S&P-Herabstufung: Brasilien nur noch auf "Ramsch"-Niveau

S&P-Herabstufung: Brasilien nur noch auf "Ramsch"-Niveau

Brasilien muss in seinem Bemühen zur Stabilisierung der Wirtschaft einen Rückschlag hinnehmen. Präsidentin Rousseff versucht seit Monaten, das von einem Korruptionsskandal erschütterte Land aus der Rezession zu führen.

Die Rating-Agentur S&P stufte am Mittwoch die Kreditwürdigkeit der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas auf "Ramsch"-Status herab und schloss zudem eine weitere Verschlechterung nicht aus. Die politischen Herausforderungen, vor denen Präsidentin Dilma Rousseff stehe, hätten zugenommen, hieß es zur Begründung. Rousseff versucht seit Monaten, das von einem Korruptionsskandal erschütterten Land aus der Rezession zu führen und ringt um das Vertrauen der Finanzmärkte.

Brasilien

  • Wirtschaftswachstum

    2013: 2,5 Prozent

    2014: 3,1 Prozent

  • Inflation

    2013: 6,2 Prozent

    2014: 5,6 Prozent

  • Arbeitslosenquote

    2013: 5,5 Prozent

    2014: 5,6 Prozent

  • Quelle der Daten

    IHS Global Insight

S&P nahm das Kreditrating auf "BB-plus" von BBB-minus" zurück. Damit verliert das Land den Status "Investment-Grade", der für einige Investoren wichtig ist, weil sie nur Anleihen mit diesem Status erwerben beziehungsweise halten dürfen. Für Regierung und Unternehmen in Brasilien könnten sich neue Kredite nun verteuern, da Geldgeber oft für ein schlechteres Rating einen höheren Risikoaufschlag verlangen.

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Die BRIC-Staaten schwächeln

  • China

    BIP-Wachstum 2010: 10,4 Prozent

    BIP-Wachstum 2013 (Prognose): 7,8 Prozent

    Quelle: IWF

  • Indien

    BIP-Wachstum 2010: 11,2 Prozent

    BIP-Wachstum 2013 (Prognose): 5,6 Prozent

  • Russland

    BIP-Wachstum 2010: 4,5 Prozent

    BIP-Wachstum 2013 (Prognose): 2,5 Prozent

  • Brasilien

    BIP-Wachstum 2010: 7,5 Prozent

    BIP-Wachstum 2013 (Prognose): 2,5 Prozent

Zugleich setzte S&P den Ausblick auf negativ und deutete damit die Möglichkeit einer weiteren Abstufung in naher Zukunft an. Beobachter erwarten, dass die Herabstufung die brasilianischen Finanzmärkte am Donnerstag hart treffen wird. S&P hatte vor knapp zwei Monaten vor der Möglichkeit einer Herabstufung gewarnt. Es ist allerdings unüblich, dass eine Umsetzung dann schon so zeitnah kommt. Umgekehrt verdeutlicht es, wie schnell sich die Finanz- und Wirtschaftslage des Landes zuletzt verschlechtert hat. Das hat auch mit der Abschwächung der Konjunktur in China zu tun, dem größten Exportmarkt für das lateinamerikanische Land. Bei den anderen beiden großen Ratingagenturen - Fitch und Moody's - hat Brasilien noch den Status Investment-Grade.

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Finanzminister Joaquim Levy erklärte kurz nach der S&P-Mitteilung, die Regierung werde in den kommenden Wochen dem Kongress Einspar-Vorschläge unterbreiten, um im Haushalt 2016 einen Primärüberschuss - also ohne Berücksichtigung von Zinszahlungen - zu erreichen. Rousseff hatte noch im August ein Defizit für den Haushalt 2016 angekündigt.

Brasilien befindet sich in der schwersten Rezession seit einem Vierteljahrhundert. Zudem steckt der einstige Musterschüler unter den Entwicklungsländern in einer tiefen politischen Krise nach einem Bestechungsskandal beim staatlichen Ölkonzern Petrobras. Umfragen zufolge wollen zwei Drittel der Bürger, dass Rousseff geht - sie war erst vor einem Jahr für eine zweite Amtszeit von vier Jahren gewählt worden.

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