Terroralarm in Sydney: Polizei beendet Geiselnahme nach 16 Stunden

Terroralarm in Sydney: Polizei beendet Geiselnahme nach 16 Stunden

, aktualisiert 15. Dezember 2014, 18:54 Uhr
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Mehrere Geiseln konnten fliehen

Ein Geiselnehmer hält Sydney über Stunden in Atem. Dann schlägt die Polizei zu. Der Täter soll radikaler Muslim sein. Oder doch nur ein gewöhnlicher Krimineller?

Nach 16 Stunden hat die Polizei im australischen Sydney eine Geiselnahme mit möglicherweise islamistischem Hintergrund beendet. Schwerbewaffnete Sicherheitskräfte stürmten das Café in der Nacht zum Dienstag (Ortszeit). Der Geiselnehmer, ein vorbestrafter radikaler Iraner, sei ums Leben gekommen, berichteten die Sender 7News und 9News unter Berufung auf die Polizei. Auch eine Geisel starb demnach. Die genauen Umstände blieben zunächst unklar. Die Polizei teilte über den Kurznachrichtendienst Twitter lediglich mit: „Sydney-Geiselnahme ist beendet.“ Wann genau sie weitere Details bekanntgibt, blieb offen.

Der bewaffnete Mann - wohl ein Einzeltäter - war am Montagmorgen um kurz vor zehn Uhr Ortszeit in das Lindt Chocolat Café am Martin Place in Sydneys Innenstadt gestürmt. Wie viele Menschen sich zu dem Zeitpunkt dort aufhielten, war unklar.

Fakten zum Terror im Irak

  • Wer verbirgt sich hinter ISIS/IS?

    Die Terrorgruppe ISIS („Islamischer Staat im Irak und in Syrien“) ist eine im Syrienkrieg stark gewordene Miliz. Die Gruppe steht seit 2010 unter Führung eines ambitionierten irakischen Extremisten, der unter seinem Kriegsnamen Abu Bakr al-Baghdadi bekannt ist. Die USA haben zehn Millionen Dollar auf seinen Kopf ausgesetzt. Ihm ist es in den vergangenen vier Jahren gelungen, aus einer eher losen Dachorganisation eine schlagkräftige militärische Organisation zu formen. Ihr sollen bis zu 10.000 Kämpfer angehören.

    Die Gruppe nannte sich Ende Juni in IS um, da sie die Einschränkung auf den Irak und Syrien aufheben wollte.

  • Was sind die Ziele von ISIS?

    ISIS sind Dschihadisten, Gotteskrieger. Sie kämpfen für eine strikte Auslegung des Islam und wollen ihr eigenes „Kalifat“ schaffen. Ihre fundamentalistischen Ziele verbrämt Isis bisweilen - wenn es in einzelnen Regionen gerade opportun erscheint. „Im Irak gerieren sie sich als Wahrer der sunnitischen Gemeinschaft“, weiß Aimenn al-Tamimi, ein Experte für die militanten Einheiten in Syrien und im Irak. „In Syrien vertreten sie ihre Ideologie und ihr Projekt weit offener.“ In der syrischen Stadt Rakka beispielsweise setzen die Extremisten ihre strikte Auslegung islamischer Gesetze durch. Aktivisten und Bewohner in der Stadt berichten, dass Musik verboten wurde. Christen müssen eine „islamische Steuer“ für ihren eigenen Schutz zahlen.

  • Welche Taktik verfolgt ISIS?

    Ihre Taktik ist eine krude Mischung von brutaler Gewalt und Anbiederung - alles zwischen Abschreckung durch das Köpfen von Feinden und Eiscreme für die Kinder in besetzen Gebieten. Das alles dient der Al-Kaida-Splittergruppe Isis nur zu einem Ziel: den Islamischen Staat im Irak und Syrien zu bilden, den ihr Name verheißt. Die Gruppe, der bis zu 10.000 Kämpfer angehören sollen, hat diese Woche die irakischen Städte Mossul und Tikrit überrannt und den Marsch auf Bagdad angekündigt.

  • Wie weit ist ISIS damit gekommen?

    Zu Jahresbeginn hatte Isis bereits die Stadt Falludscha und Teile der Provinz Anbar westlich von Bagdad unter ihre Kontrolle gebracht. Inzwischen hat ISIS maßgeblichen Einfluss auf ein Gebiet, das von der syrisch-türkischen Grenze im Norden bis zu einem Radius von 65 Kilometern vor der irakischen Hauptstadt reicht. Der einstige Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida, den US-Truppen vor ihrem Abzug aus dem Irak 2011 besiegt zu haben meinten, blüht in einer neuen Inkarnation wieder auf. Dabei profitiert Isis von den Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten, die ihre sunnitische Anhängerschaft radikalisieren.

    Bislang drangen ISIS-Kämpfer bis zur Provinz Dijala knapp 60 Kilometer nördlich von Bagdad vor. Rund 50 Kämpfer sollen dort laut Medienberichten bei Gefechten mit der irakischen Armee getötet worden sein. Die Isis habe sich daraufhin zurückgezogen, hieß es. Mittlerweile haben die Kämpfer die Städte Dschalula und Sadija in der Provinz Dijala unter ihre Kontrolle gebracht. Die Städte liegen 125 beziehungsweise 95 Kilometer von Bagdad entfernt.

  • Wie finanziert sich ISIS?

    Nach dpa-Informationen erbeuteten ISIS-Kämpfer in Mossul 500 Milliarden irakische Dinar (318 Millionen Euro) in der Zentralbank. Damit wird Isis zur reichsten Terrororganisation vor Al-Kaida. Experten schätzen das Vermögen der Al-Kaida auf 50 Millionen bis 280 Millionen Euro. Auch schweres Kriegsgerät soll ISIS erbeutet haben. Im Netz kursierende Videos zeigen irakische Panzer und Helikopter mit der schwarzen Flagge der Isis bei einer Militärparade in Mossul.

  • Welche Auswirkungen hat der Feldzug von ISIS auf die Bevölkerung?

    Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warf Isis Bombenanschläge in Wohngebieten, Massenexekutionen, Folter, Diskriminierung von Frauen und die Zerstörung kirchlichen Eigentums vor. Einige Taten kämen Verbrechen gegen die Menschlichkeit gleich. Nach Angaben der Organisation Ärzte ohne Grenzen sind mittlerweile rund eine Million Iraker auf der Flucht. Viele versuchten das als stabil geltende kurdische Autonomiegebiet im Nordirak zu erreichen. Allein in Mossul waren binnen weniger Stunden 500.000 Menschen vor den Extremisten geflohen.

  • Warum ruft der Irak nicht den Notstand aus?

    Ministerpräsident Al-Malikis Versuch, am 12. Juni 2014 den Notstand auszurufen, war am Parlament gescheitert, das eine Abstimmung wegen mangelnder Beteiligung verschob. Seit Monaten zeigt sich Al-Maliki praktisch machtlos gegen den Terror sunnitischer Extremisten im Land. Dieser kostete seit April 2013 Tausenden Menschen das Leben.

  • Bekommt der Irak Unterstützung?

    Der UN-Sicherheitsrat sagte der irakischen Regierung einmütig Unterstützung im Kampf gegen Terrorismus zu. Die Nato und Großbritannien schlossen einen militärischen Eingriff aus. Auch der iranische Präsident Hassan Ruhani hat dem Nachbarland die uneingeschränkte Solidarität im Kampf gegen die Terrorgruppe Isis zugesichert. Sowohl auf regionaler als auch internationaler Ebene werde der Iran alles im Kampf gegen die Terroristen im Irak unternehmen, sagte Ruhani dem irakischen Regierungschef Nuri al-Maliki. Mittlerweile prüft die US-Regierung auch militärische Optionen.

Nach Angaben der Vize-Polizeichefin Catherine Burn waren es weniger als 30. Der 49- oder 50-jährige Geiselnehmer, dem Australien Asyl gewährte, bezeichnete sich den Angaben zufolge selbst als muslimischer Kleriker und Heiler. Auf TV-Bildern war zu sehen, dass er ein Stirnband mit arabischen Schriftzeichen trug und mehrere Geiseln zwang, eine schwarze Flagge mit dem muslimischen Glaubensbekenntnis in die Fensterscheibe des Cafés zu halten. Seine genauen Motive waren laut Polizei unklar. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge forderte der Geiselnehmer mehrfach, den australischen Regierungschef Tony Abbott zu sprechen.

Der Iraner sei wegen sexueller Übergriffe in mehr als 40 Fällen sowie im Zusammenhang mit dem Tod seiner Ex-Frau wegen Beihilfe zum Mord angeklagt, berichteten Medien übereinstimmend. Er sei gegen Kaution auf freiem Fuß gewesen, sagte Anwalt Manny Conditsis, der den Mann im vergangenen Jahr verteidigt hatte. Der Iraner schrieb auch Hassbriefe an Angehörige gefallener australischer Soldaten. Fünf der Geiseln hatten noch am Tage aus dem Café im Geschäftsviertel entkommen können. Fotos zeigten eine Angestellte mit Schürze, die mit Panik im Gesicht auf Polizisten in schwerer Montur zurannte. Ob der Geiselnehmer seine Opfer freiließ oder sie flüchten konnten, sagte die Polizei nicht.

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Die Beamten riegelten den Tatort weiträumig ab, überall gingen schwer bewaffnete Einsatzkräfte in kugelsicheren Westen in Stellung. Gebäude wurden geräumt, darunter vorsichtshalber auch das berühmte Opernhaus. Die Polizei verhandelte nach eigenen Angaben mit dem Geiselnehmer. Dann flüchteten in der Nacht gegen 02.30 Uhr sechs weitere Geiseln, worauf die Polizei das Lokal stürmte. Es fielen Schüsse, Explosionen waren zu hören. Verletzte wurden auf Tragen zu Krankenwagen gebracht.

Fernsehsender hatten den Geiselnehmer schon am Morgen durch ein Fenster des Cafés gefilmt. Auf der Fahne standen die Worte der sogenannten Schahada („Es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammed ist sein Prophet“), die auch von Islamisten wie der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) benutzt werden. In Australien gilt seit September Terror-Alarmstufe drei von vier, was bedeutet: „Terroranschlag wahrscheinlich“. Bei einer Großrazzia hatte die Polizei damals nach eigenen Angaben einen Anschlag auf australischem Boden vereitelt, bei dem ein beliebiger Passant auf der Straße entführt und enthauptet werden sollte. Australien beteiligt sich mit mehreren Hundert Elitesoldaten und Flugzeugen an der internationalen Allianz gegen die Terrormiliz IS in Syrien und Irak.

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