Terror in Nahost: US-Außenpolitik treibt den Ölpreis

ThemaNaher Osten

Terror in Nahost: US-Außenpolitik treibt den Ölpreis

von Frank Doll

Irak, Libyen, Nigeria – der Kampf der USA gegen den Terror hat in den ölreichen Ländern nur für noch mehr Terror gesorgt. Das treibt den Ölpreis - und schwächt die Weltwirtschaft.

Die Energiepreise sind entscheidende Parameter für Investitionen, Wachstum und die Finanzmärkte. Das geopolitische Kräftemessen um die Ukraine ist noch nicht vorbei, schon zeichnen sich die nächsten Konflikte mit Auswirkungen auf die weltweite Energieversorgung ab. Im Irak bedroht die Terrorgruppe Isis die Stabilität einer ganzen Region, ebenso brisant ist die Lage in Nigeria.

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Das westafrikanische Land ist wegen seiner Ölvorkommen reich, seine Bevölkerung zählt zu den ärmsten der Welt. 80 Prozent der Staatseinnahmen stammen aus Ölausfuhren, etwa ein Drittel der jährlichen Wirtschaftsleistung. Doch die Petrodollar versickern in den in den Taschen korrupter Politiker und Militärs. Der Militär- und Sicherheitsapparat verschlingt allein ein Drittel der Staatsausgaben.

Schon seit Jahrzehnten droht Nigeria an ethnischen und religiösen Konflikten zu zerbrechen. Doch nun könnte die Entsendung amerikanischer Militärs zur Befreiung von mehr als 200 Mädchen, die von der Terrorgruppe Boko Haram verschleppt wurden, den Anfang vom Ende des Vielvölkerstaats besiegeln. Schließlich hat die Terrorbekämpfung der USA bisher stets zu noch mehr Terror geführt.

Was den Ölpreis bestimmt

  • Nachfrage

    Der Ölbedarf hängt stark von der Konjunktur ab. Mit zunehmenden Wirtschaftswachstum steigt auch der Ölverbrauch. So ist der Bedarf nach Öl in den boomenden Schwellenländern China, Indien und Russland in den vergangenen Jahren massiv gestiegen und hat diese Länder zu den größten Ölverbrauchern der Welt gemacht. Hinzu kommen saisonale Einflüsse, etwa vor dem Winter mit steigendem Heizölbedarf oder der so genannten „Driving Season“ in den USA, weil dann der Benzinverbrauch sprunghaft steigt.

  • Preiselastizität

    Der Ölpreis hat kaum Auswirkungen auf die Nachfrage, da der Ölverbrauch bei steigendem Ölpreis nicht einfach so eingeschränkt werden kann – man spricht von einer preisunelastischen Nachfrage.

  • OPEC

    Der Verbund der Erdöl fördernden Länder spricht sich regelmäßig bezüglich der Fördermenge ab, was natürlich Auswirkungen auf den Ölpreis hat. Sollten sich vor allem die arabischen Länder auf ein Senkung der Fördermenge einigen, verknappt dies das Angebot und treibt den Preis für Rohöl.

  • Erdölreserven

    Erdöl ist grundsätzlich ein knappes Gut, aber es herrscht auch viel Unsicherheit darüber, wie lange die Vorkommen reichen. Hinzu kommt, dass mit steigendem Ölpreis auch der Abbau nur zu höheren Produktionskosten abbaubarer Ölvorkommen eher lohnt, z.B. die Ölgewinnung aus Ölschiefer, Ölsand oder durch Tiefsee-Bohrungen. Außerdem neigen die großen Raffinerien ebenso wie Staaten dazu, ihre Lagerhaltung auszuweiten, wenn der Ölpreis starken Schwankungen unterliegt. Stocken diese Marktteilnehmer ihre Lagerbestände massiv auf, sorgt die erhöhte Nachfrage kurzfristig für neue Preishochs.

  • Finanzmarkt

    An den Börsen wird Öl in Form von Terminkontrakten gehandelt. Die Marktteilnehmer kaufen also Öl, das erst zu einem späteren Zeitpunkt zum vereinbarten Preis geliefert wird. Vom Spotpreis wird gesprochen, wenn es sich um kurzfristige Terminkontrakte handelt, bei denen das Öl innerhalb von zwei Wochen geliefert wird. Längerfristige Terminkontrakte können auch für Spekulanten attraktiv sein.

  • Wechselkurse

    Der US-Dollar ist die Standardwährung im Rohstoffmarkt. Eine Änderung des Dollar-Kurse hat somit Einfluss auf die Ertragslage des Erdölexporteurs. Auf Staatenebene spielt dabei eine Rolle, wie viele Güter in der Handelsbilanz stehen, die in Dollar bezahlt werden. Die erdölexportierenden Länder haben daher Interesse daran, bei einem fallenden Dollarkurs die Exportpreise für Erdöl etwa durch Angebotsverknappung anzuheben.

Der Angriff auf den Irak wurde mit der Bedrohung durch die Massenvernichtungswaffen begründet, die es dort ebenso wenig gab wie Al-Qaida. Die Terrororganisation zog es erst mit dem US-Angriff in den Irak.

Jetzt hat man es dort mit der bestens ausgerüsteten Isis zu tun. An den Börsen geht bereits die Angst um eine Ausbreitung der Gewalt im Irak im gesamten Nahen Osten um. Die Kurse an den Aktienmärkten sinken bereits mit Blick auf den nun steigenden Ölpreis. Der Dax verlor zur Eröffnung 0,3 Prozent und notierte bei 9881 Punkten. Der Preis für das Rohöl Brent stieg um 0,5 Prozent auf 113,06 Dollar je Barrel.

Die US-Regierung unter Barack Obama und ihre Nato-Verbündeten tragen auch die Verantwortung für das Chaos, das in Libyen nach dem Sturz des Gaddafi-Regimes entstanden ist.

Ernsthafte Versuche, eine neue politische Ordnung und Sicherheit im Land zu etablieren, wurden nicht unternommen. Anfang Mai wurde in Libyen der sechste Premierminister nach dem Ende des Gaddafi-Regimes vereidigt. Ironie der Geschichte: Der pro-westliche Ali Zeidan wurde vom Islamisten Ahmed Miitig beerbt. Der Rest ähnelt der Entwicklung im Irak.

Ordinäre Verbrecherbanden

Ein UN-Report warnte schon Anfang 2012 vor der unkontrollierten Verbreitung von Waffen aus den Gaddafi-Arsenalen an Terrorgruppen und andere kriminelle Organisationen - vergeblich. Boko Haram verfügt heute über modernstes Kriegsgerät. Interventionen im Mali, in der Zentralafrikanische Republik und jetzt im Tschad und in Nigeria sollen nun die Probleme lösen, die im Wesentlichen durch die Luftangriffe der USA und der Nato auf Libyen verursacht wurden.

In West- und Zentralafrika werden die Interventionen mit ethnischen und religiösen Konflikten zwischen Christen und Muslime sowie den daraus resultieren Gewaltausbrüchen und Terroraktionen begründet. Dabei handelt es hier überwiegend um ganz ordinäre Verbrecherbanden, die sich den Islam nur als Label anheften und missbrauchen.

Es geht ihren Anführern nicht um Politik oder Religion. Es geht um Lösegeld, Schutzgelderpressung, Menschenhandel und Drogenschmuggel – Fälle organisierter Kriminalität. Deshalb können Amerikaner oder Franzosen auch noch so viele Bodentruppen nach Afrika schicken. Das Terrorproblem lässt sich militärisch nicht lösen, sondern nur über einen funktionsfähigen Staats- und Sicherheitsapparat. Hier lockte ein großes Betätigungsfeld für die Bundesrepublik. Nur zieht es Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen vor, im Schlepptau der Franzosen Bundeswehrsoldaten in die Region zu entsenden.

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Die USA beziehen fünf Prozent ihrer Ölimporte aus Nigeria. Ein Ausfall der nigerianischen Öllieferungen hätte mit Blick auf die weltweit geringen Lagerbestände gewiss Folgen für den Ölpreis und letztlich für die US-Konjunktur. Die Hauptaufgabe der US-Militärs in Afrika besteht deshalb vor allem darin, die Ölfelder Nigerias zu sichern. Das ist ein offenes Geheimnis seit der Veröffentlichung des „Cheney Report“ im Mai 2001. Der ehemalige US-Präsident George W. Bush gründete damals die Nation Energy Development Group unter dem Vorsitz seines Vizepräsidenten Dick Cheney.

Dieser leitete zuvor, zwischen 1995 und 2000, den Ölservicekonzern Halliburton. Der Report definiert den Zugriff auf ausländische Ölquellen bis in die Gegenwart als zentralen Aufgabenbereich der US-Außenpolitik. Das impliziert zwangsläufig militärische Aktionen. Schließlich stehen viele ölreiche Länder den USA feindlich gegenüber. Oder sie stehen, wie jetzt Nigeria und der Irak, unmittelbar vor dem inneren Zerfall. Trotz des heimischen Fracking-Booms werden die USA weiter auf Öleinfuhren angewiesen sein. Zumal sich die Stimmen mehren, die dem Fracking-Boom ein rasches Ende prognostizieren.

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