Syrien-Konflikt: Obamas Ping-Pong mit Putin

ThemaRussland

KommentarSyrien-Konflikt: Obamas Ping-Pong mit Putin

Bild vergrößern

Russlands Präsident Wladimir Putin tritt nun im Konflikt zwischen Syrien und der USA als Vermittler auf

von Florian Willershausen

Eine Übergabe von Assads Chemiewaffen wird nicht leicht zu lösen sein – aber der Versuch ist besser als ein US-Militärschlag. Plötzlich findet sich Russland in der Rolle des Vermittlers wieder. War dies Obamas Kalkül?

Erst wurde US-Außenminister John Kerry belächelt, als er Montagfrüh in Washington den syrischen Diktator Baschar al-Assad zur Aufgabe seiner Chemiewaffen aufforderte. "Wie soll das denn gehen?", fragten Analysten und Kommentatoren, derweil Präsident Barack Obama in Fernsehinterview für seinen Militärschlag Werbung machte. Doch dann griff Moskau den Vorschlag auf – und später stimmte auch Assad dem Vorschlag zu. Ist der US-Krieg gegen Syrien somit abgewendet? In der Nacht zum Dienstag kündigte der US-Präsident jedenfalls an, die Pläne für den Militärschlag auf Eis zu legen.

Die gewonnene zeit mit Erfolg genutzt

Anzeige

Nüchtern betrachtet, hat sich Obamas riskantes Spiel gelohnt: Indem er ankündigte, sich die Zustimmung zum Militärschlag beim Kongress zu holen, gewann er Zeit. Diese Zeit nutzte er offenbar mit Erfolg, um Assad weichzukochen und die Russen als Vermittler in die Pflicht zu nehmen. Moskaus Zustimmung für eine Teil-Entwaffnung des Assad-Regimes ist der erste Schritt, um die Syrien-Krise auf dem Verhandlungsweg zu lösen. Dies gebietet jede Vernunft, denn für ein militärisches Abenteuer ist Syrien zu groß und zu komplex; ein Militärschlag würde unkalkulierbare Folgen haben, wie etwa der russische Präsident Wladimir Putin nicht zu Unrecht von Anfang an warnte.

Nach russischer Forderung Syrien für internationale Kontrolle seiner Chemiewaffen

Syrien hat sich bereiterklärt, sein Chemiewaffenarsenal unter internationale Kontrolle zu stellen. Er begrüße den entsprechenden russischen Vorschlag, sagte Syriens Außenminister Walid al-Mualem am Montag in Moskau.

Russland hat seinen engen Verbündeten Syrien zur Vernichtung seiner Chemiewaffen aufgefordert. Die UN-Vetomacht rufe die Führung in Damaskus auch zu einem vollwertigen Beitritt zur Chemiewaffenkonvention auf. Quelle: dpa

Natürlich wird auch die Übergabe der C-Waffen an internationale Inspektoren praktisch nicht leicht zu lösen sein. Kontrolleure sind auf die Kooperationsbereitschaft der Regime angewiesen, auch wenn die weltweite Aufmerksamkeit nachlässt. Wer weiß, ob Assad nicht doch noch irgendwo Waffen bunkert? Und wird der Westen weiter zuschauen, wenn der Bürgerkrieg in einer Phase der Entwaffnung mit unverminderter Brutalität fortgesetzt werden sollte? Ein Erfolg der Entwaffnung wird maßgeblich Russland abhängen.

Ohne Russland als Vermittler geht es nicht

Jetzt ist Putin in der Pflicht. Er muss die Entwaffnung vorantreiben und dafür sorgen, dass die Kontrollmission unter UN-Mandat gestellt wird. Das bietet ihm die Chance, sich des Stigma eines verbohrten Blockierers zu entledigen und auf internationalem Parkett verspieltes Vertrauen zurückzugewinnen. Die Verhandlungslösung, die plötzlich wieder möglich scheint, ist ohne Russland als Vermittler ohnehin nicht möglich: Neben den international isolierten Iran sind die Russen die einzigen Verbündeten mit Einfluss auf Baschar al-Assad.

Weitere Artikel

Obama sieht die Chance, sich selbst heil aus der Sackgasse zu manövrieren: Er entgeht dem Risiko einer Pleite im Kongress, die ihn selbst, sein Amt und die Weltmacht-Rolle der USA enorm schwächen würde. Den Militärschlag kann er abblasen, sodass er seine pazifistischen Wahlversprechen nicht schlachten muss. Obendrein schiebt Obama die Verantwortung für eine Lösung der Syrien-Krise nach Moskau.

Kann solch ein Manöver Zufall sein? Oder steckt das Kalkül dahinter, wonach Obama mit seinem tagelangen Kriegsgeschrei die Russen auf der Reserve lockt und Assad zur Aufgabe zwingt? Wenn dem so wäre, wirkt Kerrys belächelter Vorschlag wie ein äußerst raffinierter Schachzug: Während sein Chef den Gegner weichkocht, serviert Kerry scheinbar beiläufig den Vorschlag zur Entwaffnung – wohl wissend, dass Assad und Putin darauf eingehen müssen, wenn sie den US-Militärschlag verhindern wollen. Das klingt genial, bloß muss die Entwaffnung nun noch in der Praxis funktionieren…

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%