Syrien-Konflikt: Russland auf dem Weg in die Sackgasse

KommentarSyrien-Konflikt: Russland auf dem Weg in die Sackgasse

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Russische Interessen: Sergej Lawrow verspielt nahezu alle außenpolitische Reputation

von Florian Willershausen

Moskau will im Syrien-Konflikt vermitteln – ein Erfolg wäre die letzte Chance, einen außenpolitischen Totalschaden zu verhindern.

Der liebe Gott hat Sergej Lawrow, Russlands altvorderen Außenminister, mit der perfekten Poker-Mimik ausgestattet: Der 61-jährige Diplomat verzog keine Miene, als er sich am Samstag der Mehrheit des UN-Sicherheitsrats widersetzte und Wirtschaftssanktionen gegen System mit dem antiquierten Vetorecht blockierte.

Stoisch vertritt Lawrow die nationalen Interessen Russlands, die Premier Wladimir Putin definiert. In der Öffentlichkeit kommt der kernige Kettenraucher Lawrow gut an – die Russen mögen es, wenn ihr Land auf dem internationalen Parkett selbstbewusst auftritt.

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Ungeachtet der demonstrativen Gelassenheit steht Lawrow so massiv unter Druck wie selten zuvor: Russland ist drauf und dran, alle außenpolitische Reputation zu verspielen. Die Blockade der Wirtschaftssanktionen gegen Syrien, dessen Präsident Baschar al-Assad seit Monaten das eigene Volk bekriegt, zieht seit der gescheiterten Ratsverhandlung einen Sturm der Entrüstung nach sich.

Heute weilt Lawrow in Damaskus, um zwischen der regierenden Baath-Partei und der Opposition zu vermitteln – was schwierig wird, da sich die Gegner des Regimes nicht mit as-Assads Schergen an einen Tisch setzen wollen.

Es geht ums Prinzip

Die Russen sind zum Erfolg verdammt: Alles andere als ein Ende der Gewalt der Assad-Truppen muss als Scheitern gelten. Unmittelbar vor der Abreise Lawrows meldeten Agenturen, dass allein am Montag rund 100 Zivilisten bei Angriffen der Armee ums Leben gekommen seien. Die Bilder der Toten erreichen über das Internet auch Russland.

Dort fragen sich immer mehr Menschen: Was unternimmt Moskau, um das Blutvergießen zu stoppen? Und warum stellt sich der Kreml gegen die UNO-Sanktionen quer?

Dem Kreml geht es in erster Linie ums Prinzip: Den „arabischen Frühling“ hat die russische Diplomatie praktisch verschlafen, im Falle des Libyen-Feldzug des Westens fühlt sich Moskau übergangen und brüskiert. Jetzt will die Regierung um Wladimir Putin wenigstens im Falle Syriens demonstrative Stärke zeigen – auch, weil Putin ein Image des starken Machers braucht, damit ihn die Russen am 4. März für weitere sechs Jahre in den Kreml wählen.

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