S&P, Fitch & Co: Wie die EU die Rating-Riesen zähmen will

S&P, Fitch & Co: Wie die EU die Rating-Riesen zähmen will

, aktualisiert 11. November 2011, 10:35 Uhr
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EU-Kommissar Michel Barnier.

Quelle:Handelsblatt Online

Die US-Ratingagenturen sind nicht erst durch die jüngste Panne von S&P im Fall Frankreich ins Zwielicht geraten. Auch in der Krise zogen die Bonitäts-Wächter Kritik auf sich. Die EU will dem Treiben ein Ende machen.

DüsseldorfStandard & Poor's, Moody's und Fitch - wenn diese Namen fallen, sieht mittlerweile ganz Europa rot. „Sie haben die Finanzkrise nicht kommen sehen. Und jetzt wirft ihr Verhalten in der Euro-Schuldenkrise erneut ernste Fragen auf“, wetterte EU-Kommissar Michel Barnier vor wenigen Monaten. Für den Franzosen ist klar, die Regulierung der Ratingagenturen muss verschärft werden. Kommende Woche will Barnier seine Vorschläge der Öffentlichkeit präsentieren. Doch die Marschrichtung ist jetzt schon klar.

Soviel ist sicher: Den Agenturen geht es ans Leder. Was von Barniers Plänen bekannt wurde, verheißt jedenfalls nichts Gutes. Es dürfte das Geschäftsmodell der Ratingagenturen bis ins Mark erschüttern.

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Barniers Offensive zielt auf fünf Punkte:

Zu allererst soll die übermäßige Abhängigkeit der Investoren von Ratings vermindert werden. Diese sind oft durch eigene oder gesetzliche Vorgaben gezwungen, bestimmte Anlagen nach einer Bonitätsherabstufung zu verkaufen. Für Banken sind Ratings außerdem zentral für die Berechnung des Eigenkapitals, das sie als Gegenposten zu Kreditrisiken vorhalten müssen.

Kritisch sieht Barnier außerdem die gängige Praxis bei der Bewertung von Staaten - hier reichte die Diskussion bis zu dem Punkt, Ratings von Krisenstaaten auszusetzen.

Außerdem haben die Regulierer mögliche Interessenkonflikte im Blick, die sich aus der Eigentümerstruktur der Agenturen ergeben könnten.

Auch soll der Wettbewerb verbessert werden. Der Markt wird von den drei Anbietern Moody's , Standard & Poor's und Fitch beherrscht.

Zudem wird geprüft, ob die Agenturen bei grober Fahrlässigkeit künftig haftbar gemacht werden könnten.


Auch Deutschland will den Ratingagenturen ans Leder

Aus Deutschland kann Barnier auf Unterstützung der Koalition zählen, die in einem Entschließungsantrag des Bundestags gleichlautende Forderungen erhebt. Der CDU-Finanzpolitiker Klaus-Peter Flosbach sagte dazu vor wenigen Tagen, Ratings dürften für Investoren immer nur eine zweite Meinung sein. Viele Investoren verließen sich mechanisch auf die Urteile der Ratingagenturen. Auch deshalb komme es bei Ratingänderungen zu einem Herdenverhalten an den Börsen.

Der Geschäftsführer von Moody's Deutschland, Daniel Kolter, wies die Vorwürfe prompt zurück, die Agenturen seien korrupt oder paktierten mit Spekulanten. Ratings seien die Leitplanken in einem internationalen Finanzsystem, weil sie eine Vergleichbarkeit von Kreditrisiken ermöglichten. Die Agenturen verfügten zwar über ein tiefes Verständnis der Märkte. „Aber wir können nicht garantieren, dass sich die Dinge so entwickeln wie wir erwarten.“ Auch seien Ratingagenturen keine Versicherungen für den Schadensfall und keine Rechnungsprüfer.

Trotz Kritik an ihrem Verhalten in der Finanzkrise kam vom Chef der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Jochen Sanio, ein klares Bekenntnis zur Rolle der

Bonitätsprüfer: „Wenn es sie nicht gäbe, müsste man sie erfinden.“ Als globale Informationsvermittler zwischen Gläubigern und Schuldnern seien sie unentbehrliche Wegweiser für Geldgeber aus aller Welt. Die Regulierungsversuche hätten eine bedenkliche Entwicklung genommen, weil es in verschiedenen Regionen zu unterschiedlichen Standards zu kommen drohe.

„Man braucht sie, sie sind nicht von einem Tag auf den anderen zu ersetzen“, sagte Sanio. Wer eine so zentrale Rolle spiele, gehöre allerdings zu den weltweit systemrelevanten Finanzinstitutionen, die einer harten Regulierung unterworfen werden müssten. „Die schlimmen Sünden der Vergangenheit dürfen ich nicht wiederholen“, sagte der oberste Finanzregulierer.

Quelle:  Handelsblatt Online
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