zur Ölmacht auf

Südamerika: Brasilien schwingt sich zur Ölmacht auf

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Investitionen in Prozent im brasilianischen Bruttoinlandsprodukt (Zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken)

Brasilien wird jetzt Ölmacht – und Präsident Lula ist trotz des baldigen Endes seiner Amtszeit gefragt und kann sich über eine große Popularität freuen.

Eigentlich müsste der brasilianische Staatspräsident längst eine lame duck, eine lahme Ente sein: Luiz Inácio Lula da Silva hat nur noch zwei Jahre zu regieren, und die Verfassung verbietet eine Wiederwahl. Normalerweise verlieren Präsidenten dann ihre Macht, weil alle schon nach dem aussichtsreichsten Nachfolger schielen. Doch Lula scheint diesem politischen Schicksal zu entgehen: Der Präsident ist seit Monaten fast täglich auf den Frontseiten der Zeitungen zu sehen. Wenn der 62-Jährige Raffinerien eröffnet oder Schulen einweiht, reist jedes Mal sein halbes Kabinett an. Gouverneure drängeln mit Bürgermeistern, um neben Lula fotografiert zu werden. Minister und Unternehmer als Vorredner preisen Lula über den grünen Klee – bis der ehemalige Gewerkschafter und Arbeiterführer eine seiner donnernden Reden hält: „Endlich hat der liebe Gott beschlossen, sein Quartier in Brasilien aufzuschlagen!“

Nein, Lula ist nicht religiös geworden. Der Mann kann nur sein Glück kaum fassen: In den fünf Jahren seiner Regierungszeit hat sich Brasiliens Wirtschaft rasant entwickelt. Unter dem pragmatischen Linken Lula gelangen dem Amazonasland wirtschaftlich größere Fortschritte als im gesamten halben Jahrhundert zuvor. Jetzt sieht es sich angekommen in der Riege aufstrebender Volkswirtschaften – wie Indien, Russland oder China.

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Aus dem notorisch kriselnden südamerikanischen Riesen wurde nach 2003 ein Ernährer der Welt. Bei Produkten wie Soja, Orangensaft, Kaffee, Rindfleisch und Zucker ist Brasilien heute größter Anbieter auf dem Weltmarkt. Brasilien liefert Rohstoffe für die boomenden Industrien in Fernost. Brasilien ist ein weltweit führender Standorte der internationalen Bergbaubranche. Beim Einsatz von Biotreibstoffen, der Ethanolherstellung und den dafür benötigten Motoren verfügt Brasilien über das weltweit größte Know-how.

Glänzende Zukunft als Ölexporteur

Und jetzt auch noch das: Der staatlich kontrollierte Ölkonzern Petrobras entdeckte gigantische Ölvorkommen im Meer – allein im Fördergebiet Tupi nachweislich fünf bis acht Milliarden Fass. Dank dieser Bonanza würden sich Brasiliens derzeitige Reserven, die zur Selbstversorgung reichen, um die Hälfte erhöhen. Doch die Vorkommen insgesamt dürften weit größer sein: Bei Probebohrungen entlang der Küste unter einer Salzschicht in Tiefen ab 6000 Meter haben die Explorationsteams von Petrobras jedes Mal hochqualitatives Öl und Gas gefunden. Die Chancen stehen gut, dass Brasilien innerhalb der nächsten fünf Jahre zu einem bedeutenden Ölexporteur wird. Es gibt Banken, welche die Vorkommen auf 70 Milliarden Fass schätzen. Damit würde Brasilien mittelfristig in einer Liga mit den großen Ölexporteuren aus Nahost spielen.

Der Ölkonzern Petrobras war deswegen dieses Jahr an der Börse schon höher bewertet als der Softwareriese Microsoft. „Wir wollen in zwölf Jahren der fünftgrößte integrierte Energiekonzern weltweit sein“, sagt Unternehmenschef José Sergio Gabrielli.

Für Lula fallen die unverhofften Milliarden aus dem Ölgeschäft wie ein Geschenk vom Himmel. Auf ihn kommt es jetzt an. Schon in den kommenden Monaten muss er entscheiden, ob Petrobras alleine oder gemeinsam mit privaten Unternehmen zum Zuge kommen wird, ob und welche ausländische Konzerne eine Bohrlizenz erhalten, und welche Finanziers auf Rendite hoffen können; die Schweizer UBS veranschlagt die insgesamt benötigten Investitionen immerhin auf 600 Milliarden Dollar in den nächsten 30 Jahren.

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