S&P-Drohung: Rating-Riese bedroht ein Herzstück der EU

S&P-Drohung: Rating-Riese bedroht ein Herzstück der EU

, aktualisiert 08. Dezember 2011, 07:41 Uhr
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Das Euro-Symbol.

Quelle:Handelsblatt Online

Nachdem S&P gegen 15 Euro-Länder eine Rating-Warnung ausgesprochen hat, sind jetzt Banken dran. Auch wichtige EU-Institute, wie die Europäische Investitionsbank sind betroffen. Eine Abstufung wäre eine Katastrophe.

LondonJetzt wird es blutig: Die Ratingagentur Standard & Poor's droht auch der Europäischen Investitionsbank (EIB) und der Entwicklungsbank des Europarates (CEB) mit einer Herabstufung. S&P versah am Donnerstag die beste Bonitätsnote „AAA“ für das Langfrist-Rating für EIB und CEB mit einem negativen Ausblick.

Der Schritt folgt der 5. Dezember von S&P ausgesprochenen Drohung, 15 Länder der Euro-Zone herabzustufen - darunter Deutschland und Frankreich. S&P begründete die Überprüfung der Länder mit den erheblichen Unsicherheiten im Zuge der Schuldenkrise.

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Der negative Ausblick für EIB und CEB spiegele die Besorgnis wider, dass sich die Probleme in der Euro-Zone auch auf diese Institutionen auswirken könnten, teilte S&P mit.

Die EIB fördert die Ziele der Europäischen Union durch die langfristige Finanzierung tragfähiger Investitionen. Sie bietet Kunden im privaten und öffentlichen Sektor Darlehen, technische Hilfe, Garantien und Risikokapital an.

Die Entwicklungsbank des Europarates CEB vergibt langfristige zweckgebundene Darlehen für soziale Zwecke. Sie fördert unter anderem Projekte in Ausbildung, Gesundheit und Umweltschutz. Ziel ist die Verbesserung der Lebensverhältnisse in den am wenigsten begünstigten Regionen Europas.

Eine Herabstufung der beiden EU-Banken wäre somit eine Katastrophe und würde quasi an den Grundfesten der Europäischen Union rütteln. Immerhin hat sich die EIB sich ihrer Gründung 1957 durch den EWG-Vertrag zu einem bedeutenden Faktor der Politik des wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalts in der Europäischen Union entwickelt. Veliert sie ihr Top-Rating bedroht das auch langfristige Investitionsfinanzierungen oder verteuert diese zumindest.


Auch deutsche Staatsbank KfW bedroht

S&P droht zudem der in Deutschland angesiedelten staatlichen Förderbank KfW mit einer Herabstufung. Der Schritt kam nicht unerwartet. Das Top-Rating der KfW ist eng verknüpft mit dem der Eigentümerin Bundesrepublik Deutschland.

Die Ratingagentur will nun die Beschlüsse des EU-Gipfels zum Ende der Woche abwarten und dann rasch eine Entscheidung fällen.

Die KfW wird derzeit von allen drei großen Ratingagenturen mit der Bestnote bewertet. Sie kann sich daher ausgesprochen günstig auf dem Kapitalmarkt refinanzieren, während die privaten Großbanken in Europa zunehmend Probleme haben, weil Investoren das Vertrauen in die Branche verlieren.

Der S&P-Rundumschlag trifft auch Privatbanken. Etliche große Kreditinstitute wurde unter verschärfte Beobachtung („CreditWatch“) gestellt, darunter auch die Deutsche Bank und die Commerzbank. Weitere Banken sollen folgen. Ihnen droht damit genauso wie ihren Heimatländern eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit, was wiederum die Refinanzierung erschweren und am Ende die Krise verschlimmern könnte. Auch die britische Großbank Barclays, die französischen Institute BNP Paribas und Crédit Agricole oder die italienische Unicredit müssen um ihr Rating bangen.

S&P hat nun 90 Tage Zeit, eine Entscheidung zu fällen. Die Agentur will zuerst über die Staaten entscheiden und dann über die Banken.

Das Vorgehen von S&P ist durchaus üblich: In der Regel verknüpft die Agentur ihre Länder-Ratings mit Bewertungen relevanter Unternehmen. Die Aktionen liegen meist nur ein paar Tage auseinander.

Das Problem: Ein gutes Rating ist die Voraussetzung dafür, dass sich Staaten oder auch Firmen zu günstigen Konditionen frisches Geld am Kapitalmarkt besorgen können.

Quelle:  Handelsblatt Online
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