Tempelberg-Krise: Internationale Gemeinschaft will Lage beruhigen

Tempelberg-Krise: Internationale Gemeinschaft will Lage beruhigen

, aktualisiert 23. Juli 2017, 19:22 Uhr
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Bei blutigen Unruhen am Freitag waren vier Palästinenser getötet und rund 400 verletzt worden, bei einem Anschlag in einer israelischen Siedlung im Westjordanland wurden später drei Mitglieder einer Familie erstochen.

Quelle:Handelsblatt Online

Der Streit um Metalldetektoren am Tempelberg in Jerusalem droht weiter zu eskalieren. Die internationale Gemeinschaft ruft Israel und die Palästinenser zur Mäßigung auf. Aber ein Einlenken zeichnet sich bisher nicht ab.

JerusalemAus Sorge vor einer weiteren Eskalation der Gewalt wegen der Tempelberg-Krise bemüht sich die internationale Gemeinschaft um eine Beruhigung der Lage. Schweden, Frankreich und Ägypten hätten eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats in der Frage beantragt, teilte die schwedische Außenministerin Margot Wallström am Sonntag mit. „Dialog, Deeskalation und die Wahrung des Status quo an den heiligen Stätten“ seien unbedingt notwendig.

Bei blutigen Unruhen am Freitag waren vier Palästinenser getötet und rund 400 verletzt worden, bei einem Anschlag in einer israelischen Siedlung im Westjordanland wurden später drei Mitglieder einer Familie erstochen.

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Als Auslöser der Unruhen galt die Installation von Metalldetektoren am Tempelberg, der Muslime und Juden heilig ist. Israel hatte sie nach dem Anschlag dreier Muslime aufgestellt, bei dem am 14. Juli zwei israelische Polizisten getötet worden waren.

Auch das Nahost-Quartett äußerte sich in der Nacht zum Sonntag zutiefst besorgt über die neue Gewalt und rief alle Beteiligten zur Mäßigung auf. Israel und Jordanien müssten zusammenarbeiten, um den Status quo an den heiligen Stätten zu wahren, forderte die aus den Vereinten Nationen, der EU, den USA und Russland bestehende Gruppe.

Israel brachte am Sonntag neue Überwachungskameras am Tempelberg an. Es war zunächst unklar, ob sie dort umstrittene Metalldetektoren ersetzen oder ergänzen sollten. Die Palästinenser lehnen allerdings beide Maßnahmen strikt ab.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hatte am Freitagabend unter dem Eindruck der Konfrontationen alle Beziehungen zu Israel ausgesetzt. Die schließt erstmals seit einem Jahrzehnt auch die Sicherheitszusammenarbeit mit Israel ein, wie Abbas am Sonntag bestätigte. Der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman sagte der Nachrichtenseite „ynet“ dazu am Sonntag: „Wir sind viele Jahre lang ohne Sicherheitszusammenarbeit ausgekommen, wir werden es auch jetzt schaffen.“

Israels Regierung beriet am Sonntag über das weitere Vorgehen. Gilad Erdan, Minister für öffentliche Sicherheit, sprach sich dafür aus, die Detektoren so lange vor Ort zu belassen, bis eine andere Lösung gefunden werde. Israel dürfe Drohungen nicht nachgeben.

Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Ahmed Abul Gheit, warnte Israel am Sonntag vor gefährlichen Konsequenzen. „Die israelische Regierung spielt mit dem Feuer und riskiert es, eine große Krise mit der arabischen und der islamischen Welt auszulösen“, sagte er nach Angaben eines Sprechers in Kairo. Jerusalem sei für Araber und Muslime eine rote Linie, die nicht überschritten werden dürfe. Die Al-Aksa-Moschee auf dem Tempelberg gilt als drittheiligste Stätte des Islams.

Die neuen Konfrontationen entzündeten sich nach dem Freitagsgebet. Israel hatte nur Männern über 50 und Frauen den Zutritt zum Tempelberg gestattet, den Muslime als „Haram al-Scharif“ (Edles Heiligtum) verehren. Ein palästinensischer Attentäter drang dann am Freitagabend in eine israelische Siedlung im Westjordanland ein und tötete dort drei Mitglieder einer Familie.

Netanjahu kündigte am Sonntag die rasche Zerstörung des Hauses an, in dem der Attentäter lebte, und sagte, Israel werde angemessene Sicherheitsmaßnahmen ergreifen.

Israelische Soldaten nahmen nach Medienberichten in der Nacht zum Sonntag 25 Palästinenser im Westjordanland fest. Eine Armeesprecherin bestätigte lediglich, es seien neun Mitglieder der radikal-islamischen Hamas inhaftiert worden.

Papst Franziskus mahnte nach den blutigen Ausschreitungen zur „Mäßigung“. Er verfolge die schweren Spannungen und die Gewalt mit großer Sorge, sagte das Katholiken-Oberhaupt am Sonntag nach dem Angelusgebet in Rom. Er fühle die Notwendigkeit für einen „Appell zu Mäßigung und Dialog“.

Quelle:  Handelsblatt Online
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