Südamerika: Deutschland hat den Boom in Brasilien verpasst

Südamerika: Deutschland hat den Boom in Brasilien verpasst

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Brasilien Präsident Luiz Inacio Lula da Silva

von Alexander Busch

Erst hat die deutsche Politik den Wirtschaftsboom Brasiliens verschlafen, jetzt vergreift sie sich auch zuweilen im Ton.

Deutsche Diplomaten in Brasilien sind dieser Tage merklich gestresst. Sie werden von einer Besuchslawine überrollt: Rund 50 deutsche Wirtschaftsdelegationen werden dieses Jahr in das Amazonasland reisen. Bundesaußenminister Guido Westerwelle war im März da, danach Bildungs- und Forschungsministerin Annette Schavan – und in dieser Woche kommt Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle.

Dass sich gleich drei Minister binnen wenigen Wochen in Brasilien die Klinke in die Hand geben, hat seinen Grund: Berlin hat – spät, aber doch – das enorme Potenzial der führenden Wirtschaftsmacht Lateinamerikas entdeckt. Weitgehend unbeschadet von der Weltkrise setzt Brasilien zu einem wahren Höhenflug an; sieben Prozent könnte das Amazonasland mit seinen 200 Millionen Konsumenten dieses Jahr wachsen – so viel wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr.

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Mit einem milliardenschweren Infrastrukturprogramm will Brasiliens Regierung Flughäfen, Straßen, Häfen, Stromversorgung, Schienenwege und das Telekommunikationsnetz modernisieren. Die Fußballweltmeisterschaft 2014 und die Olympiade 2016 in Rio de Janeiro heizen die Fantasien der Berliner Außenwirtschaftsberater noch zusätzlich an. Selbst für den erfolglosen Transrapid sehen die Deutschen plötzlich noch Hoffnungen: Der Magnetzug könnte zwischen Rio de Janeiro und São Paulo ins Schweben kommen. Die Teststrecke im Emsland wird deswegen nicht jetzt, sondern erst in einem halben Jahr geschlossen. „Brasilien ist für die Politik das neue China“, bringt ein deutscher Diplomat den Enthusiasmus in Berlin auf den Punkt.

Schlicht verschlafen

Doch so richtig neu ist der Boom am Zuckerhut nicht. Bereits seit knapp sieben Jahren erlebt Brasilien ein stabiles Wachstum. Sein Reichtum an Energie und Rohstoffen, der wachsende Wohlstand seiner Mittelschicht, seine weltweit expandierenden Konzerne haben das frühere Krisenland in das Quartett der führenden Schwellenländer aufsteigen lassen. Die sogenannten Bric’s, also Brasilien, Russland, Indien und China, sind derzeit die Wachstumspole der Weltwirtschaft.

Doch sowohl unter Bundeskanzler Gerhard Schröder, der sich mehr für China und Russland interessierte, als auch unter seiner Nachfolgerin Angela Merkel, die es 2008 gerade mal auf der Durchreise für eine Stippvisite nach Brasilien verschlug, hat Berlin den Boom in Südamerika verschlafen. Der mehrtägige Besuch des Bundespräsidenten Köhler vor drei Jahren galt Slum-Schulen und multikulturellen Bibliotheken. Das polierte zwar in der Heimat das Image auf, ging aber im Amazonasland völlig unter – nicht eine Notiz erschien in den brasilianischen Zeitungen über den Besuch des deutschen Präsidenten.

Frankreich engster politischer Partner in Europa

Länder wie Spanien, Frankreich und die Niederlande haben in dieser Zeit Deutschland als den jahrzehntelang zweitwichtigsten Auslandsinvestor verdrängt. China ist nicht nur der führende Handelspartner des Landes. Auch die Investitionen aus dem Reich der Mitte steigen rasant. Frankreich ist heute Brasiliens engster politischer Partner in Europa, nicht mehr Deutschland. Präsident Sarkozy war in seiner Amtszeit rund ein Dutzend Mal in Brasilien – auch medienwirksam mit Gattin Carla Bruni für Ferien am Strand.

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