Syrien: Gerüchte um Giftgas belasten Vermittlungsversuche

24. Dezember 2012, aktualisiert 24. Dezember 2012, 17:49 Uhr
Das Bildmaterial von Shaam News Network zeigt die Folgen des Luftangriffs der syrischen Regierung in Halfaja (Video-Standbild von Shaam News Network via AP video/AP/dapd). Quelle: dapdBild vergrößern
Das Bildmaterial von Shaam News Network zeigt die Folgen des Luftangriffs der syrischen Regierung in Halfaja (Video-Standbild von Shaam News Network via AP video/AP/dapd). Quelle: dapd
von dpa und Reuters Quelle: Handelsblatt Online

Erneut haben Rebellen in Syrien von einem Giftgasangriff der Regierung berichtet. Zuvor hatte sich eine solche Meldung als falsch herausgestellt. Assad traf UN-Vermittler Brahimi - unter erschwerten Bedingungen.

Istanbul/Damaskus/BeirutIn Syrien sind die Kämpfe zwischen Regierung und Opposition am Montag mit unverminderter Heftigkeit weitergegangen. Aktivisten in der Unruheregion Homs gaben an, dass Regierungstruppen bei ihren Luftangriffen jüngst auch „giftige Gase“ eingesetzt hätten. Sechs Rebellen seien erstickt, hieß es. Rund 71 Menschen wurden laut Opposition mit Atemproblemen und Übelkeit in Kliniken gebracht.

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Eine unabhängige Bestätigung für die Angaben lag nicht vor. Vorherige oppositionelle Angaben über einen angeblichen Einsatz von Giftgas hatten sich nach Einschätzung von Militärexperten als falsch herausgestellt.

Die Regierung in Damaskus hatte noch am Sonntag bekräftigt, sie werde nicht auf Chemiewaffen zurückgreifen. Der Westen hatte Präsident Baschar al-Assad wiederholt vor deren Einsatz gewarnt und mit Konsequenzen gedroht. Syriens Vorräte an Chemiewaffen gelten als die größten in der Region und sollen unter anderem aus Sarin, Senfgas und VX bestehen.

Russland schloss einen Giftgaseinsatz des Regimes aus. Der Außenminister Sergej Lawrow sagte im englischsprachigen Staatsfernsehen Russia Today: „Ich glaube nicht, dass Syrien Chemiewaffen einsetzt. Das wäre sonst ein politischer Selbstmord der Regierung.“ Meldungen aus Syrien sind wegen der Medienblockade des Regimes von unabhängiger Seite nur schwer überprüfbar.

Auch im Großraum Damaskus eskaliert derzeit die Gewalt. Wegen der heftigen Gefechte rund um die Flughafen der syrischen Hauptstadt hatte selbst der UN-Sonderbeauftragte Lakhdar Brahimi auf dem Landweg von Beirut nach Damaskus reisen müssen.

Nach mehreren gescheiterten Anläufen gibt Brahimi dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad eine neue Chance. Nach Beratungen mit dem Machthaber in Damaskus über eine politische Lösung sagte er am Montag: „Die Lage ist beunruhigend“. Er hoffe aber, dass alle Konfliktparteien einen Weg finden, der dem syrischen Volk dient. Ergebnisse der Beratungen wurden zunächst nicht bekannt.

Es ist der dritte Besuch Brahimis in Syrien, seit er im August sein Amt angetreten hat. In westlichen Diplomatenkreisen wird gemunkelt, dass dies auch seine letzte Reise nach Damaskus sein könnte, falls es keine Bewegung in dem Konflikt gibt. Sein Vorgänger Kofi Annan hatte im Sommer aufgegeben. Im Anschluss an das Treffen mit Assad wollte Brahimi noch mit der von dem Regime geduldeten Opposition zusammenkommen.


Wie sich Brahimi um Frieden in Syrien bemüht

Wie aus Diplomatenkreisen verlautete, hat Brahimi bei dem Besuch den syrischen Präsidenten persönlich darum bitten wollen, Repräsentanten des Regimes für eine gemeinsame Übergangsregierung mit der Opposition zu benennen. Ein Großteil der Rebellen lehnt eine Lösung unter Beteiligung des Machthabers aber ab.

Ob Assad zusagte, blieb zunächst offen. Das Staatsfernsehen berichtete, der Präsident unterstütze alle Bemühungen, die im Interesse des syrischen Volks seien und die Souveränität des Landes nicht gefährdeten. Dies hatte der Machthaber aber schon bei den vorigen Treffen stets betont.

Vor gut zwei Wochen hatten die stellvertretenden Außenminister Russlands und der USA mit dem Sonderbeauftragten Brahimi bei einem kurzfristigen Treffen in Genf nach einer politischen Lösung der Krise gesucht und über die Möglichkeit einer Übergangsregierung beraten. Russland gehört zu den wichtigsten Verbündeten des Assad-Regimes, ging aber zuletzt ein wenig auf Distanz zu Damaskus.

Der blutige Konflikt hat seit Beginn des Aufstandes gegen Assad im März 2011 bereits mehr als 42.000 Menschen das Leben gekostet.

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Kommentare | 3Alle Kommentare
  • 26.12.2012, 12:27 Uhrshadowdancer

    Das der Westen hier auf der falschen steht, ist sehr bedauerlich !
    Bald können wir Alawiten + Christen bei uns aufnehmen dürfen !
    Ägypten dient als schlechtes Beispiel !

  • 25.12.2012, 16:58 Uhrmathias

    Assad sollte nach Vorbild USA politisch andersdenkende gezielt töten.

  • 25.12.2012, 15:37 Uhrshadowdancer

    Das sind wieder Lügenmärchen der islamistischen Rebellen !

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