Südamerika: Harte Abwehrschlacht gegen die Inflation

Südamerika: Harte Abwehrschlacht gegen die Inflation

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Luftaufnahme von Rio des Janeiro

von Alexander Busch

Die steigende Inflation bedroht den Wirtschaftsboom. Die Regierungen der Schwellenländer versuchen, sich mit Protektionismus zu schützen.

In Südamerika geht die Angst vor Inflation um. Betroffen von der Teuerungswelle sind nicht nur Länder wie Venezuela oder Argentinien, deren Regierungen schon länger eine extrem hohe Geldentwertung tolerieren. Der Preisschub hat auch früher preisstabile Staaten wie Brasilien, Kolumbien, Peru, Uruguay und Chile erfasst. Allesamt Länder, die die jüngste Weltwirtschaftskrise erfolgreich gemeistert haben.

Die Inflation kam zurück, obwohl die Regierungen in den vergangenen Jahren ihre Staatshaushalte saniert und die autonomen Zentralbanken es sich zum Ziel gesetzt haben, die Inflation niedrig zu halten. Die umsichtige Finanz- und Geldpolitik trug dazu bei, dass die Staaten Südamerikas durch steigende Realeinkommen der Bevölkerung und eine stabile Konsumnachfrage der weltweiten Rezession trotzten. 2010 wuchs die Wirtschaft in den großen Ländern der Region um rund sechs Prozent.

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Doch jetzt droht die Teuerungswelle den Aufschwung zu bremsen. Die steigende Geldentwertung hat mehrere Gründe. Zum einen hat der Boom der vergangenen Jahre dazu geführt, dass immer mehr Unternehmen an der Kapazitätsgrenze arbeiten. Vielerorts sind Arbeitskräfte knapp, besonders Ingenieure, Informatiker und Piloten. Aber auch Verkäuferinnen, Putzkräfte und Hilfsarbeiter werden händeringend gesucht. Das lässt die Löhne kräftig steigen.

Zentralbanken intervenieren gegen eigene Währung

Dazu kommt, dass die hohen Rohstoffpreise auch in Südamerika die Teuerungsraten nach oben treiben – obwohl die lokalen Konzerne blendend an der Hausse für Kaffee, Soja, Eisenerz oder Kupfer verdienen. Nicht nur in den Ländern, die wie Peru oder Chile auf Getreideimporte angewiesen sind, müssen die Konsumenten mehr für Lebensmittel zahlen. Auch die Brasilianer werden für Kaffee, Zucker, Fleisch und Sojaöl stärker zur Kasse gebeten.

Dass sich die gestiegenen Lohn- und Rohstoffkosten in den Güterpreisen niederschlagen, ist auf die überreichliche Geldversorgung durch die Zentralbanken der Region zurückzuführen. Um den Aufwertungsdruck zu mindern, haben die Zentralbanken am Devisenmarkt gegen die eigene Währungen interveniert. So verkaufte Brasilien im vergangenen Jahr für 40 Milliarden Dollar die eigene Währung Real. Die Zentralbank Perus intervenierte mit neun Milliarden Dollar, das entspricht rund sechs Prozent des heimischen Bruttoinlandsprodukts. Anfang Januar kündigte auch Chiles Zentralbank an, dieses Jahr bis zu zwölf Milliarden Dollar am Devisenmarkt zu kaufen, um die eigene Währung zu schwächen und der Exportindustrie zu helfen.

Das im internationalen Vergleich hohe Zinsniveau Lateinamerikas hat in den vergangenen Jahren zudem viel spekulatives Kapital angelockt. Das hat die Währungen aufwerten lassen und die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie verschlechtert.

Steuer auf Kapitalzufluss

Grafik: Preissteigerungen in Südamerika Januar 2011

Grafik: Preissteigerungen in Südamerika Januar 2011

Um die Geldschwemme und die Inflation zurückzudrängen, müssten die Zentralbanken ihre Interventionen einstellen und die Zinsen erhöhen. Doch das würde den ohnehin schon hohen Zufluss von Kapital aus dem Ausland verstärken und die Wechselkurse weiter in die Höhe treiben.

Als Ausweg aus dem Dilemma setzen die Regierungen zunehmend auf Kapitalverkehrskontrollen. So hat Brasilien eine Sondersteuer auf Auslandskapital eingeführt, das in Anleihen des Landes investiert wird. Kolumbien hat die Steuer auf Zinserträge für Ausländer erhöht.

Angesichts des Problemdrucks durch den massiven Zustrom von Auslandskapital lehnen mittlerweile selbst marktwirtschaftlich orientierte Ökonomen Kapitalverkehrskontrollen nicht mehr rundweg ab. "Es gibt gute Gründe für Schwellenländer, die Kapitalzuflüsse heute zu begrenzen, um eine Krise in vier oder fünf Jahren zu vermeiden", urteilt Ken Rogoff, ehemaliger Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds.

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