Terror: Der IS professionalisiert seine Propaganda

Terror: Der IS professionalisiert seine Propaganda

, aktualisiert 18. Juni 2016, 12:19 Uhr
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Blumen vor einer Schwulen- und Lesbenbar in New York. In einem Schwulenclub in Orlando starben bei einem Attentat 49 Menschen, 53 wurden verletzt.

Quelle:Handelsblatt Online

Nach den Attentaten in Orlando und Paris erklärt die Nachrichtenagentur Amak, die Anschläge hätten IS-Kämpfer verübt. Amak spielt bei der Medienstrategie der Terrormiliz mittlerweile eine große Rolle.

IstanbulWer immer die Verantwortlichen des Nachrichtenkanals Amak auch sind, sie dürften sich in den vergangenen Tagen über einen doppelten Propagandacoup gefreut haben. Nach den Attentaten von Orlando und Paris veröffentlichten die Dschihadisten zweimal die Nachricht, Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) seien für die Gewaltakte verantwortlich. Auch ein Video des Paris-Attentäters verbreiteten sie via Internet über den Globus. Wieder einmal ist es Amak gelungen, weltweit Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Die Nachrichtenagentur hat sich mittlerweile zu einem wichtigen Baustein der IS-Propagandastrategie entwickelt. Beobachtern der Dschihad-Szene im Internet fiel Amak erstmals im Jahr 2014 auf, als Kämpfer der Extremisten die kurdische Stadt Kobane in Nordsyrien angriffen. Mittlerweile verbreitet die Agentur rund um die Uhr Nachrichten aus IS-Sicht vor allem über das Kriegsgeschehen in Syrien und im Irak, wo die Miliz noch immer große Gebiete beherrscht.

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Aber auch bei Terroranschlägen ist Amak häufig das erste Medium, das ein Bekenntnis der Terrormiliz vermeldet. So verkündete die Nachrichtenagentur etwa in diesem Jahr kurz nach dem Attentat in der indonesischen Hauptstadt Jakarta und nach der Terrorserie in Brüssel, IS-Anhänger seien für die Gewalt verantwortlich.

Unabhängig überprüfen lassen sich solche Behauptungen – wie auch nach den Attentaten in den vergangenen Tagen – meistens nicht. Amak und dem IS spielt das in die Hände. Ihnen geht es darum, sich vor Sympathisanten mit Terrorakten zu brüsten und unter „Ungläubigen“ Schrecken zu verbreiten. Mit jeder dieser Meldungen lenken die Extremisten die weltweite Berichterstattung in ihre Richtung.

So sei es den IS-Anhängern etwa nach der Brüsseler Terrorserie gelungen, „ihre Story zu diktieren“, schrieb der IS-Kenner Charlie Winter im US-Magazin „The Atlantic“: „Sei es durch Schlagzeilen oder Tweets, die Propagandisten manipulieren ein globales Publikum, Gegner wie Sympathisanten, um ihre Botschaft der Einschüchterung zu verbreiten und die Wahrnehmung von Isis als Bedrohung zu fördern.“

Über Amak und die Hinterleute ist wenig bekannt. Experten sind sich nicht sicher, ob die Agentur direkt zum IS gehört oder im Umfeld der Terrormiliz agiert. Aus ihren Nachrichten lässt sich aber schließen, dass sie gute Drähte in die Organisation hat, denn häufig folgt den Amak-Meldungen eine Erklärung der Dschihadisten selbst.

Auffällig ist dabei die zurückhaltende Sprache, die Amak verwendet. Wo der IS seine Anhänger als „Soldaten des Kalifats“ verherrlicht, spricht Amak von „Kämpfern“. Während die Terrormiliz Attentäter mit religiösen Formeln preist und Gott für deren „Märtyrertod“ dankt, verzichtet die Nachrichtenagentur auf solche Propaganda - und gibt sich so den Anschein, ein neutrales Medium zu sein.

So übernimmt Amak die Funktion, so etwas wie die zumindest halb-offizielle Nachrichtenagentur des „Islamischen Kalifats“ zu sein, das der IS ausgerufen hat. Damit ist sie ein weiterer Beleg dafür, wie sehr die Dschihadisten ihre Propaganda professionalisiert haben. Keine andere Organisation verstehe die Medien so gut wie der der IS, meint Winter. Neben Amak existieren weitere Einheiten, die in der Medienarbeit der Extremisten andere Aufgaben übernehmen.


Jede Berichterstattung sei gute Berichterstattung

So ist etwa „Al-Furkan Media“ dafür zuständig, Audiobotschaften von IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi und anderen Anführern der Terrormiliz zu verbreiten. Das „Al-Hayat Media Center“ produziert unter anderem in Hollywood-Manier Filme, die den Kampf der IS-Anhänger gegen die „Ungläubigen“ verherrlichen. Mit „Al-Bayan“ betreiben die Extremisten eine eigene Radiostation. Das englischsprachige Internet-Magazin „Dabiq“ wiederum wendet sich an Leser außerhalb der arabischen Welt.

Als erfolglos haben sich bisher die Versuche erwiesen, die Verbreitung der IS-Propaganda im Internet zu stoppen. Amak etwa nutzt vor allem den verschlüsselten Dienst Telegram, um seinen Anhängern Neuigkeiten aus der Dschihad-Welt zu schicken. Wird dort ein Nachrichtenkanal geschlossen, taucht innerhalb kurzer Zeit ein neuer unter anderem Namen auf. Auch beim Kurznachrichtendienst Twitter melden sich IS-Anhänger immer wieder mit neuen Synonymen an.

Je mehr der IS in Syrien und im Irak militärisch unter Druck gerät, desto wichtiger wird die Propagandaarbeit – und desto mehr dürften die Extremisten sie verstärken. Dass sie dabei etwa wegen ihrer Brutalität in den Medien weltweit ein negatives Echo finden, mache keinen Unterschied, warnt IS-Experte Winter: Für den IS sei jede Berichterstattung eine gute Berichterstattung.

Quelle:  Handelsblatt Online
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