Syrien: Der Nahe Osten brennt

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Syrien: Der Nahe Osten brennt

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künftig vom amerikanischen Militär für den Kampf gegen die Terrormiliz IS ausgebildet und bewaffnet werden.

Die USA haben Bashar al-Assad den Krieg erklärt. US-Präsident Barack Obama spielt mit dem Feuer. Der Bürgerkrieg in Syrien könnte sich rasch zum Flächenbrand in der Region ausweiten. Der Libanon ist bereits Teil der Kampfzone. Ein steigender Ölpreis bedrohte die Weltwirtschaft.

Die Lunte am Pulverfass Naher Osten brennt. Die Ankündigung des amerikanischen Präsidenten Barack Obama, die syrischen Rebellen unterstützen zu wollen, gleicht einer Kriegserklärung an Syrien. Neben der militärischen Unterstützung der Rebellen ist von der Einrichtung einer Flugverbotszone die Rede. Obama wird seinen Worten Taten folgen lassen müssen. Ein größeres Kontingent an US-Marines wurde bereits an die jordanisch-syrische Grenze verlegt. Ebenfalls von Jordanien aus könnte nach Verlautbarungen aus offiziellen Kreisen mit Hilfe der US-Luftwaffe eine Flugverbotszone errichtet werden. Obama spielt mit dem Feuer.
Die "Washington Post" berichtet, dass die Entscheidung Obamas, die syrischen Rebellen zu bewaffnen, bereits vor Wochen gefallen sei.

Der Treppenwitz der Geschichte

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Auch hätte der CIA im Verlauf des vergangenen Jahres Geheimbasen in Jordanien aufgebaut, damit die USA von dort aus die Waffenlieferungen an die syrischen Rebellen organisieren können. Der angebliche Einsatz von Giftgas durch die Assad-Truppen wäre für Obama demnach somit ein ähnlicher Vorwand, wie das angebliche Atomwaffenprogramm von Saddam Hussein im Irak, der der Bush-Administration den Vorwand zum Irakkrieg geliefert hatte. Das kommentiert der ehemalige Kongressabgeordnete Ron Paul: "Obamas Syrien-Politik sieht Bushs Irak-Politik ziemlich ähnlich". Der Krieg der USA mit Syrien scheint beschlossene Sache zu sein. Dass Obama die von Al-Qaida unterwanderten syrischen Rebellen mit Waffen beliefern will, wirkt wie ein Treppenwitz der Geschichte.

Regionale Player im Syrien-Konflikt

  • Israel

    Ein Einsatz syrischer Massenvernichtungswaffen ist ein Alptraum für Israel, das dem Konflikt bisher eher als Beobachter beiwohnte. Jetzt warnt Jerusalem laut davor, dass Assads Chemie- und Flugabwehrwaffen in die Hände der Hisbollah oder Al-Kaidas fallen könnten. Positiv wäre für Israel, dass sein Erzfeind Iran mit Assad seinen wichtigsten Stützpfeiler in der Region verlieren würde. Mit Assad könnte Israel allerdings auch einen Nachbarn verlieren, der für weitgehende Ruhe an der gemeinsamen Grenze gesorgt hat.

  • Saudi Arabien und Katar

    Die sunnitischen Herrscher vom Golf unterstützen in Syrien - wie schon zuvor in Libyen - die islamisch-konservativen Kräfte. Und versuchen, einen Verbündeten ihres Erzfeindes Iran zu schwächen. Daheim können sie sich so als Unterstützer der Revolution präsentieren, ohne Protesten Vorschub zu leisten. Damaskus will in Saudi-Arabien und Katar die Urheber des „Komplotts“ gegen sich identifiziert haben.

  • Türkei

    Das Nato-Mitglied ist seit langem einer der schärfsten Kritiker des syrischen Regimes. Weiter verschärft wurde das Verhältnis Ende Juni durch den Abschuss eines türkischen Kampfflugzeuges vor der syrischen Küste. Regierungschef Recep Tayyip Erdogan sagte dem syrischen Volk daraufhin Unterstützung bis zur Befreiung von „Diktator“ Assad zu, bei weiteren Zwischenfällen werde sein Land mit Gewalt zurückschlagen. Ein Teil des Nachschubs der syrischen Rebellen wird durch die Türkei geschleust, die allerdings offiziell keine Waffen liefert.

  • Libanon

    Das westliche Nachbarland Syriens ist zerrissen - eine gefährliche Lage. Die Sunniten im Libanon stehen mehrheitlich auf der Seite der syrischen Opposition, die zum Großteil ebenfalls aus Sunniten besteht. Über die Grenze werden auch Waffen geliefert. Die schiitische Hisbollah-Miliz hingegen, die in Beirut in der Regierung sitzt, ist mit dem Assad-Regime verbündet. Die Waffen, mit denen sie ihre Herrschaft sichert, kommen aus Damaskus. Seit einigen Wochen gibt es im Libanon Auseinandersetzungen zwischen pro- und anti-syrischen Gruppierungen, dabei gab es auch Tote.

  • Iran

    Aus iranischer Sicht darf das syrische Regime keinesfalls fallen. Im Frühjahr erklärte Präsident Mahmud Ahmadinedschad, er kenne keine Grenzen bei seiner Unterstützung für Präsident Assad. Angeblich schickte Teheran Militärberater und Kämpfer. Ohne Assads Regime würde es für den Iran schwerer, die eigene anti-israelische Ideologie zu verbreiten. Auch die pro-iranischen Milizen, besonders die Hisbollah in Libanon, würden geschwächt. Zuletzt bestätigte der Iran Gespräche mit Regimegegnern in Syrien und brachte sich als Vermittler ins Gespräch.

  • Al-Kaida

    Das Terrornetzwerk Al-Kaida versucht einmal mehr, auf den fahrenden Zug aufzuspringen. Die Terroristen wollen sich als Speerspitze der Revolution präsentieren und das anschließende Tohuwabohu für ihre Zwecke nutzen.


Russland zählt zu den Verbündeten des Assad-Regimes. Wie sich China bei einer Ausweitung des Konflikts verhalten wird, ist unklar. Tatsache aber ist, dass China besonders abhängig ist von Energielieferungen aus der Region. Während die USA ihre Abhängigkeit von Ölimporten aus der Region dank der zunehmenden Ausbeute unkonventioneller heimischer Quellen in den vergangenen Jahren stark reduziert haben, kann in China die inländische Ölproduktion nicht Schritt halten mit dem steigenden Ölverbrauch. China muss pro Tag sechs Millionen Fass importieren, gut 50 Prozent mehr als 2008.

Laut Informationen des britischen "Independent" soll sich der Iran vor einer Woche entschlossen haben,  4000 Revolutionsgarden zur Unterstützung Assads nach Syrien zu entsenden. Auch unter dem neuen iranischen Präsidenten Hassan Rowhani, der am Wochenende überraschend im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit bei den iranischen Präsidentschaftswahlen errungen hat,  ist in Teheran kein grundlegender Politikwechsel zu erwarten. Schließlich wird die politische Richtung im Iran vom geistlichen Oberhaupt Ayatollah Khamenei vorgegeben.

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