Syrien: UN-Sicherheitsrat schickt Beobachter nach Aleppo

Syrien: UN-Sicherheitsrat schickt Beobachter nach Aleppo

, aktualisiert 19. Dezember 2016, 16:21 Uhr
Bild vergrößern

UN-Sicherheitsrat schickt Beobachter nach Aleppo - Evakuierung läuft

Über Tage war die Evakuierung Ost-Aleppos unterbrochen. Jetzt bringen Busse wieder Zivilisten aus den Rebellengebieten ins Umland. Der UN-Sicherheitsrat einigt sich überraschend auf einen Kompromiss.

Der UN-Sicherheitsrat hat die Entsendung von Beobachtern in die lange umkämpfte nordsyrische Stadt Aleppo beschlossen. Dort läuft die Evakuierung der letzten Rebellengebiete, die nach einem mehrtägigen Stopp am Sonntagabend wieder aufgenommen worden war. Insgesamt hätten seit dem Beginn der Transporte am vergangenen Donnerstag 15.000 Menschen die Stadt verlassen, teilte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) mit.

Alle 15 Mitgliedsstaaten des Sicherheitsrats stimmten in New York einem Kompromissentwurf zu. Darin fordert der Rat den UN-Generalsekretär auf, eine Beobachtung der Evakuierung zu organisieren. Auch der freie Zugang für humanitäre Hilfe wird verlangt. Die Resolution hätte eigentlich schon am Sonntag verabschiedet werden sollen. Die Entscheidung war dann aber nach einer russischen Veto-Drohung und mehr als drei Stunden Verhandlungen hinter verschlossenen Türen auf Montag verschoben worden.

Anzeige

Seit der Wiederaufnahme der Evakuierung am Sonntagabend wurden nach Angaben des IKRK 5000 Menschen in das Umland südwestlich von Aleppo gebracht. Im Gegenzug begann der Transport von Zivilisten aus den von Rebellen belagerten Orten Fua und Kafraja im Nordwesten Syriens. Diese werden vor allem von Schiiten bewohnt. Busse brachten rund 500 Menschen in einen von der Regierung gehaltenen Teil Aleppos, darunter Frauen, Kinder, Kranke und Verletzte, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte.

Aleppo Militante brennen Busse in Nordsyrien nieder

Kämpfer einer Al-Kaida-Gruppe haben mindestens fünf Busse niedergebrannt, die Kranke und Verwundete aus zwei Schiitendörfern in Nordsyrien abholen sollten. Das berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in Großbritannien.

Aleppo: Evakuierung soll weitergehen Quelle: AP

Nach dem Stopp der Evakuierung hatten sich Syriens Führung und Rebellen auf eine neue Vereinbarung geeinigt, die auch den Transport von Verwundeten, Kranken und anderen Zivilisten aus Fua und Kafraja vorsieht. Damit wird eine Forderung des mit Syrien verbündeten schiitischen Irans erfüllt. Teheran unterstützt schiitische Milizen, die in Syrien an der Seite der Armee kämpfen.

Abertausende warteten in Ost-Aleppo noch auf ihren Transport, erklärte IKRK-Sprecherin Ingy Sedky. Wegen einer monatelangen Blockade ist die humanitäre Lage in Ost-Aleppo katastrophal.

Hilfsorganisationen berichteten, die Menschen litten extrem unter den frostigen Wintertemperaturen. „Viele haben nur noch ihre Kleider am Leib“, sagte Nada Hasem von der syrisch-amerikanischen Karam Foundation der Deutsche Presse-Agentur. „Die Menschen haben Hunger. Und sie frieren so sehr, dass sie es nicht mehr ertragen können.“

Der Journalist Suheir al-Schimale berichtete in einem Beitrag für die Nachrichtenseite Middle East Eye, er habe die vergangenen 24 Stunden auf der Straße gestanden. „Es gab nichts zu essen für die Menschen, die auf der Straße warteten. Es war sehr, sehr kalt.“

Warum Aleppo im syrischen Bürgerkrieg so wichtig ist

  • Symbol

    Aleppo hat sich zum Symbol für den verheerenden Konflikt entwickelt. Die Stadt war nahezu seit Beginn der Kämpfe zwischen Regime und Rebellengruppen geteilt und ist das am schwersten umkämpfte Schlachtfeld in dem Krieg. Wer hier siegt, hat auch einen immensen psychologischen Vorteil.

  • Letzte Großstadt

    Aleppo ist die letzte Großstadt, in der Aufständische noch Gebiete kontrollieren. Damaskus und Homs sind fest in der Hand der Truppen von Syriens Präsident Baschar al-Assad. Den Rebellen blieben ohne die ehemals größte Stadt des Landes nur noch einige eher ländliche Gebiete wie die Provinz Idlib.

  • Militärischer Spielraum

    Nicht zu unterschätzen ist der militärische Spielraum, den die syrische Armee bei einer Eroberung gewinnen würde. Die Schlacht um die ehemalige Handelsmetropole bindet viele Kräfte. Diese könnten sich dann auf andere Rebellengebiete des Landes konzentrieren und das Ende des Bürgerkrieges erzwingen.

  • Einfluss Russlands

    An der Entwicklung in der nordsyrischen Stadt lässt sich der Einfluss Russlands seit seinem Kriegseintritt vor mehr als einem Jahr sowie der des Irans ablesen. Ohne diese beiden Verbündeten wäre das geschwächte Regime nicht in der Lage gewesen, die Rebellen so in die Defensive zu drängen.

  • Verfehlte Politik des Westens

    An Aleppo zeigt sich die Schwäche und die verfehlte Politik des Westens, allen voran der USA und seiner Verbündeten. Sie ließen ein Machtvakuum im Bürgerkrieg entstehen, in das Moskau zugunsten der syrischen Regierung vorstieß - und gucken nun ohnmächtig der zivilen Katastrophe zu.

  • Starke Verhandlungsbasis

    Die Eroberung Aleppos würde dem Regime eine starke Verhandlungsbasis für künftige Friedensgespräche geben - falls Assad diese angesichts seines Siegeszuges überhaupt für nötig halten sollte.

Auch 47 Kinder aus einem Waisenhaus in Ost-Aleppo wurden in Sicherheit gebracht. Einige von ihnen seien verletzt und dehydriert, teilte das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef) in Genf mit. Die Evakuierung sei ein Hoffnungsschimmer für zahlreiche andere Kinder in Syrien, sagte der zuständige Unicef-Regionaldirektor Geert Cappelaere. Viele von ihnen seien von ihren Familien getrennt und bräuchten sofortigen Schutz.

Syriens Armee und mit ihr verbündete Rebellen hatten bei einer Offensive in den vergangenen Wochen den größten Teil der Rebellengebiete Aleppos eingenommen. Unter Vermittlung Russlands und der Türkei einigten sich Regierung und Opposition auf einen Abzug der Kämpfer und Zivilisten aus Ost-Aleppo.

Die Außenminister des Irans, Russlands und der Türkei wollen sich am Dienstag in Moskau zu Gesprächen über Syrien treffen. Gleichzeitig kommen die Verteidigungsminister der drei Länder in der russischen Hauptstadt zusammen, wie das russische Verteidigungsministerium am Montag bestätigte.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%