Terroranschläge: Bombay tut sich schwer mit der Rückkehr zur Normalität

Terroranschläge: Bombay tut sich schwer mit der Rückkehr zur Normalität

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Schusswechsel zwischen indischen Eliteeinheiten und Terroristen im Luxushotel Taj Mahal in Bombay

Der Geist Bombays stirbt nie, lautet die Parole der Stunde, doch der Weg zurück in die Normalität scheint schwierig. Zwar verkündeten Regierung und Polizei, neun Terroristen seien getötet und der zehnte festgenommen worden. Doch darauf vertrauen können die meisten „Mumbaikars“ – wie sich die Einwohner Bombays selbst nennen – offenbar noch nicht.

Ob am Chowpatty Beach, an Sonntagen beliebtes Ausflugsziel hunderter Familien, die die Meeresbrise genießen, oder auf dem Marine Drive, der Hauptschlagader entlang der Bucht von Bombay mit ihren szenischen Sitzmöglichkeiten am Wasser, und selbst in altehrwürdigen Einrichtungen wie dem Cricket Club of India, wo sich am Wochenende gern die wohlhabenderen Inder treffen – wohin man in Südbombay auch schaut, überall bietet sich das gleiche, menschenleere Bild.

Das Geschäftsviertel Fort, das in unmittelbärer Nähe der Terrorschauplätze liegt, war am Samstag ebenfalls verlassen. Nur wenige Büros waren besetzt, kaum ein Laden geöffnet. Am Montag wollen die meisten Einwohner jedoch wieder zur Arbeit zurückkehren. Dass die Wirtschaft Indiens durch die Anschläge einen Dämpfer erleidet, glaubt hier niemand. Allenfalls für die Tourismusbranche wird ein Rückgang phrophezeit. Die Inder bleiben selbstbewusst. Von Terroristen dürfe man sich nicht einschüchtern lassen, so die einhellige Meinung.

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Für Mittwochabend ist die Bevölkerung in einer Massen-SMS zu einer friedlichen Demonstration am Gateway of India – gegenüber dem Taj-Hotel – aufgerufen. "Lasst uns der Welt zeigen, wie viele wir sind, und wie sauer, müde und frustriert wir sind", heißt es in der Nachricht, und weiter: "Wir haben das Recht angstfrei zu leben und dieses Recht müssen wir einfordern."

Schock in der Bevölkerung sitzt tief

Auch wenn diese Metropole mit aller Macht zum Alltag zurückfinden möchte, der Schock in der Bevölkerung sitzt tief. Mindestens 195 Tote und knapp 300 Verletzte – so lautet die schreckliche Bilanz der Anschlagsserie.

Unter den Namen der Toten finden sich etliche lokale Wirtschaftsgrößen wie Ashok Kapur, Geschäftsführer der Yes Bank. Am Mittwochabend aßen er und seine Frau Madhu im "Kandahar"-Restaurant zu Abend, als die Terroristen im Oberoi einfielen. Kapurs Leiche wurde später im 19. Stockwerk des Hotels gefunden. Seine Frau hatte es geschafft sich gemeinsam mit einem spanischen Paar zu verstecken, bis sie am Donnerstagmorgen gerettet wurden.

Zwei Tage später ergießt sich ein regelrechter Menschenstrom, die meisten sind in Weiß gekleidet, in der sonst so ruhigen Banganga Road im noblen Stadtteil Malabar Hill. Sie sind auf dem Weg zum Krematorium, wo die traditionellen, letzten Riten an Ashok Kapur vorgenommen werden und anschließend der Körper des Verstorbenen nach Hindu-Tradition verbrannt wird.

Wenig später werden auch die Überreste von Pankaj Shah, einem Immobilien-Tycoon, sowie die Leichen der Schwester und des Schwagers eines bekannten Bollywood-Filmstars den heiligen Flammen übergeben. Alle vier Opfer waren durch Schüsse im Oberoi-Hotel ums Leben gekommen.

Unweit vom Krematorium entfernt befindet sich die Residenz von Vilasrao Deshmukh. Der Ministerpräsidenten von Maharashtra besuchte am Sonntag gemeinsam mit A.N. Roy, dem Polizei-Chef des Bundesstaates, erstmals die Schauplätze des Schreckens. Zeitgleich gab Ratan Tata, zu dessen Konzern die Taj-Kette gehört, in einem Interview bekannt, dass die Hotelgruppe schon einige Tage vor den Anschlägen eine Terrorwarnung erhalten und entsprechend die Sicherheitsmaßnahmen an den Eingängen verschärft habe. Gegen die ausgeklügelten Pläne der Angreifer sei man trotzdem leider machtlos gewesen.

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